Mobbing Bei Anruf Hilfe

Mehr als eine Million Menschen erleben jeden Tag Psychoterror am Arbeitsplatz. Im Rhein-Neckar-Raum existiert jetzt ein Projekt, das aus der Masse der Hilfsinitiativen herausragen will.

Mannheim/Ludwigshafen - Niemand möchte zu einem Opfer des Mobbings werden, doch viele haben diese Erfahrung bereits gemacht. Mehr als eine Million Menschen erleben jeden Tag in Deutschland Psychoterror am Arbeitsplatz. Hilfsinitiativen gibt es zwar viele, doch im Rhein-Neckar-Raum existiert ein Projekt, das aus der Masse der Initiativen herausragt.

Ein Jurist, eine Psychotherapeutin, eine Psychologin und eine Berufsberaterin haben sich zu einem professionellen Netzwerk zusammengeschlossen. Sie wollen ihr gesammeltes Fachwissen einsetzen, um Mobbingopfern umfassend zu helfen.

"Ein Fall von Mobbing kann nie nur juristisch oder nur psychologisch behandelt werden", erläutert Rechtsanwalt Hans-Otto Morgenthaler die Grundidee des Projekts. In den meisten Fällen ist der in Ludwigshafen tätige Jurist der erste Ansprechpartner für Betroffene.

Dann analysiert er, ob es sich bei der geschilderten Situation wirklich um Mobbing handelt. "Etwa zwei Mal wöchentlich kommen Menschen zu mir, die behaupten, das Opfer von Mobbing zu sein. Nur bei jedem Zweiten liegt tatsächlich ein solcher Fall vor", erklärt Morgenthaler.

Echten Mobbing-Opfern bietet der Anwalt neben der juristischen Betreuung das gesamte Programm des Netzwerks an: "Manche Betroffene entschließen sich zu einer Psychotherapie, andere ergreifen die Gunst der Stunde und planen mit Hilfe unseres Coaches eine berufliche Neuorientierung."

Für viele ist jede Art von Hilfe willkommen. "Die Leute stehen unter einem immensen Druck", beschreibt Morgenthaler die Lage der Betroffenen. Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen oder Depressionen seien gängige Folgen des Mobbings.

Die Vorstellungen des Teams haben sich im Laufe der Zeit gewandelt. "Anfangs gingen wir davon aus, die Mehrzahl der Arbeitsverhältnisse wieder stabilisieren zu können", erklärt Morgenthaler. Inzwischen habe sich gezeigt, dass Betroffene meistens zu spät professionelle Hilfe in Anspruch nähmen. Der Prozess der Isolation und Ausgrenzung am Arbeitsplatz sei dann in der Regel viel zu weit fortgeschritten.

Neben der Hilfe für Betroffene ist die Vorbeugung ein weiteres Ziel des Netzwerks. "Wir möchten nicht erst helfen, wenn es schon zu Mobbing gekommen ist", sagt Morgenthaler. Dazu bietet das Netzwerk Veranstaltungen wie Vorträge oder Kurse an, bei denen das Team über vorbeugende Maßnahmen informiert.

Die Seite der Arbeitgeber reagiert auf die Angebote des Netzwerkes allerdings zurückhaltend. "Mobbing gibt's bei uns nicht", bekommt das Team des Netzwerkes immer wieder zu hören.

Von Christoph Platt, DPA

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