Universitäten Abwanderung ohne Ende

Viele deutsche Nachwuchswissenschaftler sehen in ihrem Heimatland keine berufliche Perspektive mehr. Die deutschen Talente suchen vermehrt ihr Glück in den USA. Dort, schwärmen sie, sind die Studiengänge viel praxisorientierter.

Washington - Eigentlich wollte Bernhard Seeber nach Deutschland zurückkehren. Nach zweijähriger Forschungsarbeit an der Berkeley Universität (Kalifornien) suchte der Elektro-Ingenieur aus Dessau händeringend einen Job in der Heimat.

Aber leider ohne Erfolg: "Es gab keine attraktive Stelle, auf die ich mich bewerben konnte", beklagte der Akustikexperte. Also verlängerte der promovierte Forscher im Frühjahr seinen Vertrag an der Berkeley Universität um zwei weitere Jahre.

Wie Seeber sehen viele der deutschen Nachwuchswissenschaftler keine berufliche Perspektive in ihrem Heimatland. 6000 junge deutsche Forscher arbeiten nach Angaben der German Scholars Organisation (GSO) derzeit in den USA. "Ein Viertel der Forscher, die in die USA gehen, kommt nicht nach Deutschland zurück", sagt GSO-Gründer Professor Eicke Weber. Der Physik-Professor hat sich zum Ziel gesetzt, die Abwanderung der besten Wissenschaftler aus Deutschland zu stoppen.

"Hier herrscht ein besseres Forschungsklima"

"Die deutschen Unis müssen verstärkt um die besten Köpfe werben", fordert Weber. "Sonst wandern noch mehr Forscher ab." Weber weiß, dass die Universitäten in den USA für viele deutsche Wissenschaftler reizvoll sind. "Hier herrscht ein besseres Forschungsklima", sagt er und weist auf die finanziell bessere Ausstattung der amerikanischen Hochschulen hin.

Außerdem locke die Zusammenarbeit mit manchen weltbekannten Wissenschaftlern an den US-Eliteuniversitäten - oder zumindest die Nähe zu ihnen. Sogar deutsche "Star"-Forscher wie Physik-Nobelpreisträger Wolfgang Ketterle haben einen Lehrstuhl in den USA.

Doch trotz der Vorzüge der amerikanischen Universitäten wünschen sich viele deutsche Nachwuchsforscher die Rückkehr nach Europa. Rund 450 deutsche Wissenschaftler in Nordamerika haben sich jüngst in einem Offenen Brief an die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern für eine attraktivere Hochschullandschaft in Deutschland stark gemacht.

"In Deutschland ist alles zu theorielastig"

10.000 Deutsche studieren derzeit in den USA

Sie fordern, dass erfolgreichen Juniorprofessoren und Leitern von Nachwuchsgruppen eine langfristige berufliche Perspektive geboten wird. "Außerdem wollen wir, dass das Berufungsverfahren für Professorenstellen transparenter und nachvollziehbarer gestaltet wird", sagt Ansgar Reiners, Mitinitiator der Initiative "Zukunft Wissenschaft".

Das Phänomen "Brain Drain", also die Abwanderung junger Akademiker ins Ausland, ist für deutsche Wissenschaftler aber nicht neu. "Pro Jahr wandern aus meinem Fachbereich zwei bis drei meiner besten Studenten ins Ausland ab", stellt Wirtschaftsprofessor Michael C. Burda von der Berliner Humboldt-Universität fest.

Bessere Promotionsbedingungen und ein strafferes Doktorandenstudium - dies sind laut Burda Gründe, warum deutsche Talente ihr Glück in den USA suchen. Insgesamt 10.000 Deutsche studieren nach Angaben des Deutschen Akademischen Austauschdiensts derzeit in den USA.

Der gebürtige Saarbrücker Florian Hauswiesner hat den Master-Abschluss im Fach Jura gerade in der Tasche - erworben an einer Universität in Washington. "Die Professoren haben hier mehr Zeit für die Studenten", berichtet er. Zudem sei in den USA das Studium viel praxisorientierter: Viele seiner Dozenten arbeiten nebenbei als Anwalt. "In Deutschland ist alles zu theorielastig", klagt er.

Hauswiesner knüpfte während seines Studiums zahlreiche Kontakte und baut sich nun in den USA eine Existenz auf - als Anwalt und Unternehmensberater.

Ob Bernhard Seeber in naher Zukunft nach Deutschland zurückkehrt, ist noch offen. Seine Arbeit an der Berkeley Universität mit den modernsten technischen Akustik-Geräten macht ihm Spaß. "Ich bin hier in einem der besten Labore und an einer der besten Unis der Welt", schwärmt der Elektro-Ingenieur - leider hilft oft alles nichts gegen das Heimweh.

Stefan Biestmann, DPA

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