KarstadtQuelle Radikalschnitt an der Spitze

Das Aufräumkommando von Thomas Middelhoff fegt weiter mit hartem Besen durch die Führungsetagen des KarstadtQuelle-Konzerns. Nun ist der neunköpfige Versandvorstand komplett aufgelöst worden. Der oberste Versandchef steht fest, sein Name wird aber noch nicht verraten.

Fürth/Essen - Der KarstadtQuelle-Konzern ordnet sein Versandhandelsgeschäft grundlegend neu. Die Töchter Quelle und Neckermann werden in Kürze von Aktiengesellschaften in Gesellschaften mit beschränkter Haftung umgewandelt und künftig getrennt geführt, wie der Essener Konzern am Donnerstag mitteilte.

Der bisherige neunköpfige gemeinsame Versandvorstand wird aufgelöst. Geschäftsführer von Quelle werden Michael Badke und Konzern-Finanzvorstand Harald Pinger, Neckermann wird von Bernd Oppenrieder, ehemals Geschäftsführer der Neckermann-Tochter Hess sowie Harald Gutschie geleitet.

Badke, Pinger, Oppenrieder und Gutchi berichten an einen neuen Holding-Vorstand, der bereits gefunden ist und spätestens zum 1. Januar 2006 seine Arbeit aufnehmen soll. Die zeitliche Lücke erklärte Vorstandschef Thomas Middelhoff wie folgt: "Der neue Mann ist noch in fester Anstellung".

Dieses Personalrevirement ist noch deutlicher als zunächst erwartet. Thomas Middelhoff, seit 12. Mai KarstadtQuelle-Chef, hatte zunächst die Führung bei der Warenhaussparte kräftig umgebaut. Mehr und mehr wurde auch deutlich, dass bei den Versandtöchtern ebenfalls Vorstände gehen müssen. Bis zum heutigen Vormittag war bekannt, dass fünf Vorstände unfreiwillig Platz machen mussten.

Rückblick: Gleich nach seinem Amtsantritt hatte der frühere Bertelsmann-Chef Middelhoff den Versandhandelschef Arwed Fischer, der ein enger Vertrauter von Middelhoffs Vorgänger Christoph Achenbach war, geschasst. Middelhoff übertrug die Leitung der kriselnden Versandhäuser kommissarisch KarstadtQuelle-Finanzvorstand Harald Pinger. Im ersten Quartal dieses Jahres sank der Umsatz des Versandhandels um 9,5 Prozent.

Dem Rauswurf von Fischer folgte der Abgang des Quelle-Finanzverantwortlichen Georg Michael Zupanci. Er wurde durch Ulrich Mix ersetzt, früher Treasurer bei der Konzernmutter KarstadtQuelle. Nun folgen Nathalie Balla, zuständig für das Auslandsgeschäft, Gebhard Stammler, Vorstand für Vertrieb und Marketing sowie Peter Wahle, zuständig für Textilien. Den Abgang der drei Vorstände hatte eine Quelle-Sprecherin auf Nachfrage von manager-magazin.de bestätigt. Im Falle von Stammler konnten auch verwandtschaftliche Bande nicht helfen: Stammlers Bruder sitzt im Aufsichtsrat von KarstadtQuelle .

Wie am Nachmittag nun deutlich wurde, verbleiben die restlichen Versandvorstände Leo Günther Kraftsik (Spezialversand), Georg-Suso Sutter (Personal) sowie Ulrich Wiggers (Logistik und IT) im Unternehmen - haben aber nicht mehr die Bedeutung wie zuvor. Kraftsik wird Geschäftsführer einer GmbH, die sich allein um den Spezialversand kümmert, Sutter wie auch Wiggers werden Geschäftsführer einer neu gegründeten Service-GmbH, die alle Dienstleistungen (wie Personal, IT) für beide Versandunternehmen betreibt.

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