Montag, 17. Februar 2020

Wolfgang Schrempp Der kleine Bruder

Ein Schrempp geht, ein Schrempp bleibt. Nach dem angekündigten Rücktritt von Jürgen Schrempp wird sein jüngerer Bruder Wolfgang demnächst an einen familienfremden Chef berichten müssen.

Hamburg - "DaimlerChrysler kann zwei Schrempps verkraften", konterte Wolfgang Schrempp (55) vor einigen Jahren den Vorwurf, er würde als Teil des "Systems Schrempp" im Konzern wegen seines älteren Bruders Jürgen (60) einen Bonus genießen.

Wolfgang Schrempp:
Von Freiburg über München nach Rom
Ab Ende des Jahres muss DaimlerChrysler Börsen-Chart zeigen nun mit nur noch einem Schrempp auskommen, und der kleine ohne seinen großen Bruder.

Das dürfte dem Chef von DaimlerChrysler Italien wohl gelingen. Der agierte zwar immer im Schatten des nun scheidenden Vorstandsvorsitzenden, genießt aber mittlerweile fast schon selbst Promi-Status.

Ein Daimler für den Papst

So galt der ehemalige Leiter des Freiburger Berufschulzentrums, der seit 1989 beim Daimler schafft, zu Zeiten Johannes Paul II. in der Boulevardpresse als "Papst-Intimus". Höchstpersönlich übergab er dem Heiligen Vater die jeweils neueste Version des "Papamobils". Da sich DaimlerChrysler auch als Kultur- und Architektur-Sponsor im Vatikan engagiert, dürften Schrempps exzellente Kontakte auch unter Benedikt XVI. nicht abreißen.

"Papamobil" von Mercedes-Benz: Beste Kontakte zum Vatikan
Doch nicht nur zur Kurie hat Wolfgang Schrempp einen direkten Draht. Auf den von DaimlerChrysler unterstützten Kulturevents in Rom, geben sich die Schönen und Mächtigen der Stadt regelmäßig ein Stelldichein. Und auch alte Bekannte aus München, wo Schrempp von 1995 bis 1999 die dortige Niederlassung sanierte, reisen gern gen Süden. "Dafür lohnt sich die weite Reise", freute sich in der "Bunten" vor zwei Jahren der Architekt Peter Lanz, der einst für Schrempp in München das neue Mercedes-Hochhaus konzipierte, anlässlich eines Konzerts der Wiener Philharmoniker in der Basilika di San Paolo Fuori Le Mura.

Historisches Rennen auf Umbriens Straßen

Symphonien der ganz anderen Art sind jedes Jahr im Mai auf dem legendären Oldtimer-Rennen Mille Miglia zu hören, wenn knapp 400 historische Sport- und Luxuswagen von Brescia nach Rom düsen. Auch Wolfgang Schrempp ist nicht nur als Vertreter des Sponsors Mercedes-Benz mit von der Partie, sondern steuert regelmäßig selbst einen 300 SL über Umbriens Straßen. In diesem Jahr unter anderem ebenfalls dabei: Siemens-Vorstand Rudi Lambrecht, Auto-Vermieter Erich Sixt und Chopard-Chef Karl-Friedrich Scheufele.

Mercedes-Benz 300 SL: Edel-Oldtimer für die Mille Miglia
Bei so viel Dolce Vita könnte man glauben, dass es sich abseits von den Stuttgarter Ränken und Skandalen recht gut aushalten lässt, zumal die Absatzzahlen - so gar beim Krisen-Auto Smart - in den vergangenen Jahren recht passabel waren.

Doch gerade der kleinste Wagen der DaimlerChrysler-Flotte, dessen Milliardenverluste auch ihren Beitrag zum vorzeitigen Abgang von Jürgen Schrempp leisteten, setzt nun auch Wolfgang unter Druck. So soll ein nicht autorisierter Händler fabrikfrische, für den italienischen Markt bestimmte Smarts hier zu Lande 30 Prozent unter Neupreis angeboten haben. Die Ermittlungen in Sachen Graumarktgeschäfte laufen bei DaimlerChrysler auf Hochtouren, unter Mithilfe von Wolfgang Schrempp, wie es aus Stuttgart heißt.

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