Airbus Die Gallier kommen aus Deutschland

Die Euphorie über den geglückten Start des Airbus 380 verflüchtigt sich, dafür geht der Kampf zwischen Deutschen und Franzosen um die Macht beim Flugzeugbauer in eine neue Runde. DaimlerChrysler, Anteilseigner beim Airbus-Mutterkonzern EADS, will nun mit Hilfe der Satzung punkten.

Hamburg - DaimlerChrysler  droht nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL mit einem Veto im Streit um die neue Airbus-Führung.

Der nunmehr seit Monaten schwelende Streit zwischen Deutschen und Franzosen um die Neubesetzung der Airbus-Führungsspitze könnte somit kommende Woche einen neuen Höhepunkt erreichen.

Laut Topmanagern der Airbus-Muttergesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS)  wollen Vertreter von DaimlerChrysler notfalls sogar ihr Veto einlegen, um ein Übergewicht der Franzosen zu verhindern. Der deutsche Großaktionär hält 30 Prozent der EADS-Anteile. Am heutigen Montag sagte EADS-Finanzvorstand Hans Peter Ring in einer Telefon-Konferenz für Analysten. "Es ist noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden".

Auslöser für den Plan sind Versuche der Partner, Airbus-Chef Noël Forgeard bei der Hauptversammlung am 11. Mai nicht nur zum EADS-Co-Chef - neben dem Deutschen Thomas Enders -, sondern ihm zusätzlich die Führung des Flugzeugablegers zu belassen.

Airbus-Entscheidung als Wahlkampfinstrument

Geht es nach DaimlerChrysler, könnte der bisherige Eurocopter-Chef Fabrice Brégier an die Airbus-Spitze aufrücken. Seine bisherige Funktion soll ein deutscher Topmanager übernehmen. Doch die Regierung in Paris und der Medienkonzern Lagardère, die zusammen ebenfalls 30 Prozent der EADS-Anteile halten, wollen von diesem Vorschlag nichts wissen und am liebsten auch noch Eurocopter kontrollieren.

Das hat vor allem auch politische Gründe. Staatspräsident Jacques Chirac ist vor dem Referendum über die EU-Verfassung Ende Mai äußert angespannt und schiebt deshalb aus Angst vor den Wählern alle heiklen Entscheidungen auf.

DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp will ungeachtet dessen nun zurückschlagen - mit Hilfe der Airbus-Satzung. Nach der darf der amtierende Airbus-Chef nicht gleichzeitig einen EADS-Topjob bekleiden. Sollten die Franzosen nicht einlenken, erwägen die Deutschen, Forgeard auf der nächsten Sitzung des Verwaltungsrats anlässlich der EADS-Hauptversammlung ihre Zustimmung zu verweigern.

Schon vor wenigen Monaten hatte es immer wieder Streit zwischen den Deutschen und Franzosen gegeben. Forgeard wollte so eigentlich EADS alleine führen und strebte eine Fusion mit dem französischen Rüstungselektronikhersteller Thales an. Beides stieß aber auf deutlichen Widerstand bei DaimlerChrysler.

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