Wyser-Pratte New Yorker Strippenzieher in Karlsruhe

Eiskalt, aber nicht humorlos trat Milliardär Guy Wyser-Pratte vor die teilweise erbosten IWKA-Aktionäre. Deren Vorstandschef hatte so lange im Schwitzkasten des Finanzjongleurs gehangen, bis er nun entnervt seinen Posten aufgab. Andere Topmanager, die Wyser-Pratte kritisiert hatte, gingen aber nicht in die Knie.

Karlsruhe - Der Hauptdarsteller saß gelassen in einer der vorderen Sitzreihen der Karlsruher Stadthalle und zuckte äußerlich mit keiner Wimper: Guy Wyser-Pratte, Ex-Marine, Milliardär und als knallharter Finanzinvestor bekannt, löste am Freitag einen Paukenschlag aus, noch bevor die turbulente Hauptversammlung beim Maschinen- und Anlagenbauer IWKA  überhaupt begonnen hatte.

Die Kleinaktionäre gaben gerade ihre Mäntel ab, als die Nachricht vom Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Hans Fahr die Runde machte. Entnervt vom monatelangen Nervenkrieg mit dem amerikanischen Großaktionär Wyser-Pratte warf der Unternehmenschef nach neun Jahren überraschend das Handtuch.

Aufsichtsratschef Reinhard Engel und sein Gremiumsmitglied, Ex-Mercedes-Chef Jürgen Hubbert, wollten spontan ebenfalls zurücktreten - doch die Aufsichtsratskollegen lehnten ab, um nicht vollständig vor Wyser-Pratte in die Knie zu gehen. Der Angreifer selbst lobte Fahr, der zur HV nicht mehr erschien, mit einer Portion Zynismus: "Ich wünsche Ihnen für Ihre berufliche Zukunft alles Gute."

Parallele zum Fall Seifert

Damit ist es ausländischen Finanzinvestoren innerhalb weniger Wochen zum zweiten Mal gelungen, den Vorstandschef eines namhaften deutschen Unternehmens zu stürzen. Einige von SPD-Chef Franz Müntefering zuvor als "Heuschrecken" bezeichnete Hedge-Fonds aus England und den USA hatten Anfang Mai den Rücktritt des Chefs der Deutschen Börse , Werner Seifert, erzwungen.

Bei IWKA lagen der Vorstand und der streitbare Wyser-Pratte seit langem im Clinch. Der Amerikaner fordert eine stärkere Konzentration des Konzerns, der 2,35 Milliarden Euro Umsatz erzielt, auf die mit 400 Millionen Euro vergleichsweise kleine Robotertechnik. Das Management sei unfähig und habe die versprochenen Gewinnziele verfehlt.

Wyser-Pratte: Wir sind keine Raider

Wyser-Pratte: Wir sind keine Raider

Eine komplette Zerschlagung oder Übernahme der IWKA strebe er aber nicht an, sagte Wyser-Pratte: "Wir sind keine Raider (Firmenjäger)." Er gilt in Nordamerika und Europa als äußerst cleverer Finanzjongleur: In Deutschland investierte er in Mannesmann, Rheinmetall , Babcock Borsig  oder Mobilcom  - und stieg später meist mit Gewinn wieder aus.

Vorstand und Aufsichtsrat der IWKA reagierten auf die in Interviews gestreuten Vorwürfe gereizt: Die Strategie mit drei Geschäftsbereichen (Roboter, Auto- und Verpackungstechnik) sei richtig, die Vorwürfe von Wyser-Pratte an den Haaren herbeigezogen und unredlich. Eine Klage gegen den eigenen Großaktionär sei nicht ausgeschlossen, sagte Engel. Der Amerikaner konterte amüsiert am Rednerpult: "Sie wissen, so leicht fürchte ich mich nicht."

"Schnelle Mark machen"

Auch Aktionärsschützer griffen Wyser-Pratte scharf an: "Ich habe den Eindruck, sie wollen nur die schnelle Mark machen", sagte ein Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

IWKA sei ein solider Konzern mit 13.200 Beschäftigten und einer stattlichen Kapitalrendite von 15 Prozent. "Wir spielen hier nicht Monopoly. Es geht nicht um die Schlossallee, sondern um das Unternehmen, die Aktionäre und die Mitarbeiter."

Wyser-Pratte attackiere ständig das Management, schade dem IWKA-Ruf und habe selbst nur "nebulöse" Strategien im Angebot. Ein erboster Kleinaktionär gab dem mächtigen Strippenzieher aus New York noch den Anlagetipp: "Wenn sie Zocken wollen, gehen sie ins Kasino nach Baden-Baden."

Tim Braune, dpa-AFX

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