Samstag, 19. Oktober 2019

Familien Zentis/Goerdt/Döring Süße Früchte und saure Gurken

2. Teil: Wie der Clan die Gruppe steuert

"Tiefen haben wir bisher nicht gehabt"

Den Schritt ins europäische Ausland haben die Aachener, deren Mitarbeiterzahl sich auf 1250 beläuft, längst gewagt. Vor zehn Jahren beschritt der Fruchtzubereiter den Weg nach Polen (Zelków) und Ungarn (Dregelypalánk). Eine Entscheidung, die die Gesellschafter nicht bereuen - und auch sonst wurden sie von der Entwicklung ihres Investments eher verwöhnt. Was Johnen, der nicht Gefahr läuft, an Selbstunterschätzung zu erkranken, in die Worte kleidet: "Tiefen haben wir bisher nicht gehabt".

Qualitätskontrolle der Marmelade "Landliebe": Mit Hilfe einer Lizenzvereinbarung bringt Zentis den Brotaufstrich unter der Premiummarke von Campina "Landliebe" auf den Frühstückstisch
Der Ursprung des Mittelständlers datiert im Jahr 1893, als Franz Zentis in Aachen ein Kolonialwaren- und Lebensmittelgeschäft gründet, das anfangs kleinere Geschäfte und Bäckereien im Umkreis beliefert. Mit der Verarbeitung von getrockneten Aprikosen und Zucker zu einer Konfitüre im Jahr 1900 beginnt die Produktion. Mit dem Artikel "Famos" - Kürzel für "Feinste Aprikosen-Marmelade ohne Sirup" wird der erste Schritt vom Händler zum Konfitürenproduzenten vollzogen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, bei dem rund 80 Prozent der Gebäude zerstört wurden, folgte der Wiederaufbau und Mitte der 50er Jahre die Erweiterung um den Geschäftsbereich Süßwaren. Zur Trennung von Management und Kapital kommt es schließlich 1964. Mit Heinz-Gregor Johnen, dem Vater von Karl-Heinz, zieht erstmals ein externer Manager in die Geschäftsleitung ein. Die Eigentümer wachen seitdem im Beirat über das Unternehmen. Deutliches Zeichen der Trennung: Die Vertreter der süßen Sippe verzichten auf ein Büro in der Firma.

"Die Generation geht beruflich andere Wege"

Dreimal im Jahr treffen sich die Anteilseigener mit den familienfremden Geschäftsführern - neben Johnen auch Dieter Stauber- sprechen über Strategien und Perspektiven, Chancen wie Risiken. Den Vorsitz des Beirats hat ein gewisser Walter Döring inne. Döring? Kein Zentis? Die Antwort ist so einfach wie das Bestreichen von Brot mit Konfitüre: Schon vor Jahrzehnten hatte sich die Gründerdynastie Zentis dank geschickter Vermählungspolitik um zwei Familienstämme erweitert. Außer den Zentis' (35 Prozent) halten auch die Familien Goerdt (15 Prozent) und Döring (50 Prozent) Anteile.

[M] DDP; DPA; mm.de
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Ansprüche an eine Tätigkeit im Unternehmen macht derzeit keiner der etwa 20 Gesellschafter geltend. "Diese Generation geht beruflich andere Wege", sagt Geschäftsführer Johnen. Dafür hält die Sippe an ihrem Unternehmen fest und will es nicht verkaufen - obwohl sie häufig Anfragen bekommen. "Zentis soll eigenständig bleiben", berichtet Johnen und verweist auf jüngst formulierte Leitsätze.

Frühere Gedankenspiele über einen Börsengang seien zudem heute nicht aktuell. Johnen erwähnt die Eigenkapitalquote, die bei mehr als grundsoliden 43 Prozent liegt. Überhaupt sei Zentis "ein gesundes Unternehmen, das nie Verluste geschrieben hat". Das hänge auch damit zusammen, dass die "Eigentümer einen großen Teil der Gewinne im Unternehmen lassen". Weitere Details zur Ertragssituation lässt er sich - getreu der traditionellen Firmenpolitik - nicht entlocken.

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