Takafumi Horie Der die Börsenwelt ins Wanken bringt

Keiner hat die japanische Geschäftswelt stärker polarisiert als der Internetrebell Takafumi Horie. Der japanische Senkrechtstarter und Multimillionär verhöhnte japanische Werte wie kein Zweiter. Umso größer ist nun die Schadenfreude beim Establishment über den tiefen Fall Hories.
Von Martin Scheele

Tokio - Seine Fantasie für abenteuerliche, ja tollkühne Projekte scheint grenzenlos. Nicht weiter entfernt als ins Weltall will Takafumi Horie seine Kunden im Jahr 2008 schicken. Die zahlungskräftige Klientel soll, so der Plan, in einer russischen Kapsel drei bis vier Tage die Erde umkreisen. Doch längst bevor dies Wirklichkeit werden kann, ist Horie tief gestürzt.

Denn den zweiten Tag in Folge erschütterte ein Skandal um den Internetunternehmer, Spitzname Horimon, den Aktienmarkt in Tokio. Der Nikkei verlor zeitweise 700 Punkte, sogar der Handel wurde vorzeitig beendet - eine Novität in der Geschichte der japanischen Börse.

Auslöser des massiven Kursrutsches war die Nachricht, dass gegen die japanische Internetfirma Livedoor, Hories Unternehmen, ermittelt werde. Der Verdacht: Aktienmanipulation und Bilanzfälschung. Angeblich soll Livedoor falsche Angaben zu Aktien eines Tochterunternehmens verbreitet haben.

Demnach soll Livedoor illegalerweise einen Gewinn für die Mutter im Geschäftsjahr 2004 von 1,4 Milliarden Yen (10 Millionen Euro) ausgewiesen haben, obwohl die Firma tatsächlich mit einer Milliarde Yen in den roten Zahlen gesteckt habe. Livedoor habe angeblich 2,4 Milliarden Yen an Gewinnen von mehreren angeschlossenen Unternehmen in die eigene Bilanz übertragen, um die Verluste zu vertuschen.

Abgehoben: Zuletzt wollte Takafumi Horie Weltraumtouristen ins All bringen.

Abgehoben: Zuletzt wollte Takafumi Horie Weltraumtouristen ins All bringen.

Foto: AP/ Kyodo News
Tiefer Fall: Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Horie und Livedoor lösten in Tokio einen Kurssturz aus.

Tiefer Fall: Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Horie und Livedoor lösten in Tokio einen Kurssturz aus.

Foto: AP
Exot der Japan AG: Nach dem Ende der Übernahmeschlacht um Fuji TV feiert Takafumi Horie (2. v. l.) im Kreise seiner Gegner den gefunden Kompromiss. Wie immer verzichtet der Jungunternehmer auf Schlips und Kragen.

Exot der Japan AG: Nach dem Ende der Übernahmeschlacht um Fuji TV feiert Takafumi Horie (2. v. l.) im Kreise seiner Gegner den gefunden Kompromiss. Wie immer verzichtet der Jungunternehmer auf Schlips und Kragen.

Foto: AP
Unter Druck: Staatsanwälte ermitteln gegen Takafumi Horie

Unter Druck: Staatsanwälte ermitteln gegen Takafumi Horie

Foto: AP/ Kyodo News


Aufstieg und Absturz von Takafumi Horie
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Die Staatsanwaltschaft und die Börsenaufsicht hatten deshalb die Büroräume des Internetunternehmens durchsucht. Wenn die Vorwürfe stimmen, drohen dem 33-jährigen, korpulenten Online-Entrepreneur mit dem kurzen Haar bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Die Schadenfreude bei den Vertretern der Japan AG, dem konservativen Establishment, könnte größer nicht sein. Sie ärgerte es immer schon, dass der Senkrechtstarter seinen kometenhaften Aufstieg mit angeblich fragwürdigen Mitteln geschafft hatte.

Doch ob es wirklich kriminelle Methoden waren, muss die Justiz klären. Auf jeden Fall hatte der aufmüpfige Horie die alteingesessene Geschäftswelt immer wieder gepiesackt. Kein Unternehmenschef polarisierte dermaßen die japanische Gesellschaft wie der Mann, der respektlos mit T-Shirt und Jeans statt im Anzug erscheint.

Ein Leben voller Tabubrüche

Spektakulärer Übernahmeversuch scheiterte

Er gibt nicht viel auf traditionelle japanische Werte wie Treue und Gehorsam. In seinem Managementbuch "Anleitung zum Reichwerden: Wie man zehn Milliarden verdient" torpediert der Internetrebell so ziemlich alle Werte des konfuzianisch geprägten Landes. Seine Tabubrüche begannen schon früh, in den 90er Jahren, als er sein Studium der Literatur- und Religionswissenschaften abbrach. Horie war an der Elite-Universität Todai (Universität von Tokio) eingeschrieben.

Horie hielt jedoch nicht viel vom theoretischen Überbau, sondern versuchte sich erfolgreich als Entwickler von Software. Mit ehemaligen Kommilitonen gründete er schließlich 1996 die Firma Livin' on the Edge, die später in Livedoor umbenannt wurde. Zahlreiche Unternehmen verleibte sich Livedoor danach ein. Das Internetimperium galt als die Nummer drei der Branche hinter Softbank und Rakuten.

Besonders spektakulär geriet der feindliche Übernahmeversuch des japanischen TV-Senders Fuji TV vergangenes Jahr. Horie scheiterte jedoch grandios. Zuvor hatte er erfolglos versucht, ein in die Krise geratenes Baseballteam zu kaufen.

Hories Popularität war dermaßen groß, dass sogar Japans Ministerpräsident Koizumi und dessen Liberaldemokratische Partei ihn im vergangenen Wahlkampf einspannte. Horie hatte aber auch den Sprung ins Parlament nicht geschafft. Seiner Bekanntheit tat dies keinen Abbruch. Er trat weiterhin in Fernsehshows auf und schrieb einen der meist gelesenen Web-Blogs.