InBev Ein Schachzug, zwei Aufsteiger

Die weltgrößte Brauerei InBev hat den bisherigen Deutschland-Chef Alain Beyens in die internationale Konzernleitung befördert. Nachfolger von Beyens wird der bisherige Vertriebsprimus Roland Tobias. Führungswechsel bei InBev Deutschland sind nicht gerade selten.

Bremen - Der weltgrößte Braukonzern InBev  besetzt Anfang Februar den Posten des Deutschland-Chefs neu. Neuer Sprecher der Geschäftsführung wird Roland Tobias. Der 42-Jährige führt derzeit den Vertrieb auf dem heimischen Markt.

Der studierte Betriebswirt Tobias berichtet ab sofort an Stéfan Descheemaeker, der innerhalb der InBev Konzernleitung die Zone Westeuropa verantwortet.

Alain Beyens, bisheriger Deutschland-Chef, steigt mit sofortiger Wirkung in die internationale Konzernleitung auf. Er wird dort die Verantwortung für Zentral- und Osteuropa übernehmen.

Der Brauriese InBev entstand im Frühjahr 2004 aus der Fusion der belgischen Interbrew mit dem brasilianischen Unternehmen Ambev. Die Wurzeln des börsennotierten Familienkonzerns reichen bis ins 14. Jahrtausend zurück. Sechs belgische und brasilianische Eigentümerfamilien kontrollieren die Aktienmehrheit und besetzen 8 der 14 Vorstandsposten.

Viele Brauereien gekauft

Der Brauriese hatte in den vergangenen Jahren im deutschen Markt enorm zugekauft. Unter anderem wurde die Brauerei Diebels, Beck & Co., die Münchener Spaten-Löwenbräu-Gruppe und die Hannoveraner Gilde-Gruppe gekauft. Branchenexperten schätzen diese Gesamtinvestition auf knapp drei Milliarden Euro. Indirekte Folge der Zukäufe war ein häufiger Wechsel auf dem Stuhl des Deutschland-Chefs - Tobias ist der vierte Vorsteher des Geschäfts in drei Jahren.

Kritiker bemängeln zudem, dass dem Konzern es bisher nicht gelungen ist, aus der Marktmacht Kapital zu schlagen. Immerhin konnte der Absatz von InBev's stärkster Marke in Deutschland, nämlich Beck's, in 2005 stark gesteigert werden - in einem insgesamt rückläufigen Markt. Das Branchenmagazin "Inside" berichtete jüngst, dass der Absatz von Beck's um 18 Prozent stieg, der Absatz der drei größeren Konkurrenten Warsteiner, Krombacher und Bitburger dagegen stagnierte oder fiel sogar.

InBev beharrt indes auf der aggressiven Expansionsstrategie - daran änderte auch der jüngste Chefwechsel nicht, der für Branchenkenner überraschend kam. Der Vertrag des bisherigen InBev-Chefs John Brock wurde nicht verlängert, sein Nachfolger wurde Carlos Brito, der bislang das Nordamerikageschäft des Braukonzerns leitete.

Brito kündigte zuletzt an, den rasanten Wachstumskurs der Brauerei fortzusetzen zu wollen. "Das Managementteam hat 2005 bewiesen, was es kann. Wir erwarten, 2006 und darüber hinaus noch mehr für das Unternehmen tun zu können", sagte der Vorstandschef.

manager-magazin.de

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