Bachelor-Boom Umstrittener Hut

Die Umstellung auf internationale Abschlüsse an deutschen Hochschulen läuft auf Hochtouren. Doch der Bachelor-Abschluss bringt nicht nur Vorteile. Die Express-Akademiker starten zwar früher in den Beruf, verdienen aber - mindestens am Anfang - weniger als diplomierte Studenten.

Bonn/Gütersloh - An deutschen Hochschulen hat eine neue Zeitrechnung eingesetzt: Traditionelle Studienabschlüsse wie Diplom oder Magister werden zu Gunsten des Bachelors und Masters aufgegeben. "Seit etwa zwei Jahren diskutieren die Hochschulen über eine flächendeckende Einführung der Studiengänge", sagt Andrea Frank, Projektleiterin im Kompetenzzentrum Bologna der Hochschulrektorenkonferenz in Bonn.

Bis die traditionellen Diplom- und Magisterstudiengänge verschwunden sind, wird es noch Jahre dauern. Bis dahin entstehen aber bereits zahlreiche interdisziplinäre Studiengänge mit den neuen Abschlüssen. Die Vielfalt wird dadurch zwar größer. Mit der besseren Auswahl sei es für Abiturienten jedoch aufwändiger geworden, das richtige Studienangebot zu finden, schränkt Lars Hüning vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh ein.

Der Bachelor, so lautet der Plan der EU-Bildungsminister, soll der erste berufsqualifizierende Abschluss werden, in der Dauer und die Lehrelemente, die Module und studienbegleitenden Prüfungen nach vergleichbaren Standards aufgebaut sind. Ein Vorteil des neuen Abschlusses ist die kürzere Studiendauer. Mit einer Regelstudienzeit von meist sechs Semestern können die Absolventen früher in den Beruf einsteigen. "Daher müssen Bachelorstudiengänge nicht nur Wissen vermitteln, sondern gezielt auf die Praxis vorbereiten", sagt der Experte.

Der Zugang zu einer Uni-Karriere könnte jedoch weiterhin für Studenten mit traditionellem Abschluss einfacher sein, vermutet Hüning. Der Einstieg in den Beruf wird für Bachelorabsolventen dagegen eher als unproblematisch beurteilt: Laut Andrea Frank zeigten erste Absolventenstudien, dass die Chance auf einen Arbeitsplatz nicht schlechter seien.

Bei eher theoretischen Studiengängen wie im geisteswissenschaftlichen Bereich verbesserten sich durch die Umstellung auf Bachelor sogar die Zukunftsaussichten, sagt Annedore Bröker. Durch mehr Praxis würden die Studenten wesentlich arbeitsplatzorientierter ausgebildet werden, erläutert die Beraterin für akademische Berufe der Bundesagentur für Arbeit in Hamburg. "Sie bekommen jetzt das Handwerkszeug für den Arbeitsalltag."

"Qualifizierte Auswahl der Hochschulen"

"Qualifizierte Auswahl der Hochschulen"

Allerdings verdienen Bachelorabsolventen beim Berufseinstieg etwas weniger als Studenten mit vergleichbarem Diplom- oder Magisterabschluss. Zu bedenken sei aber, dass sie bereits zwei Jahre früher in den Beruf einsteigen würden, erklärt Kolja Briedis vom Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover. "Es ist noch offen, ob der Abstand verkürzt werden kann", erläutert der Fachmann.

Neue Studiengänge haben dagegen häufig mit Startschwierigkeiten zu kämpfen: Im Wintersemester 2004/05 wurde an der Universität Frankfurt erstmals der Bachelorstudiengang Kognitive Linguistik angeboten. "Wir hatten am Anfang keine Erfahrungswerte, was die Organisation des Studium angeht", erklärt Patrick Brandt vom Institut für Kognitive Linguistik.

Ein weiteres Problem sei, dass der Studiengang derzeit noch keine anerkannte Berufsqualifikation biete, sagt der Dozent. Daher sollten seiner Meinung nach die Absolventen nach ihrem Studium noch eine Berufsausbildung anschließen.

Zum Teil gibt es auf dem Arbeitsmarkt auch noch Vorbehalte gegenüber dem neuen Abschluss. Es fehlen hier einfach die Erfahrungswerte. Dabei würden die Studiengänge ein breites Grundlagenwissen vermitteln, was auch immer wieder von den Arbeitgebern gefordert werde, sagt Briedis. Der Bachelor muss sich als Regelabschluss eben noch durchsetzen. Denn einen Platz für das aufbauende und spezialisierende Masterstudium zu bekommen, ist nicht einfach. "Einige Hochschulen werden hier eine qualifizierte Auswahl zu treffen", erklärt Frank.

Für unter- und durchschnittliche Studenten dürfte es daher schwierig werden einen Platz zu bekommen. Durch den international anerkannten Bachelorabschluss seien die Studenten wesentlich flexibler, meint die Expertin. Nach dem ersten Studienabschluss könnten sie schließlich unkompliziert die Universität wechseln oder sogar im Ausland weiterstudieren.

Ragah Kamel, dpa

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