Sonntag, 21. Juli 2019

Lakshmi Mittal Ein Inder lehrt die Welt das Fürchten

Die Konkurrenz hatte Lakshmi Mittal einst ausgelacht, als er reihenweise marode Stahlhütten in Osteuropa aufkaufte. Doch dem aufstrebenden Inder gelang es, die Zukäufe auf Rendite zu trimmen. Heute ist er nicht nur drittreichster Mann der Welt, sondern auch Stahlmogul ohne Gleichen.

London - Lakshmi Mittal gilt als der drittreichste Mann der Welt. Nur Microsoft-Gründer Bill Gates und Finanzgenie Warren Buffet gelten als vermögender.

Lakshmi Mittal: Stahlkönig aus Indien
Von Bill Gates unterscheidet den gebürtigen Inder vor allem eins: Das Geld für den Aufstieg kam zunächst aus dem Elternhaus. Sein Vater besaß in der indischen Provinz Rajastan ein Stahlwerk. Mit 19 Jahren steigt der Junior in die Firma ein, er lernt das Geschäft von Grund auf. Parallel studiert er noch Betriebswirtschaftslehre und zieht schließlich mit 26 Jahren nach Indonesien, um sein erstes Stahlwerk aufzuziehen.

Mehr und mehr kaufte der heute 55-Jährige kränkelnde Stahlhütten in Osteuropa und in Entwicklungsländern auf. Die Konkurrenz lachte ihn dafür aus, weil sie es nicht für möglich hielt, aus den ineffizienten Werken profitable Einheiten zu machen. Mittal trat den Gegenbeweis an. Er sagte einmal: "Ich sehe Dinge, die andere nicht wahrnehmen".

Spätestens als er im Dezember 2004 für vier Milliarden Dollar den US-Rivalen ISG erwarb und zur Nummer eins der Branche aufstieg, verging den Rivalen das Lachen. Mittal lässt mittlerweile auf vier Kontinenten produzieren, 165.000 Beschäftigte stehen unter seinem Kommando.

Zufriedener Käufer: Stahl-Magnat Lakshmi Mittal (r.) nach dem Erwerb der ukrainischen Stahlfirma Kryvorizhstal in Kiew Kostete geschätzte 100 Millionen Euro: Mittals Bleibe in London gilt als das damit teuerste Haus der Welt. Im Visier von Mittal: Dieses Stahlwerk Hayange (Frankreich) gehört dem Rivalen Arcelor. Mittal Steel will den luxemburgischen Stahlriesen Arcelor für 18,6 Milliarden Euro kaufen. Wirtschaft trifft Politik: Der Ukrainische Präsident Viktor Yushchenko (l.) gratuliert Mittal nachdem, die ukrainische Firma Kryvorizhstal an den Inder verkauft wurde.

Mittal und seine Geschäfte
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Sein Aufstieg hatte allerdings nicht nur mit unternehmerischem Können zu tun, Glück kam auch hinzu. Denn als China aufwachte, wurden die Kapazitäten der Stahlindustrie plötzlich knapp und die Preise für Stahl zogen an, bescherten Mittal unvorhersehbare Gewinne.

In der Öffentlichkeit hält sich der Stahlkönig zumeist zurück. An die vorderste Kommunikationsfront schickt er lieber seinen Sohn Adithya, der als Finanzchef die Nummer zwei im Konzern ist. Mit dem Aufstieg der indischen Sippe mehrte sich indes die Zahl der Kritiker. Einige Analysten werfen Mittal vor, die Rechte der restlichen Aktionäre - Mittal hält 88 Prozent der Aktien - nicht genügend zu wahren. Sie monieren unter anderem, dass der Senior seine erst 24-jährige Tochter in den Aufsichtsrat berufen hatte.

Die Zurückhaltung der Familie findet ihre Grenzen in der Lust zum Feiern. Englische Boulevardzeitungen berichteten bislang über mehrere prunkvolle Feste in der Villa, die der Patriarch dem Formel-1-Chef Bernie Ecclestone abgekauft hatte. Nicht weniger als 100 Millionen Euro zahlte der neue Maharadscha dem Rennfahrer-Mogul für das Schmuckstück, das als der Hauptwohnsitz der Stahl-Königs gilt. Das im florentinischen Stil erbaute Anwesen im Londoner Nobelviertel Kensington zählt 15 Schlafzimmer, eine Bowlingbahn, einen Ballsaal, ein Hallenbad und ein Museum. Ein Heer von 60 Angestellten hält die 5200 Quadratmeter Wohnfläche sorgsam sauber.

Ausgiebig beschrieben die bunten Blätter zudem die Hochzeit von Mittals Tochter in Versailles, die angeblich 45 Millionen Euro kostete. Sechs Tage sollen die Feiern gedauert haben. Für die musikalische Unterhaltung sorgte unter anderem Popsternchen Kylie Minogue, die einige Melodien trällerte.

Wie es sich für einen exorbitant reichen Mann gehört, lässt Mittal - geschätztes Vermögen: 25 Milliarden Dollar - auch der Politik Geld zufließen. Es ist die Labour-Partei, die in den Genuss seiner Spenden kommt. Angeblich soll der Inder sogar der zweitgrößte Labour-Finanzier bislang sein.

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