Donnerstag, 14. November 2019

Management Moral als Erfolgsfaktor

Nach den Korruptionsskandalen der jüngeren Vergangenheit wird der Ruf nach moralischen Werten in Unternehmen wieder lauter. Große Konzerne werden nach Ansicht des Wirtschaftsethikers Josef Wieland zunehmend an ihrem moralischen Handeln gemessen. Die harsche Kritik an Führungskräften sei allerdings häufig überzogen.

Stuttgart - Angesichts der Debatte um moralische Werte in Unternehmen wollen nach Angaben von Wissenschaftlern immer mehr Firmen einen Grundwertekatalog einführen: "Seit drei Jahren steigt in Deutschland das Interesse an diesem Thema", sagte der Konstanzer Wirtschaftsethiker Josef Wieland.

Plädiert für einen Moralkodex: Wirtschaftsethiker Josef Wieland
Unternehmen würden heute durch Kunden, Justiz, Mitarbeiter und Kapitalmärkte immer stärker an ihrem moralischen Handeln gemessen. "Moral ist ein entscheidender Wettbewerbsfaktor."

Über Moral dürfe aber nicht nur geredet werden, sie müsse auch angewendet werden. "Wenn die Firma Korruption ablehnt, muss sie auch das Bonussystem von Mitarbeitern im Außendienst überdenken", erklärt Wieland. Der Professor an der Fachhochschule Konstanz erarbeitete bereits mit Firmen wie BASF Börsen-Chart zeigen, Siemens Börsen-Chart zeigen, ABB Börsen-Chart zeigen oder Fraport Börsen-Chart zeigen Konzepte, wie moralische Werte in der Managementpraxis umgesetzt werden können.

Grundwerte seien zum Beispiel Integrität, Ehrlichkeit, Fairness und Offenheit nach außen und innen. Mitarbeiter müssten für gutes Handeln belohnt werden - etwa mit Karriereoptionen. Dabei hätten sich die moralischen Schwerpunkte durch die Globalisierung geändert. Heute müssten Unternehmer neben sicheren Arbeitsplätzen oder Sozialversicherungen zudem nach Menschenrechten, Umweltschutz und Korruption fragen.

Es sei nicht unbedingt unmoralisch, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern, denn auch dort schaffe ein Unternehmer Chancen für die Menschen. "Die bittere Wahrheit für viele Menschen in Deutschland ist, dass es in der Globalisierung keine Präferenz für deutsche Arbeitsplätze gibt."

Und da das Leben heute mehr denn je von der Wirtschaft abhänge, erwarteten die Menschen mittlerweile mehr vom Unternehmer als vom Staat. Manager seien deshalb oft Buhmänner, "an denen der Frust emotional abgelassen wird."

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