HVB Das kurze Gastspiel der Frau Licci

Kurz vor Vollzug der Übernahme durch die italienische UniCredito haben mehrere zentrale Vorstände der Münchener Bank gekündigt. Unter ihnen befinden sich die Privatkundenchefin Christine Licci und der Leiter des Investmentbanking, Stefan Jentzsch, der in der künftigen UniCredito-Gruppe einen wichtigen Posten übernehmen sollte.

München - HypoVereinsbank-Chef Dieter Rampl hat die Rücktritte von zwei Vorstandskollegen bestätigt. Die Privatkunden- Chefin Christine Licci und Firmenkunden-Vorstand Stefan Jentzsch würden die Bank verlassen, schrieb Rampl am Montag in einer Stellungnahme an die Mitarbeiter.

"Ich akzeptiere diese persönlichen Entscheidungen. Verstehen kann ich sie jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht", schreibt Rampl. Ihre operativen Aufgaben seien bereits von anderen Managern übernommen worden.

Nach einer Meldung vom Wochenende ist es außerdem möglich, dass der Immobilien-Experte Johann Berger seinen HVB-Vorstandsposten aufgibt.

In Finanzkreisen gilt insbesondere der Verlust von Jentzsch als schwerer Schlag für die Unicredito-Gruppe , da der 44-jährige von Anfang an als Leiter der gesamten Corporates & Markets-Sparte der fusionierten Gruppe vorgesehen war und damit als ein Gewinner der Übernahme galt.

Finanzkreisen zufolge hatte UniCredito das bisherige Geschäftsmodell des HVB-Investmentbanking an einigen Stellen verändern wollen. "Daraus hat Jentzsch offenbar den Schluss gezogen, zu gehen", hieß es. Allerdings seien die Gespräche von UniCredito-Chef Alessandro Profumo mit Jentzsch noch gar nicht abgeschlossen gewesen, und an der Grundausrichtung wäre auch nicht gerüttelt worden. "Daher ist der Schritt von Jentzsch schon überraschend." Dagegen sprach ein anderer Manager von "Besatzermentalität" der Italiener, die Entscheidungen vielfach allein träfen.

Wolfgang Sprißler steigt auf

Eine andere mit dem Vorgang vertraute Person sagte dagegen, die Gründe für den Rückzug von Jentzsch seien eher in seinem persönlichen Umfeld zu suchen. Der Zuschnitt des Investmentbanking in der künftigen italienisch-deutschen Bankengruppe sei dafür nicht Ausschlag gebend.

Jentzsch ist seit 2001 im Vorstand der HVB und hatte zuvor mehr als ein Jahrzehnt in führenden Positionen für die Investmentbank Goldman Sachs gearbeitet. Er gilt als einer der wichtigsten Investmentbanker in Deutschland.

Neuer Deutschland-Chef der künftigen UniCredito-Gruppe und Vorstandssprecher der HVB AG soll den Finanzkreisen zufolge voraussichtlich der 59 Jahre alte bisherige HVB-Finanzvorstand Wolfgang Sprißler werden, der maßgeblich an den Fusionsverhandlungen mit UniCredito beteiligt war. Der bisherige HVB-Chef Dieter Rampl soll dem Verwaltungsrat (Board) der neuen UniCredito-Gruppe vorstehen. Auf Rampls Nachfolge hatten sich Licci und Berger Hoffnungen gemacht.

Ein Jahr ist genug

Ein Jahr ist genug

Die 41 Jahre alte frühere Citigroup-Deutschland-Chefin Licci und der 45 Jahre alte Immobilienexperte Berger waren erst zu Jahresbeginn zu der HVB gekommen - zu einem Zeitpunkt, als bereits die Vorbereitungen für die Übernahme durch UniCredito liefen.

Beide fühlten sich daher Finanzkreisen zufolge getäuscht. Für Berger - neben Immobilien auch für das Firmenkundengeschäft unterhalb von Großkonzernen zuständig - liefen zuletzt Planungen, ihm auf UniCredito-Ebene ein Ressort mit der Zuständigkeit für das Immobiliengeschäft der Gruppe einzurichten. Das Firmenkundengeschäft ist darin aber nicht enthalten.

Berger sei jedoch offenbar enttäuscht über die monatelange Unklarheit über seine Möglichkeiten in der Bank, hieß es in den Kreisen. Jentzsch und Licci würden die so genannte "Change-of-control-Klausel" nutzen, die eine Kündigung ohne Zustimmung des Aufsichtsrats ermöglicht, wenn der Eigner des Unternehmens wechselt. In aller Regel sind dabei dann auch Abfindungen vorgesehen.

Ein HVB-Sprecher verwies bezüglich der Personalien auf eine Verwaltungsratssitzung bei UniCredito am 18. November, nach der alle zentralen Personalentscheidungen bekannt gegeben würden. Bei der Board-Sitzung wird UniCredito auch die Übernahme endgültig besiegeln und die Aktien für den Aktientausch der HVB-Papiere freigeben.

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