Privatschulen "Für jeden das Beste"

Gemessen an den Nachbarländern sind Privatschulen in Deutschland Mangelware. Das liegt aber nicht an der Leistung der Bildungsinstitute, sondern am deutschen Bürokratismus. Trotzdem liefern die privaten Einrichtungen eine effiziente Ausbildung und Betreuung, die Eltern an öffentlichen Schulen oft vergeblich suchen.

Hamburg - Zu viele Schüler in den Klassen, gestresste und unmotivierte Lehrer, mangelnde Disziplin und anspruchslose Unterrichtsprogramme - solche Missstände an öffentlichen Schulen lassen viele Eltern darüber nachdenken, ihr Kind an einer Privatschule anzumelden. Zunehmend mehr von ihnen interessieren sich für eine effiziente Ausbildung ihrer Kinder an solchen Lehranstalten mit ihrem hohen Leistungsprofil.

"Schon etwa 6 Prozent der fast neun Millionen Schüler und Schülerinnen besuchen eine allgemein bildende Schule in freier, also nicht staatlicher Trägerschaft", sagt Stephan May, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen (AGFS) in Hamburg. "Die Nachfrage nach solchen Schulplätzen ist größer als die vorhandene Kapazität."

Die Zahl der privaten Schulen steigt zwar weiter. Deutschland steht mit seinem Angebot aber noch am unteren Ende in der Europäischen Union. In den Niederlanden beträgt der Anteil an privaten allgemein bildenden Instituten 70 Prozent, in Belgien 50 Prozent, in Spanien 32 Prozent.

"Wir kümmern uns"

In der Öffentlichkeit scheint die Meinung über private Schulen noch sehr zwiespältig zu sein. "Geeignet nur für Kinder reicher Eltern, die nix im Kopf haben, ist eines der gängigen Vorurteile", sagt Bernhard Marohn vom Bundesverband Deutscher Privatschulen (VDP) in Frankfurt. "Den privaten Schuleinrichtungen ist es übrigens untersagt, nur Kinder aus finanziell leistungsfähigen Familien aufzunehmen."

"Wer in einer staatlichen Schule Probleme hatte, um den kümmern wir uns - übrigens mit hohem Erfolg, wie die Statistik ausweist", sagt Marohn. Im Mittelpunkt der Entscheidung stehe nur der Schüler und nicht die soziale Herkunft. Das Unterrichtsangebot ist umfangreicher als an durchschnittlichen öffentlichen Einrichtungen.

Das Leonardo da Vinci-Gymnasium in Neckargemünd bei Heidelberg beispielsweise bietet sprach- und naturwissenschaftliche Züge und verlangt nach acht Jahren die Abiturprüfung. Eine breite Ausbildungspalette bis hin zu musischen Fächern - Musikunterricht, Malen, Darstellende Kunst - bietet beispielsweise die Christophorusschule in Braunschweig. Andreas Giehrt, der Deutsch und Philosophie unterrichtet, unterstreicht das Motto des Instituts: "Nicht für alle das Gleiche, aber für jeden das Beste."

Christliche Schulen, christliche Werte

Eine solche Ausbildung muss jedoch finanziert werden. "Wir verlangen wie andere Einrichtungen Schulgeld." In der Oberstufe seien das pro Kind derzeit 340 Euro im Monat für ganztägigen Unterricht einschließlich Mittagessen. "Schulen in freier Trägerschaft leisten 100 Prozent Schule, bekommen dafür aber durchschnittlich nur etwa 50 Prozent staatliche Finanzhilfe", sagt Stephan May von der AGFS. In bestimmten sozialen Härtefällen sei ein Schulgeldnachlass möglich, so Bernhard Marohn. "Wenn beispielsweise der Vater plötzlich arbeitslos wird."

Die Aufnahme in eine Privatschule hängt von verschiedenen Faktoren ab. "Wollen die Eltern ihr Kind beispielsweise auf ein Gymnasium schicken, muss durch Zeugnisse bisher besuchter Schulen die Gymnasialreife nachgewiesen werden", sagt Andreas Giehrt.

"Während einer Kontaktwoche beobachten wir den Bewerber und führen mit ihm individuelle Gespräche, ehe die Aufnahmeentscheidung fällt." Manche Schulen verlangen sogar eine Probezeit. "Die Leistung des Schülers entscheidet", sagt Marohn.

Das privat organisierte Schulwesen in Deutschland unterliegt denselben gesetzlichen Bedingungen, die auch für die öffentlichen Schulen gelten. 90 Prozent dieser Einrichtungen sind staatlich anerkannt, der Lehrkörper hat dieselben "Hoheitsrechte".

Beispielsweise werden Prüfungen von dem Kollegium abgenommen und Zeugnisse ausgestellt. Der kleine Rest der Privatschulen ist staatlich genehmigt. Hier prüft eine externe Kommission die Unterrichtsergebnisse. An vielen Privatschulen gehört Begabtenförderung zum Programm. Viele der Institute bieten auch Internate an.

Die von konfessionellen Trägern betriebenen Schulen sind deutlich in der Mehrheit. In katholische Einrichtungen lernen etwa die Hälfte der "Privatschüler" - immerhin fast 350.000; an evangelischen Instituten sind es 125.000. "Viele Eltern wählen eine christliche Schule wegen der Werteerziehung, die nicht als Unterrichtsfach vorhanden ist", sagt Marohn. "Jeder Lehrer muss das pädagogische Konzept des Instituts konsequent vertreten, für eigenwillige Auffassungen gibt es keinen Freiraum."

Horst Heinz Grimm, dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.