IWKA Daimler-Manager neuer AR-Chef

US-Investor Guy Wyser-Pratte hat bei dem Anlagenbauer IWKA für einen umfangreichen Personalaustausch in Vorstand und Aufsichtsrat gesorgt. Ein unerwartet drastischer Margenverfall im Geschäft mit der Autoindustrie hat bei der ersten Hauptversammlung unter neuer Leitung für Missstimmung gesorgt, die Aktie geriet unter Druck.

Karlsruhe - Das Geschäftsjahr 2005 wird der Anlagenbauer IWKA  erstmals seit vielen Jahren mit roten Zahlen beenden. Den Zeitpunkt für die Rückkehr in die Gewinnzone ließ der neue Vorstandschef offen.

"Rückläufige Auftragseingänge und starker Margendruck aus der Automobilindustrie haben die operativen Ergebnisse erheblich verschlechtert", räumte der seit September von Wolfgang-Dietrich Hein geführte Vorstand am Mittwoch ein.

Trotz höherer Umsätze brach der Betriebsgewinn im dritten Quartal um 97 Prozent auf 0,5 Millionen Euro ein. "Die Ergebnisse sind keinesfalls zufrieden stellend", konstatierte Hein vor rund 800 Aktionären auf einer außerordentlichen Hauptversammlung, die sechs neue Aufsichtsräte wählte.

Der Sanierer will den Karlsruher Konzern durch den Verkauf unrentabler Töchter zügig zurechtstutzen und straffer führen. IWKA solle ganz auf Automatisierungstechnik ausgerichtet werden. Die umstrittene Verpackungsmaschinen-Sparte will Hein mit Zukäufen ausbauen.

Keine Vorschuss-Lorbeeren für die neue Führung

An der Börse überwog Skepsis. Die im MDax  notierten IWKA-Aktien fielen um knapp sechs Prozent auf 18,28 Euro. "Bei solchen Zahlen - was soll man da sagen, da muss man die Aktie einfach mal loswerden", sagte ein Händler. Nach Steuern lief bei IWKA ein Quartalsverlust von 33,5 Millionen Euro auf, im Vorjahr standen noch 11,2 Millionen Euro Gewin zu Buche. "Das Quartalsergebnis ist desaströs", sagte HVB-Analyst Peter Rothenaicher. IWKA werde mit einigen Abstrichen im alten Gewand fortgeführt, eine grundsätzliche Neuausrichtung sei das nicht. Auch Kleinaktionäre äußerten nach der anhaltenden Talfahrt Misstrauen in eine schnelle Sanierung.

IWKA ist von der Automobilindustrie und deren Aufträgen für Roboter oder Schweißanlagen abhängig. Im dritten Quartal bekam vor allem die gewöhnlich hochprofitable Industrieroboter-Sparte und die zum Verkauf stehende Zerspanungs-Gruppe Ex-Cell-O die schwache Investitionsneigung zu spüren, da die Autohersteller Kosten senkten und Aufträge stornierten oder verschoben.

Der Umsatz legte in den Monaten Juli bis September zwar um acht Prozent auf 479,3 Millionen Euro zu, fiel aber geringer aus als von Analysten erwartet. Bei vielen Projekten bleibe für IWKA derzeit kein Gewinn hängen, sagte ein Sprecher. Der Preisdruck halte an. Nach neun Monaten summierte sich der Nettoverlust vor allem wegen Ex-Cell-O auf knapp 25 Millionen Euro, 2004 wurden im gleichen Zeitraum 27 Millionen Euro verdient.

Die sechs Neuen im AR

Die sechs Neuen im AR

Auch im Gesamtjahr wird sich IWKA trotz eines deutlich um 42 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gewachsenen Auftragsbestandes nicht mehr in die Gewinnzone retten können. "Die Bereinigung des Portfolios und die negative Entwicklung des Umfeldes lassen im Geschäftsjahr 2005 durch Abgangsverluste ein negatives Ergebnis nach Steuern erwarten", prognostizierte IWKA.

Ganz oben auf der Verkaufsliste steht die unrentable Ex-Cell-O, die Fräsmaschinen herstellt und für 25 Millionen Euro an den Finanzinvestor Maxcor verkauft werden soll. Die Sparte Verpackungsmaschinen will Hein dagegen fortführen, weil er für sie gute Marktchancen sieht.

Ertragssteigerung für 2007 angepeilt

Zum Verkauf der Sparte hatte vor allem der US-Großaktionär Guy Wyser-Pratte Heins Vorgänger Hans Fahr gedrängt. Nach ihm hatten auch sechs Aufsichtsräte ihren Hut genommen. Zu den neu gewählten Aufsehern gehört unter anderem Rainer Beutel, ein Vertrauter von Wyser-Pratte.

Zum neuen Chef des Gremiums wurde der DaimlerChrysler-Nutzfahrzeug-Manager Rolf Bartke gewählt. Bartke ist Chef der Transportersparte von DaimlerChrysler. Als weitere neue Mitglieder wurden neben Beutel (Schefenacker AG), Herbert Demel (Magna Drivetrain AG, vormals Fiat), Pepyn René Dinandt (Mannesmann Plastics Machinery GmbH), Helmut Leube (Webasto AG) und der Finanzvorstand der Heidelberger Druck , Herbert Meyer, in das Kontrollgremium gewählt.

Die Restrukturierung des Konzerns mit 82 lose verbundenen Gesellschaften will Vorstandschef Hein bis zum kommenden Jahr abschließen. Ab 2007 sollen dann die Erträge wieder steigen. Ob dann schon wieder Gewinne geschrieben werden, ließ Hein offen.

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