Karriere Wenn dem Chef der Kragen platzt

Ein schief geknöpftes Hemd oder eine grell farbene Krawatte - bevor die Karriere beginnt, kann sie abrupt zu Ende sein. Miserable Optik ist das Knock-out-Kriterium Nummer eins im Beruf. Was müssen Manager heute bei der Auswahl ihrer Kleidung beachten?

Essen/Berlin - Ob Bewerbungsgespräch, Geschäftsessen oder Vorstellung des neuen Kollegen: Der erste Eindruck entscheidet.

Oft hängt es dann von Kleinigkeiten ab, ob eine Karriere erst richtig beginnt oder vorschnell endet. Ein schief geknöpftes Hemd oder die unpassende Krawatte - und schon war's das. Das Auftreten zählt nach Einschätzung von Experten oft mehr als die fachliche Qualifikation.

So gibt es Männer, die immer perfekt angezogen ausehen. Götz Alsmann ist so einer. Das liegt vielleicht an seiner Prinzipientreue: Anzug, weißes Hemd und Krawatte sind bei ihm Standard - die Krawatte "perfekt auf den jeweiligen Anzug abgestimmt und vorzüglich gebunden", wie das Deutsche Mode Institut in Köln urteilte, das den Musiker und Moderator 2004 zum "Krawattenmann des Jahres" kürte.

Aber als generelles Vorbild für alle beruflichen Lebenslagen taugt das nicht: "Es hängt immer von der jeweiligen Branche und auch vom Firmenimage ab, wie man sich kleiden sollte", sagt Brigitte Ruhleder, Etikette-Expertin und Leiterin eines Management-Instituts in Bad Harzburg. "Für Architekten gelten ganz andere Regeln als für Banker." Wer oft Kontakt zu Kunden hat, muss außerdem darauf achten, dass das eigene Outfit nicht im Widerspruch zu dem steht, was man verkaufen will: "Konservative Nadelstreifen passen nicht zu innovativen Produkten", warnt Ruhleder.

"Die Bedeutung der Kleiderordnung wird oft unterschätzt", sagt Bettina Angerer, Coaching-Expertin aus Norderstedt bei Hamburg. "Korrekte Kleidung ist sowohl in Bewerbungssituationen als auch im alltäglichen Berufsleben entscheidend." Dabei komme es nicht darauf an, sich ständig nach der neuesten Mode anzuziehen. "Was zählt ist zunächst einmal, dass man ordentlich wirkt - das aber vom Scheitel bis zur Sohle."

"Kleider machen Leute", sagt auch Jürgen Hesse, Karriereberater in Berlin. Wie jemand wirkt, was er anderen signalisiert, wird nicht zuletzt durch den Kleidungsstil bestimmt: "Warum heißt die Firma wohl Boss?", fragt Hesse. "Nachtportiers tragen so etwas nicht." Durch die Kleiderwahl kann anderen - nicht zuletzt den Vorgesetzten - gezeigt werden, dass man Ambitionen hat. "Die Kleidung ist immer auch eine Bewerbungshilfe für den nächsten Job", sagt Hans-Michael Klein, Autor und Benimm-Experte aus Essen.

Was "in" und was völlig "out" ist

"Den Casual Friday gibt es kaum noch"

Wer hoch hinaus will, sollte deshalb am besten schon den Anzug tragen, der für die nächste Karrierestufe passt. Das geht allerdings nicht ohne Fingerspitzengefühl: Wer sich allzu offensichtlich für höhere Aufgaben qualifiziert hält, eckt damit möglicherweise bei Kollegen an, warnt Klein. Insgesamt allerdings sieht er einen Trend hin zu Kragen und Krawatte. "Das Laissez-faire früherer Jahre ist wieder vorbei, den Casual Friday gibt es kaum noch."

Deshalb lohne es in jedem Fall, einige Grundregeln zu beachten: "Krawatten-Nadeln zum Beispiel sind völlig aus der Mode. Das gleiche gilt für Hemden mit Button-down-Kragen oder den weißen Kragen am blauen Hemd." Anders als vor Jahren üblich sollte die Krawatte bis zum Gürtel reichen - und nicht bis zum Bauchnabel. "Bunt gemusterte Krawatten wirken außerdem unseriös", erklärt Bettina Angerer. "Für Frauen gilt, im Geschäftsleben so wenig nackte Haut wie möglich zu zeigen." Strümpfe seien deshalb auch im Sommer unverzichtbar. Für die Accessoires empfiehlt sie die "magischen Fünf": Samt Uhr, Kette und Ohrringen sollten es nicht mehr Schmuckstücke sein.

Wichtiger als die Frage, ob zum unifarbenen Hemd gestreifte oder gepunktete Krawatten besser passen oder schwarze Schuhe besser zum grauen Sakko als braune, ist allerdings der Gesamteindruck. "Man muss konsequent in seinem eigenen Stil sein", betont Brigitte Ruhleder.

Ungünstig sei es, wenn einzelne Kleidungsstücke oder Accessoires völlig unterschiedliche Signale aussenden: "Wenn der Nadelstreifenanzug-Träger plötzlich einen Brilli an der Nase hat, fragt sich doch jeder "Was soll das denn heißen?"", so die Expertin.

Nie verkehrt sei die Faustregel, sich dezent, aber qualitativ hochwertig zu kleiden - und auf die richtige Größe zu achten: "Eine Nummer kleiner macht nicht wirklich schlanker", warnt Ruhleder. Hilfreich sei die Orientierung am Umfeld: Wer modisch aus der Reihe tanzt und den anderen dadurch auffällt, macht wahrscheinlich etwas falsch.

Und eines ist nach Einschätzung von Brigitte Ruhleder immer zum Scheitern verurteilt: Wenn jemand durch die Kleidung ein ganz anderer werden will. Der Jeansträgertyp wirkt im Designeranzug eben selten authentisch. Kleidung überzeuge nur, wenn sie natürlich wirkt. "Aber wie sagte schon Oscar Wilde - Natürlichkeit ist die schwierigste Pose, die man einnehmen kann."

Andreas Heimann, DPA

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