Dresdner Bank Warnig will Gazprom-Aufseher werden

Der Verwaltungsratschef der Dresdner Bank in Russland, Matthias Warnig, kandidiert für einen Posten im Kontrollgremium des weltweit größten Gasproduzenten Gazprom. Anfang des Jahres hatte Warnigs Stasi-Vergangenheit für Aufsehen gesorgt.

Moskau - Die Gazprom-Hauptversammlung und damit die konstituierende Ratssitzung findet am Freitag statt. Das teilte der Konzern am Mittwoch mit. Im Vergleich zum deutschen Modell des Kontrollgremiums Aufsichtsrat verfügt der Verwaltungsrat, getreu dem amerikanischen Modell, über weitaus mehr Befugnisse im operativen Bereich.

Gazprom  machte zunächst keine Angaben, wer Warnig nominiert hat. Eine Sprecherin der Dresdner Bank in Moskau sagte auf Anfrage, Warnig wolle unabhängiges Mitglied des Aufsichtsrates von Gazprom werden. "Hinter Warnig stehen keine Gruppen von Gazprom- Aktionären", sagte sie. Warnig ist neben seiner Tätigkeit für die Dresdner Bank Vorsitzender des Lenkungsausschusses der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) für Russland und die GUS-Staaten.

Der Bankmanager hat eine bewegte Karriere hinter sich. Warnig war einem Bericht des "Wall Street Journals" (WSJ) zufolge Mitglied der Staatssicherheit. Er habe es nach "WSJ"-Recherchen bei der Staatssicherheit der DDR bis zum Major gebracht. In dieser Funktion soll er Putin geholfen haben, im Westen Spione zu gewinnen. Dieser habe ihn dann 1991 nach St. Petersburg beordert, um dort das Bankgeschäft aufzubauen.

Den Umstand hatte auch ein früherer hochrangiger Manager der Dresdner Bank gegenüber manager-magazin.de bestätigt: "Warnig wurde von uns damals nach Russland geschickt, um für die Dresdner Bank eine Banklizenz zu beschaffen".

Bernhard Walter, der spätere Chef der Dresdner Bank, bestritt im Interview mit manager-magazin.de, zum Zeitpunkt der Einstellung Warnigs von dessen Stasi-Vergangenheit gewusst zu haben. Er habe Warnig damals als Mitarbeiter des DDR-Wirtschaftsministeriums kennen gelernt. Eine Überprüfung Warnigs habe keinen Hinweis auf die Stasi ergeben.

Erst später habe Warnig ihm in einem persönlichen Gespräch offenbart, dass gegen ihn in Sachen Stasi-Mitarbeit ermittelt werde. Kurz danach gab es schon ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das quasi einen Schlussstrich unter die Stasi-Machenschaften zog. Damit war der Fall für die Dresdner Bank erledigt.

Als bisher einziger Ausländer gehört seit fünf Jahren der Vorstandsvorsitzende der Essener Ruhrgas AG, Burckhard Bergmann, dem Gazprom-Verwaltungsrat an. Er kandidiert erneut. Die Hauptversammlung von Gazprom wird die 11 Mitglieder des Kontrollgremiums unter 19 Kandidaten wählen.

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