Samstag, 7. Dezember 2019

Familie Haniel XXL-Händler von der Ruhr

3. Teil: Was bei den Haniels verpönt ist

Der nüchterne Vorstandschef

Heute beliefern und betreiben sie Apotheken (Celesio Börsen-Chart zeigen), möblieren Büros (Takkt Börsen-Chart zeigen), verleihen Berufskleidung (Boco/Naef-Terag), liefern Hygieneartikel (CWS), verschrotten Stahl (ELG), sanieren nach Sturm, Brand- und Wasserschäden (Belfor) und verkaufen Baustoffartikel (Xella). Als derzeitige Perlen im Portfolio erweisen sich das MDax-Unternehmen Celesio Börsen-Chart zeigen, die Nummer eins in Europa, und vor allem der Stahlhändler ELG, der es auf eine Umsatzrendite von 20 Prozent bringt. Nebenbei geflüstert, gehören der Familie noch 19 Prozent an Metro Börsen-Chart zeigen, für sich allein schon ein kaum überschaubares Imperium.

Holding-Zentrale von Franz Haniel & Cie.: Modernisierung auch in der Architektur
Die Geschäftsführer und Vorstände der sechs dezentral geführten Sparten berichten an Theo Siegert, Vorstandschef der Haniel-Holding. Er wie seine rund 100 Angestellten lenken die Finanzströme der Beteiligungen, schichten das Portfolio um und kümmern sich um die sonstigen Belange der Haniel-Erben, also alles rund um ihr Vermögen.

Siegert passt von Naturell und Biographie wie kaum ein Zweiter zu diesem Job. 30 Jahre bei der Gruppe, Typ nüchterner Banker statt umtriebiger Entrepreneur, für Personenkult denkbar ungeeignet, einer der das Motto "Schweigen und Geld verdienen" praktiziert. Gleichwohl muss der 58-Jährige noch die Feuerprobe bestehen. Siegert ist erst seit Anfang Mai in der Spitzenstellung, die Erwartungen sind hoch.

Sein Vorgänger Günther Hülse, im November 2004 verstorben, habe "Maßstäbe gesetzt", sagte Siegert in einer Aufsichtsratssitzung. Gerd Herzberg, Vize-AR-Chef und im Hauptberuf Bundesvorstand bei Verdi, meint: "Wir haben Siegert noch nicht als Arbeitsdirektor und als Strategen erlebt." Hülse habe sie auch in Mitarbeiterführung und Mitbestimmung verwöhnt.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Siegert weiß, ohne die Familie ist er handlungsfähig wie ein Apotheker ohne Medikamente. Die gesamte Arbeitgeberseite des Aufsichtsrats besetzt traditionell der Clan. Jede Investition, die fünf Millionen Euro übersteigt, muss dort abgesegnet werden. Eine bunte Schar eigenständiger und ausnahmslos männlicher Unternehmer sitzt ihm gegenüber. Denn "sich auf die faule Haut zu legen und nicht zu arbeiten", sagt ein Aufsichtsrat "ist bei den Haniels verpönt." Also züchtet ein Baron in Argentinien Pferde, ein anderer betreibt eine kleine Brauerei, einer verwaltet anderer Leute Vermögen, einer bewirtschaftet Ländereien, einer führt eine Siemens-Tochter, und nicht zuletzt jener Franz Markus Haniel, er ist Vorstand beim Banknotendrucker Giesecke & Devrient - auch einem Familienunternehmen, das freilich nicht im Eigentum der Ruhr-Sippe ist.

Dass Franz Markus Haniel es an die Spitze des Haniel-Aufsichtsrats schaffte, wirkt auf den ersten Blick verwunderlich. Zum einen hält sein Familienstamm nicht die meisten Anteile, zweitens ist er mit 50 Jahren noch relativ jung. Und die Inthronisierung nur mit der Integrationskraft, ausgehend von seinem Namen, zu erklären, führt zu kurz. "Er verkörpert Stetigkeit, Beharrlichkeit", meint ein Aufseher. Anders als sein Vorgänger, Jan von Haeften, sei Haniel aber kein Netzwerker, der weit in die Politik seine Kontakte spinnt.

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