Eckes Familie verlässt Aufsichtsrat

Großes Stühlerücken im Aufsichtsrat von Europas größtem Fruchtsaftkonzern: Wie manager-magazin.de erfuhr, hat sich die Familie Eckes vollständig aus dem Kontrollorgan zurückgezogen. Das Halbjahresergebnis der Eckes AG liegt deutlich über dem Vergleichszeitraum.
Von Martin Scheele

Nieder-Olm - Der Aufsichtsrat des größten europäischen Fruchtsaftkonzerns Eckes ist auf wichtigen Positionen neu besetzt worden. Dies erfuhr manager-magazin.de aus Unternehmenskreisen. Entsprechende Informationen bestätigte der neu gewählte Aufsichtsratschef Peter Thiel.

Thiel wurde auf der Aufsichtsratssitzung am gestrigen Donnerstag zum neuen Vorsitzenden des Kontrollgremiums gewählt. Er war bislang Sprecher des Vorstands. Die operative Führung wird - wie schon bekannt - offiziell ab August dem ehemaligen Chef von Müller-Milch, Thomas Hinderer, übergeben.

Im Aufsichtsgremium von Eckes ersetzt Thiel nun Lorenz Raith; der 67-Jährige hatte das Amt fünf Jahre lang inne. Zeitgleich zieht sich die Eigentümerfamilie - vertreten durch Peter Eugen Eckes sowie Michael Eckes - aus dem Aufsichtsrat zurück. An ihre Stelle treten ihre langjährigen Vertrauten, der Rechtsanwalt Axel Hamm und der US-Unternehmensberater Bernhard Huber. Außerdem verlässt Peter Erzberger das Kontrollgremium, an seine Stelle tritt Karl Brings, Chef der Vermögensverwaltung von Harald Eckes-Chantré.

Den Rückzug der Inhaberfamilie aus dem Aufsichtsrat begründet das Unternehmen mit dem abgeschlossenen Strukturwandel, der mit der Neuorganisation der unterschiedlichen Geschäftsbereiche angefangen hatte. So fungiert die nicht börsennotierte Aktiengesellschaft Eckes seit Januar 2004 als Finanz- und Beteiligungsholding der operativen Einheiten Eckes & Stock GmbH (Mariacron, Chantré, Nordhäuser Korn) und Eckes-Granini GmbH & Co. KG (Granini, Hohes C).

Wie manager-magazin.de weiter erfuhr, soll die Geschäftsentwicklung derzeit erfreulich sein. Sowohl die Gesamtgruppe als auch insbesondere die Eckes-Granini-Sparte liegen bei Absatz und Umsatz im ersten Halbjahr 2005 deutlich über dem Vorjahreszeitraum. Diese Informationen bestätigte Aufsichtsratschef Thiel.

Laut Thiel gibt es auch keinerlei Diskussionsbedarf für einen möglichen Verkauf der Alkoholsparte Eckes & Stock. Vor zwei Jahren hatte das Familienunternehmen diese Sparte abstoßen wollen; mehrere Konkurrenten hatten Interesse gezeigt. Mit Berentzen waren die Verhandlungen offenbar weit gediehen. Letztendlich scheiterte der Deal am Preis.

Die Familienstämme Harald Eckes-Chantré und Heidrun Eckes-Chantré halten jeweils 23 Prozent an der Eckes AG. Die Familienzweige Michael Eckes und Peter Eugen Eckes besitzen jeweils 12 Prozent. Die restlichen 30 Prozent liegen bei zwei Stiftungen, die sich wiederum im Eigentum der Familie befinden.