Enron Ex-Chefbuchhalter lüftet Geheimnis

Im Vorfeld des Prozesses gegen die Topmanager des kollabierten Energiekonzerns Enron hat sich die Lage der beiden ehemaligen Chefs Kenneth Lay und Jeffrey Skilling verschlechtert. Angeblich will der Ex-Chefbuchhalter gegen seine früheren Vorgesetzten aussagen.

Houston - In einem der größten Wirtschaftsprozesse in der US-Geschichte zeichnet sich eine überraschende Wende ab: Der einstige Chefbuchhalter des Energiedienstleisters Enron, Richard Causey, will nach Informationen des "Wall Street Journal" mit der Anklage zusammenarbeiten.

Causey könnte als Kronzeuge der Staatsanwaltschaft entscheidendes Beweismaterial gegen die Hauptangeklagten, seine ehemaligen Chefs, Enron-Gründer Kenneth Lay und den früheren ersten Geschäftsführer Jeffrey Skilling, vorbringen.

Einem Bericht der "Washington Post" zufolge will sich Causey in einem oder mehreren der 34 gegen ihn vorliegenden Anklagepunkte schuldig bekennen. Zugleich habe er zugesagt, gegen seine ehemaligen Chefs Lay und Skilling auszusagen.

Eine Anhörung Causeys sollte noch am Mittwoch vor Gericht in Houston stattfinden. Das würde den für Mitte Januar geplanten Prozess um Monate verschieben, weil die Anwälte von Lay und Skilling eine neue Verteidigungsstrategie ausarbeiten müssten.

Causey werden unter anderem Betrug, Verschwörung, Insiderhandel und Geldwäsche vorgeworfen. Die Konzernmanager sollen Scheingeschäfte getätigt haben, so dass in den Geschäftsbüchern ein höherer Konzerngewinn ausgewiesen wurde, als tatsächlich angefallen war.

Das Energieunternehmen, das einst zu den zehn größten Konzernen der USA zählte und weltweit 20.000 Mitarbeiter beschäftigte, musste Insolvenz anmelden, nachdem seine Übernahme durch den Konkurrenten Dynegy Ende 2001 gescheitert war. Es war eine der größten Insolvenzen in der US-Wirtschaftsgeschichte.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.