ARD-Skandal Wilfried Mohren in U-Haft

Die betroffenen Sendeanstalten der ARD ziehen Konsequenzen aus den Verfehlungen hochrangiger Mitarbeiter. Während der MDR eine zügige Aufklärung im Fall Wilfried Mohren verspricht, hat sich der HR bereits vom ehemaligen Sportchef Jürgen Emig getrennt. Auch Bavaria-Chef Thilo Kleine muss gehen.

Leipzig/Frankfurt/München - Seit Wochen schwelt der ARD-Bestechungskandal, in den hochrangige Mitarbeiter einiger Landesanstalten verwickelt sind. Die Sender ziehen jetzt die Konsequenzen aus dem Verhalten ihrer ehemaligen Mitarbeiter.

Der MDR verspricht eine zügige Aufklärung im Fall des bereits suspendierten und inzwischen angeklagten Sportchefs Wilfried Mohren. Der HR hat seinen ehemaligen Sportchef Jürgen Emig fristlos entlassen. Und auch Bavaria-Chef Thilo Kleine musste seinen Sessel fristlos räumen.

Nach einem Bericht der "Leipziger Volkszeitung" wurde der Mohren am Donnerstagmorgen in seinem Wohnhaus in Markkleeberg bei Leipzig verhaftet. Wie Ralf Schamber, Sprecher der sächsischen Antikorruptionseinheit INES, dem Blatt sagte, bestehe gegen Mohren "dringender Tatverdacht" und "Verdunklungsgefahr".

Der MDR hofft auf eine zügige Aufklärung des Falls. "Der MDR wird alles daran setzen, den Fall Mohren aufklären zu helfen", teilte Sendersprecher Eric Markuse am Donnerstagabend mit. Der Sender sei schon jetzt Hauptgeschädigter "dieser Angelegenheit, die uns alle sehr belastet".

Der MDR hoffe, dass sich der Tatverdacht nicht bestätige. "Falls doch, so muss sich der MDR selbstverständlich von Mohren trennen", sagte Markuse. "Es wäre für alle Beteiligten das Beste, wenn die Ermittlungen zügig vorankämen", fügte er hinzu.

Getrennt hat sich der Hessische Rundfunk (HR) bereits von Jürgen Emig. Der frühere HR-Sportchef wurde fristlos entlassen. Emig sitzt bereits seit mehreren Wochen in Untersuchungshaft. Er soll über eine TV-Agentur seiner Frau und seines Geschäftspartners Harald Frahm von Sportveranstaltern Schmiergeld für die TV-Berichterstattung über bestimmte Sportereignisse kassiert haben.

Bavaria-Chef Kleine muss gehen

Emig legt Teilgeständnis ab

Nach Angaben der Frankfurter Staatsanwaltschaft legte Emig ein Teilgeständnis ab, in dessen Folge Frahm in Untersuchungshaft genommen wurde.

Behördensprecher Thomas Bechtel sagte, Emig habe bei seiner freiwilligen Aussage am Mittwoch seinen ehemaligen Geschäftspartner so sehr belastet, dass der Haftbefehl gegen Frahm um Untreue und Steuerhinterziehung erweitert worden sei.

Bisher war Frahm gewerbsmäßige Bestechlichkeit und Beihilfe zum Betrug vorgeworfen worden. Frahm sitzt den Angaben zufolge nun im Untersuchungsgefängnis Frankfurt-Höchst, Emig in Weiterstadt. Die Vernehmung Emigs soll in der nächsten Woche fortgesetzt werden.

Bavaria-Chef Kleine muss gehen

Auch die Produktionsfirma Bavaria hat ihren Geschäftsführer Thilo Kleine fristlos entlassen. Das wurde nach einer außerordentlichen Sitzung der Bavaria-Gesellschafterversammlung am Donnerstag in München bekannt. Kleine war zunächst wegen unzulässiger Schleichwerbung vor allem in der ARD-Serie "Marienhof" abgemahnt und letzten Freitag beurlaubt worden.

SWR-Intendant Peter Voß erklärte für die als Bavaria-Gesellschafter fungierenden ARD-Rundfunkanstalten, dass mit der sofortigen Trennung von Kleine der Weg für einen Neuanfang frei gemacht werde. Durch die Fälle von Schleichwerbung sei ein erheblicher Schaden entstanden. "Ebenso klar ist aber auch, dass wir uns dem Problem schnell gestellt und die Lehren daraus gezogen haben", fügte Voß hinzu.

Laut Bavaria wurde insgesamt Schleichwerbung für 1.476.000 Euro vor allem in der Serie "Marienhof" (80 Prozent) und in der Krankenhausserie "In aller Freundschaft" (20 Prozent) untergebracht. Die Prüfer stießen auch auf drei Fälle von Schleichwerbung bei "Tatort"-Folgen.

Am Mittwoch war ein neuer Fall im Kieler "Tatort" bekannt geworden. Die Produktionsfirma Studio Hamburg entließ deshalb ihren Geschäftsführer Frank Döhmann.

Bei der Bavaria soll bis auf weiteres Geschäftsführer Dieter Frank kommissarisch die Gesamtverantwortung übernehmen.