Rewe Ex-Chef Berninghaus muss bluten

Im Betrugsprozess zwischen dem Kölner Handelskonzern Rewe und seinem Ex-Chef Ernst Dieter Berninghaus haben sich die beiden streitenden Parteien jetzt verglichen. Berninghaus hat eine eidesstattliche Erklärung abgegeben und zahlt 6,5 Millionen Euro an den Konzern.

Köln - Bei dem Betrag von 6,5 Millionen Euro handelt es sich um eine "Kompensation" in einem gerichtlichen Vergleich, teilte Rewe am Freitag in Köln mit. Nach Angaben von Pressesprechers Christian Seidenabel, Pressesprecher der Kanzelei Lovells, die Berninghaus vertritt, ist das genau die Summe, die Berninghaus selbst bereits vor dem Verfahren angeboten hat.

Ursprünglich ging es um eine Schadenersatzsumme von fast 27 Millionen Euro. In dem Zivilprozess vor einer Kammer für Handelssachen am Landgericht Köln hatte Rewe Berninghaus beschuldigt, verdeckt Anteile an der Schweizer Internetfirma Nexum erworben zu haben. Später soll der einstige Hoffnungsträger Berninghaus dann die Internetfirma Nexum an Rewe verkauft und Provisionen in Höhe von mehr als 6,5 Millionen Euro eingestrichen haben.

"Diesen vollen Betrag zahlt Herr Berninghaus an Rewe zurück", sagte Rewe-Sprecher Wolfram Schmuck. Außerdem verzichte Berninghaus auf alle Leistungen aus der Aufhebungsvereinbarung als Vorstandschef. "Die darin vereinbarte Summe wird Herrn Berninghaus nicht ausgezahlt", sagte Schmuck. Zudem verliere der Ex-Vorstandschef alle Pensionsrechte. Vor dem Vergleich vom Freitag hatte Berninghaus bereits drei Millionen Euro an den Kölner Handelskonzern gezahlt.

Die Vereinbarung basiere auf einer eidesstattlichen Erklärung von Berninghaus über seine Vermögensverhältnisse. "Wir wollten sicherstellen, dass wir bei der Rückzahlung das erreichen, was möglich war", sagte Schmuck. Bei einem Gütetermin vor Gericht war ein solcher Vergleich angeregt worden.

Laut Rewe hat sich Berninghaus nun zudem verpflichtet, alle Informationen über mögliche strafrechtliche Verfehlungen anderer an die Staatsanwaltschaft weiter zu leiten. Die Ermittlungen der Anklagebehörde in einem möglichen strafrechtlichen Verfahren wegen des Vorwurfs der Untreue gegen Berninghaus in gleicher Sache laufen derzeit noch.

Konten in der Karibik

Konten in der Karibik

Berninghaus soll den "Deal" im Zusammenhang mit der Nexum nach Angaben der Rewe-Anwälte mit seinen Studienfreund, dem Metro-Manager Ralf Bender, eingefädelt haben. Der Manager habe die zum damaligen Internetboom herrschende Stimmung ausgenutzt und künstlich Druck aufgebaut. Die geheimen Zahlungen an ihn seien über bereits lange zuvor eingerichtete Konten in der Karibik geflossen.

Nach Angaben von Seidenabel wurde allerdings anhand zweier Gutachten nachgewiesen, dass Nexum durchaus werthaltig war.

Berninghaus war im Oktober 2004 völlig überraschend nur knapp eines halben Jahr nach seiner Ernennung zum Rewe-Chef von seinem Posten zurück. Gesundheitliche Probleme waren damals als Grund angegeben worden. Der plötzliche Rücktritt von Berninghaus hatte für erhebliche Turbulenzen in der Führungsspitze des Handelskonzerns gesorgt.

Danach war das Unternehmen zunächst von einer Dreier-Spitze bestehend aus den Vorstandsmitgliedern Josef Sanktjohanser, Gerd Bruse und Hans Schmitz geführt worden. Seit April steht Achim Egner, der frühere stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Mobilfunkanbieters Debitel, an der Spitze des Unternehmens.

Berninghaus war Nachfolger von Hans Reischl, der fast drei Jahrzehnte die Kölner Genossenschaftsgruppe geführt hatte. Mit einem Umsatz von fast 41 Milliarden Euro ist Rewe die Nummer drei im europäischen Lebensmittelhandel.

Neben dem Zivilverfahren erwartet Berninghaus in gleicher Sache ein Strafprozess. Auch die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt seit Herbst vergangenen Jahres wegen des Verdachts des Betrugs und der Steuerhinterziehung gegen den Manager.

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