Worldcom 25 Jahre Haft für Bernie Ebbers

Vor wenigen Jahren wurde er noch als einer der Größten an der Wall Street verehrt, nun ist er als Bilanzfälscher verurteilt. Die Strafe der Richterin für Bernard Ebbers, der den Telekomkonzern Worldcom einst in die Topliga der stärksten Börsenwerte hochgeschaukelt hatte: ein Vierteljahrhundert Haft.

Washington - Der ehemalige Chef des einst zweitgrößten amerikanischen Telekomkonzerns Worldcom , Bernard ""Bernie" Ebbers ist am Mittwoch zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Der 63-Jährige war im März wegen Betrugs und Bilanzfälschung schuldig gesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte 85 Jahre gefordert.

Die Staatsanwälte hatten zuvor von Richterin Barbara Jones verlangt, sie solle bei der Bestimmung der Haftzeit den vollen Rahmen des juristisch Möglichen ausschöpfen. Vor wenigen Wochen war der frühere Chef des Kabelkonzerns Adelphia , John Rigas, zu einer Haftstrafe von 15 Jahren verurteilt wurde. Der 80-Jährige stand ebenfalls wegen Bilanzfälschung vor Gericht.

"Man kann die Ungeheuerlichkeit der Verbrechen, die Ebbers begangen hat, gar nicht zu sehr betonen", schreiben die Staatsanwälte. "Der Betrug bei Worldcom war der größte Wertpapierbetrug in der Geschichte. Zusammen mit dem Namen Enron steht Worldcom als Synonym für Betrug."

Elf Milliarden Dollar virtueller Gewinn

Der Telekommunikationskonzern Worldcom, der sich inzwischen in MCI umbenannt hat und an den Konkurrenten Verizon  verkauft werden soll, war in den späten neunziger Jahren unter Führung des gebürtigen Kanadiers Ebbers zu einem der nach Börsenwert größten Unternehmen der USA aufgestiegen.

Worldcom brach zusammen, nachdem 2002 erhebliche bilanzielle Unregelmäßigkeiten bekannt geworden waren. Insgesamt hatte das Unternehmen über mehrere Jahre einen um elf Milliarden Dollar zu hohen Gewinn ausgewiesen.

Die meisten Investoren wurden von dem Bilanzloch bei Worldcom überrascht, weil weder Wirtschaftsprüfer noch Börsenaufsicht die Unregelmäßigkeiten bemerkt hatten. Auch Wall-Street-Analysten hatten das Unternehmen bis zuletzt mit "Kaufen" bewertet.

Kursplus von 7000 Prozent

Kursplus von 7000 Prozent

Ebbers' Verteidiger hatten sich für ein milderes Urteil ausgesprochen. Aus ihrer Sicht ist Ebbers ein "anständiger und ehrenhafter Mann, der aus einfachen Verhältnissen auf eine der höchsten Positionen in der amerikanischen Konzernwelt aufgestiegen ist". Die Vorstellungen der Staatsanwaltschaft nannten sie "drakonisch" und verwiesen auf eine ernsthafte Herzerkrankung Ebbers'. Aus Sicht der Staatsanwälte kann Ebbers aber im Gefängnis hinreichend behandelt werden.

Kronzeuge der Anklage war Scott Sullivan, einst Ebbers' Intimus und Worldcom-Finanzvorstand, der sich im März 2004 für schuldig bekannt hatte und im Gegenzug für eine mildere Strafe gegen Ebbers aussagte.

Ebbers galt als eine der schillerndsten Figuren der US-Wirtschaft. Besonders gerne gab der Kanadier in der Öffentlichkeit den Marlboro-Mann. Der meist mit einem Stetson und Cowboystiefeln bekleidete Manager fuhr auf seiner 65.600-Hektar-Ranch stundenlang mit einem Hochleistungstrecker herum.

Fünf Worldcom-Urteile stehen noch aus

Auch das Kastrieren von Bullen listete er unter seinen Hobbys auf. Zu Analystentreffen in New York brachte der "Gott der Wall Street", wie ihn der "Stern" nannte, Charts mit, die Worldcoms Aktienkurs zeigten, der in ein paar Jahren um 7000 Prozent zugelegt hatte und rief in die Runde: "Noch Fragen?"

Nun, drei Jahre nach der Milliardenpleite, hatte die Richterin keine weiteren Fragen. Ebbers hat während des Prozesses stets angegeben, er habe die Details von Bilanzierungen nicht verstanden und von dem Betrug seiner Untergebenen nichts gewusst. Prozesse gegen fünf weitere Worlcom-Manager laufen noch. Da sie der Justiz bei der Anklage gegen Ebbers halfen, werden die noch für den Sommer erwarteten Urteile vermutlich milder ausfallen.

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