Von Seneca bis Machiavelli Welcher Strategietyp sind Sie?

Ist Ihnen nahezu jedes Mittel recht, um ein ersehntes Ziel zu erreichen? Oder vertrauen Sie auf Ihre Flexibilität, um erfolgreich zu sein? Von Machiavelli bis Seneca - welcher von sechs Strategietypen sind Sie? Ermitteln Sie Ihr Profil im Test.
Von Jochen Eversmeier und Klaus Werle

Mit welcher Strategie reagieren Sie, wenn ein Kollege oder Konkurrent Sie auszustechen droht? Kündigen Sie Ihren Handyvertrag, wenn er ausläuft, und spekulieren auf ein besseres Angebot? Oder wechseln Sie direkt zum günstigsten Anbieter? Die Klassiker der Erfolgsstrategie liefern für solche Fragen bis heute wertvolle Denkanstöße.

Für den römischen Philosophen Seneca beispielsweise war oberstes Ziel, durch innere Gelassenheit und gute Planung zum Glück zu finden. Geradezu populär wurde er als Wegbereiter des modernen Zeitmanagements: "Wir haben nicht zu wenig Zeit, wir verschwenden zu viel davon", lautet eine seiner Einsichten.

Welcher Strategietyp sind Sie? manager-magazin.de lädt Sie ein, im folgenden Test Ihr Profil herauszuarbeiten. Der Check, den die Redaktion gemeinsam mit dem Unternehmensberater Ingmar Brunken, Autor des Buches "Die 6 Meister der Strategie" , entwickelt hat, zeigt auf, welchem der von Brunken analysierten Großstrategen Sie am ehesten entsprechen. Neben drei westlichen Klassikern stehen drei östliche Großstrategen zur Auswahl:

Sun Tsu (um 500 v. Chr.): Der chinesische General, der im 5. Jahrhundert vor Christus lebte, hat mit "Die Kunst des Krieges" das erste Strategiebuch der Geschichte vorgelegt. Oberste Maxime ist der Sieg ohne Gefecht, zum Beispiel durch Kooperation. Sun Tsu legte größten Wert auf die akribische Vorbereitung jedes einzelnen Schrittes - inklusive Ausforschung und Täuschung des Gegners. Der Schlüssel zum Erfolg ist die Einschätzung der eigenen Kräfte - eine absolute Neuerung für seine Zeitgenossen. Viele Beobachter sehen in seinen Theorien gar die Blaupause für die Expansionsstrategie des heutigen Chinas.

Carl von Clausewitz (1780-1831): Die Unwägbarkeiten des Krieges und des Wirtschaftslebens (Clausewitz nennt sie "Friktionen") führen für den preußischen Militärphilosophen zwangsläufig dazu, dass Unsicherheit keine beiläufige Störung, sondern unvermeidbarer Begleiter jeder Strategie ist. Kern der Clausewitzschen Strategie ist deshalb Flexibilität. Entsprechend müssen Eventualitäten als Realitäten behandelt und ihre Konsequenzen abgeschätzt werden.

Niccolò Machiavelli (1469-1527): Der Beamte in der florentinischen Staatskanzlei der Renaissance lotete in seinem Buch "Der Fürst" die Mechanismen der Macht (und des Machterhalts) aus. Mit Merksätzen wie "Die, welche ganz zu dir halten und nicht habgierig sind, musst du ehren und lieben" wird Machiavelli vor allem auf Management und innere Führung übertragen, aber auch auf den Kampf mit der Konkurrenz und das Ringen um Marktanteile. Das einmal als richtig Erkannte muss konsequent umgesetzt werden, auch wenn Mittel und Ziel unpopulär sind. Kein Wunder, dass das Buch bis heute als strategische Handlungsanleitung für nach Erfolg und Macht hungernde Menschen gilt, wenn auch in der einseitigen Interpretation der Machiavellisten, die unter Berufung auf den falsch verstandenen Machiavelli ohne Rücksicht auf Verluste ihre Ziele verfolgen.

Seneca (4 v. Chr.-65 n. Chr.): Für den zur Schule der Stoiker gehörenden römischen Philosophen ist das oberste Ziel, durch innere Gelassenheit zum Glück zu finden. Seneca rät, die eigenen Ziele systematisch anzugehen: Zunächst ihre Definition ("Wollen"), dann die Prüfung der eigenen Fähigkeiten ("Können") und schließlich die Umsetzung ("Wagen"). Populär wurde er vor allem als Wegbereiter modernen Zeitmanagements.

Miyamoto Musashi (17. Jh.): Der Verfasser des "Buchs der Fünf Ringe" lebte als Krieger ("Samurai") im Japan des 17. Jahrhunderts. Für den talentierten Schwertkämpfer hat der Sieg im offenen Kampf höchste Priorität. Musashis wichtigste Regel: Die Situation aus der Vogelperspektive sehen ("Betrachte alle Dinge von höherer Warte aus und mit einem offenen, ungetrübten Geist"), um die Regeln des Kampfes perfekt nutzen beziehungsweise unorthodox auslegen zu können und daraus Vorteile zu ziehen.

Hagakure (18. Jh.): Das Buch "Hagakure. Der Weg des Samurai" (durch Jim Jarmuschs Film "Ghost Dog" einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden) entstand im frühen 18. Jahrhundert. Der zum Einsiedlermönch konvertierte ehemalige Samurai Tsunetomo Yamamoto diktierte die Sammlung von etwa 1300 Maximen, Lektionen und Geschichten einem Schreiber. In der Interpretation Ingmar Brunkens steht Hagakure vor allem dafür, Widerstände zu überwinden. Das gelingt nur, wenn sie angegangen werden und das Risiko des Misserfolgs in Kauf genommen wird.

Test: Ermitteln Sie Ihren Strategie-Typ!