Günter Herz Wie der Fuchs auf der Lauer

Er steht für den Aufstieg Tchibos vom Kaffeeröster zum Handelskonzern. Nach Kabalen in seiner Familie stieg der Milliardär Günter Herz aus und machte Kasse. Seitdem sucht er lukrative Investments. Einmal ist der öffentlichkeitsscheue Hamburger, der am Freitag 65 wird, schon fündig geworden.

Hamburg - Er ist einer der vermögensten Deutschen und einer der zugleich sehr zurückgezogen lebt. Günter Herz gibt so gut wie nie Interviews, hält keine öffentlichen Reden und ist kein Partygänger. Weder sieht man ihn bei Festveranstaltungen in der Hamburger Handelskammer, noch bei den großen "Events" der Medienmetropole im Norden.

Seine Leidenschaften sind Pferde und die Führung von Markenartikel-Unternehmen. Am kommenden Freitag wird der langjährige Chef des Tchibo-Konzerns und heutige Großaktionär des Sportartikelherstellers Puma  65 Jahre alt - ohne eine öffentliche Feier.

Günter Herz hat Tchibo über mehr als drei Jahrzehnte geführt und aus dem einstigen Kaffee-Filialisten den heutigen Handelskonzern geformt, der aus dem Alltag in Deutschland nicht mehr wegzudenken ist. Schon mit Mitte 20 trat Herz nach dem plötzlichen Tod des Vaters Max an die Spitze des Hamburger Familienunternehmens, das damals nicht mit dem heutigen Milliardenkonzern vergleichbar war.

Übernahme von Eduscho - Aufstieg zum Marktführer

Herz war es, der nach und nach den Handel mit Gebrauchsartikeln zum zweiten und heute wichtigsten Tchibo-Standbein entwickelte, er war verantwortlich für den Einstieg beim Nivea-Konzern Beiersdorf  und die Übernahme der Zigaretten-Firma Reemtsma - alles äußerst erfolgreiche Transaktionen. 1997 übernahm Tchibo schließlich den Hauptkonkurrenten Eduscho und stieg damit zum Marktführer im Kaffeegeschäft in Deutschland auf. Nach dem Mauerfall hatte Herz schneller als die Konkurrenz die Chancen in Osteuropa erkannt und war mit Kaffee und Zigaretten zügig am Markt.

Doch alle unternehmerischen Erfolge von Günter Herz und die enorme Vermehrung des Familienvermögens brachten keinen Frieden in den zerstritten Herz-Clan. Schon das Testament des Vaters hatte mit einer auslegbaren Formulierung, nach der "zwei meiner fähigsten Jungen" die Mehrheit an Tchibo halten sollten, den Keim für allerlei Streit und Hader gelegt. Auf der einen Seite standen meist Michael Herz und dessen Brüder Wolfgang und Joachim, auf der anderen Seite Günter und seine Schwester Daniela. Mutter Ingeburg versuchte, sich aus dem Dauerzwist ihrer fünf Kinder herauszuhalten.

Nach schier endlosen Kabalen räumte Günter Herz Anfang 2001 den Vorstandsvorsitz bei Tchibo und im August 2003 trennte er sich gemeinsam mit Daniela für rund vier Milliarden Euro auch von seinen Tchibo-Anteilen. Seitdem gibt es zwischen den Familienstämmen keine Kontakte und keine geschäftlichen Verbindungen mehr. Günter Herz hat mit dem Tchibo-Konzern, den er jahrzehntelang aufbaute, nichts mehr zu tun.

"Ich will wieder ein Unternehmen leiten"

Seit er bei Tchibo ausgeschieden ist, sucht Herz nach lohnenden Investments für das viele Geld. Mehr als eineinhalb Jahre hat es gedauert, bis die Herz-Investmentgesellschaft Mayfair rund 500 Millionen Euro in den Sportartikel-Hersteller Puma investierte und damit knapp 17 Prozent der Anteile erwarb.

Für Günter Herz, der immer noch mehrere Milliarden Euro zu investieren hat, ist das sicher nicht der Schlusspunkt. "Ich will wieder ein Unternehmen leiten", hatte er kurz nach seinem Tchibo-Abschied verlauten lassen. Und so tauchen regelmäßig Gerüchte auf, Herz wolle bei TUI , Beiersdorf , Thomas Cook oder anderswo einsteigen. Der Milliardär reagiert darauf in der ihm eigenen Art: mit Schweigen.

Eckart Gienke, DPA

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