Banken Weiblich siegt

Eine Frau an der Spitze einer europäischen Großbank? Das Kunststück gelang bisher nur der Spanierin Ana Patricia Botin. Nun zieht Schweden, das Mutterland der Gleichberechtigung, nach. Annika Falkengren übernimmt den Chefposten der SEB.

Stockholm - Dass eine Frau die Führung einer großen europäischen Bank übernimmt, hat Seltenheitswert. Bisher kam nur Ana Patricia Botin, Lenkerin der Santander-Tochter Banesto, diese Ehre zu. Nun wird auch der Chefposten der schwedischen Großbank Skandinaviska Enskilda Banken (SEB) mit einer weiblichen Führungskraft besetzt.

Annika Falkengren, die am Donnerstag Präsidentin und Chief Executive Officer (CEO) wird, ist ein Hausgewächs der Bank, die als Keimzelle des Reichtums der schwedischen Dynastie der Wallenbergs gilt. Ihren Anteil an der Bank hat der schwedische Clan zwar verringert - jüngst auf 18,2 Prozent des Stimmrechtskapitals - trotzdem zieht die Familie weiterhin die Strippen im drittgrößten Finanzhaus Skandinaviens. Den Aufsichtsratsvorsitz hat unlängst Markus Wallenberg übernommen, ein wichtiges Mitglied der Sippe.

Die Personalie Falkengren ist allerdings in Schweden nicht die allergrößte Überraschung. Schweden gilt in Sachen Gleichberechtigung - neben Norwegen - weltweit als das fortschrittlichste Land. So steht es im jüngsten Report der Vereinten Nationen zu diesem Thema. Das gilt allerdings vor allem für den öffentlichen und politischen Bereich. Im schwedischen Parlament, dem Reichstag, sitzen 45,5 Prozent weibliche Abgeordnete.

Vorgänger Thunell geht zur Weltbank

Die zierliche Falkengren arbeitet seit über 17 Jahren für die SEB. Die heute 42-Jährige leitet seit Jahren die wichtigste Konzernsparte Corporate & Institutions, die als führend in Skandinavien gilt und Quartal für Quartal für rund die Hälfte des Konzernergebnisses sorgt. Die Führung dieser Sparte hat sie an ihren engsten Mitarbeiter Magnus Carlsson abgegeben.

Den Konzernvorsitz der Bank übernimmt Falkengren von Lars Thunell. Thunell, acht Jahre Chef der SEB, wird künftig die Internationale Finance Corporation (IFC) führen. Die IFC zählt zur Weltbankgruppe und bemüht sich um die Förderung von privaten Investitionen in den Entwicklungsländern.

Falkengren übernimmt das Ruder in sonnigen Zeiten. Das vergangene Geschäftsjahr bescherte der Bank das beste Ergebnis aller Zeiten: Der Nettogewinn legte um 16 Prozent auf 6,59 Milliarden Schwedische Kronen (688 Millionen Euro) zu. Auch dieses Jahr glänzt das Finanzhaus mit formidablen Resultaten. Aulandsengagements und die Aufwärtstendenz an den nordischen Aktienmärkten ließen die Gewinne deutlich ansteigen.

So hat die zweitgrößte schwedische Bank in den ersten neun Monaten den Operating Profit um 19 Prozent auf 8,7 Milliarden Schwedische Kronen (909 Millionen Euro) verbessert. Nach Steuern verblieben 6,5 Milliarden Schwedische Kronen (679 Millionen Euro).

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