Daewoo "Ich senke meinen Kopf"

Vor sechs Jahren brach der Daewoo-Konzern zusammen. Seither befand sich sein einstiger Chef, Kim Woo-Choong, auf der Flucht. Nun kehrt der gestürzte Starmanager in seine Heimat zurück und muss sich wegen Betrugs verantworten.

Seoul - Sechs Jahre nach dem Zusammenbruch des südkoreanischen Daewoo-Konzerns hat sich der seither flüchtige Chef des Unternehmens, Kim Woo-Choong, den Behörden gestellt. Der 68-Jährige landete am Dienstag auf dem Flughafen nahe der Hauptstadt Seoul, wo er umgehend von der Polizei festgenommen wurde, wie ein AFP-Reporter berichtete.

Bei seiner Ankunft sagte er, er wolle die Verantwortung für den Fall Daewoo übernehmen. "Es tut mir zutiefst leid", fügte er hinzu. Kim wird für eine der bislang größten Firmenpleiten verantwortlich gemacht. Der Daewoo-Konzern war 1999 unter der Last von Schulden in Höhe von rund 80 Milliarden Dollar zusammengebrochen.

Ein Sprecher Kims hatte bereits am Vortag die Rückkehr des einstigen Wirtschaftsidols Südkoreas aus Vietnam angekündigt und den schlechten Gesundheitszustand des früheren Konzernchefs als Grund genannt. Kims Arzt sagte: "Er ist ein sehr kranker Mann, der wegen Herzproblemen in Behandlung muss."

Mit internationalem Haftbefehl gesucht

Kim selbst ließ kurz vor seiner Ankunft in Südkorea eine Erklärung verbreiten, in der er sich für seine Rolle in dem Firmen-Crash entschuldigte: "Ich senke meinen Kopf und bitte um Entschuldigung dafür, dass ich mit den Problemen der Daewoo-Gruppe Ärger verursacht habe."

Die Staatsanwaltschaft erklärte, Kim sei auf dem Flughafen festgenommen worden und werde seither verhört. Nach Bestätigung der Anklagepunkte werde der Haftbefehl gegen ihn am Mittwoch oder Donnerstag ausgestellt. Der Unternehmenschef wurde bereits seit 2001 wegen Betrugs und Unterschlagung mit internationalem Haftbefehl gesucht. Südkoreanischen Presseberichten zufolge besitzt Kim seit 2003 die französische Staatsbürgerschaft.

Ein Sinnbild für die Geschichte Südkoreas

Ein Sinnbild für die Geschichte Südkoreas

Kim und sein Daewoo-Konzern gelten in Südkorea als Symbole der Wirtschaftsgeschichte ihres Landes. Der asiatische Staat hatte sich in weniger als 40 Jahren von einem der ärmsten Länder der Welt zur Nummer zwölf der Weltwirtschaftsmächte hochgearbeitet. Mit der asiatischen Währungs- und Finanzkrise 1997/98 stürzte Südkorea jedoch ab.

Kims Karriere verlief ebenso: Der spätere Unternehmenschef kam im Dezember 1936 in der südlichen Stadt Daegu in ärmlichen Verhältnissen zur Welt. Nach einem Studium und einigen Jahren als Angestellter im Handelsgeschäft nahm Kim 1967 einen Kredit von 5000 Dollar auf und gründete seine eigene kleine Textilfirma, die er in den 70er und 80er Jahren zu einem der führenden Konzerne ausbaute. Durch Aufkäufe und Zusammenschlüsse wuchs Daewoo in den Neunzigern zum zweitgrößten Konzern Südkoreas an, der unter anderem Autos, Kleidung, Fernseher, Kühlschränke und Schiffe produzierte.

Der Konzern beschäftigte in seinen Glanzzeiten weltweit mehr als 250.000 Menschen. Noch 1998 belief sich sein Exportvolumen auf 17,6 Milliarden Dollar. Das entsprach 13,3 Prozent des südkoreanischen Ausfuhrgeschäfts. Allerdings hatte Daewoo eine erste Schramme 1996 abbekommen, als Kim wegen illegaler Zahlungen an Politiker angeklagt wurde. Nach einer Bewährungsstrafe fuhr der Konzernchef seine Expansionsstrategie weiter und häufte dafür weitere Schulden an. Mit der Finanzkrise 1997/98 brach das Imperium zusammen: Wie sich zeigte, belief sich die Verschuldung des Konzerns auf rund 80 Milliarden Dollar (nach heutigem Kurs rund 66 Milliarden Euro).

Kim setzte sich 1999 ins Ausland ab. Sieben seiner Mitarbeiter wurden 2001 zu bis zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Vier von ihnen kamen jedoch durch einen Gnadenerlass wieder frei. Beobachter glauben, dass auch dieser Schritt Kim zur Rückkehr bewegt haben könnte.

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