America's Cup "Das Viertelfinale wäre toll"

Ralph Dommermuth ist Finanzier des ersten deutschen Teams, das bei der legendären Segelregatta America's Cup antritt. Der Hobbysegler und Vorstandschef von United Internet bezahlt das Investment nicht nur aus dem Firmenbudget. Er lege ein paar private Millionen dazu, sagt Dommermuth im Interview mit manager-magazin.de.
Von Karsten Langer

mm.de:

War Ihre Entscheidung für den America's Cup eine Entscheidung aus Marketinggründen oder aus Leidenschaft?

Dommermuth: Vor allem war das eine unternehmerische Entscheidung, also ein ganz normales Geschäft. Was die finanziellen Dimensionen angeht, wird uns der Deal nicht umhauen. Von der Sache her ist er natürlich großartig. Ich habe mich vorher noch nie mit Sportsponsoring beschäftigt. Aber die Chance, als Erster ein deutsches Boot im America's Cup zu finanzieren, wollte ich unbedingt ergreifen.

mm.de: Wäre auch ein anderes Sportereignis in Frage gekommen?

Dommermuth: Ich hätte das auch gemacht, wenn es nicht ums Segeln gegangen wäre. Aber der Hightech-Sport Segeln und unser Internet Business passen ideal. Die Entscheidung wurde auch nicht von mir allein getroffen. Wir haben ja noch einen Finanzvorstand und andere Kontrollgremien. Ich kann Ihnen versichern, alle meine Kollegen stehen geschlossen hinter mir.

mm.de: Sie haben einmal gesagt, Ihre Hobbys seien Dösen, Träumen und Schaufenster gucken, auf ihrem eigenen Schiffs segeln sie lieber entspannt. Wie verbindet sich das mit der Hektik des Regatta-Sports?

Dommermuth: Das schließt sich ja nicht aus. Auf meinem eigenen Schiff bin ich im Urlaub, und beim America's Cup geht es ums Geschäft. Das trenne ich sehr strikt. Regatta-Segeln ist ein Profisport, den kann und will ich gar nicht betreiben. Ich bin ja im Marketing und im Kaufmännischen zu Hause. Wenn ich auf meinem Schiff bin, dann will ich nur in die Sonne gucken. Es ist egal, ob ich dabei einen Knoten langsamer oder schneller bin.

mm.de: Warum haben Sie mit Ihrer Entscheidung so lange gezögert?

Dommermuth: Wir haben verschiedene Gespräche mit anderen Teams geführt, hatten anfangs aber nie das Gefühl, das wird ein deutsches Team. Auch wenn wir ein internationales Unternehmen sind, ist unsere Heimat doch Deutschland. Ich glaube übrigens, dass Segeln eine internationale Verbreitung erfahren wird, die wir heute noch gar nicht erkennen. Das Siegerteam des vergangenen Jahres, Alinghi, wurde im vergangenen Jahr von einer ganzen Nation bejubelt. Dabei hat das Land, aus dem die Sieger kamen, die Schweiz, nicht einmal Zugang zum Meer. Es gibt gegenwärtig kaum eine Sportart, die international so viel Aufsehen erregt. Der America's Cup wird weltweit von mehr als 200 Fernsehstationen übertragen.

Für drei Jahre verpflichtet

Für drei Jahre verpflichtet

mm.de: Statt kurzfristig das Abenteuer zu wagen, hätten Sie das Engagement doch auch vertagen können.

Dommermuth: Nein. Ich wollte als Pionier dabei sein. Wer in die Fußstapfen eines anderen tritt, der wird ihn nicht überholen.

mm.de: Sie gelten als besonnener Geschäftsmann, in den vergangenen Monaten hat United Internet mehrere Millionen Euro für Expansion investiert. Da staunt man fast, dass noch einige Millionen für die Regatta übrig sind.

Dommermuth: So schwer war das nicht, wir finanzieren unsere Kampagne aus dem bestehenden Werbebudget. Da wird nur Geld umgeschichtet. Ich bin zudem persönlich beteiligt. Das United-Internet-Team steht finanziell auf soliden Füßen. Wenn es anders wäre, würde ich das Geld der Aktionäre dort auch nicht hineinstecken.

mm.de: Zahlen sich die Millionen, die Sie aus Ihrem Privatvermögen investieren, irgendwann wieder aus?

Dommermuth: Ich glaube, wenn man genügend Ausdauer mitbringt, kann man mit diesem Engagement Geld verdienen. Deswegen habe ich auch eine Zusage über mehrere Jahre gemacht. Ich habe mich für drei Jahre fest verpflichtet, für weitere sieben Jahre ist eine Verlängerungsoption vereinbart. Denn das Team hat nur mit einem langfristigen Investor eine Chance.

mm.de: Wird Sie Ihr Engagement nicht von Ihrer Tätigkeit als Unternehmer abhalten?

Dommermuth: Ich bin und bleibe in erster Linie Vorstandsvorsitzender der United Internet AG. Meine direkte Beteiligung an dem Segelevent und der Kampagne beschränkt sich auf die Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender des geldgebenden Syndikats für das United Internet Team Germany. Und für diese Aufgabe muss ich ja nur ein paar Tage im Jahr anwesend sein.

mm.de: Welche sportlichen Ansprüche stellen Sie?

Dommermuth: Ich lasse dem Team viel Zeit und freue mich, wenn es rund läuft.

mm.de: Dann schielen Sie also nicht auf Finalplätze?

Dommermuth: Nein. Wenn wir ins Viertelfinale kommen, wäre das schon toll, aber ich will die Messlatte nicht zu hoch legen.

mm.de: Was machen Sie, wenn das Team scheitert?

Dommermuth: Gar nichts. Auch wenn mich einige für bekloppt halten werden, sage ich: Deutschland als Technologienation wird es doch wohl schaffen, ein Team auf die Beine zu stellen. Es kann doch nicht sein, dass die wichtigste Volkswirtschaft in Europa das nicht schafft! Chance und Risiko liegen natürlich nah beieinander, das kann auch voll in die Hose gehen.

mm.de: Sie wirken trotzdem entspannt. Vielleicht auch deshalb, weil Sie das Auf und Ab des Internetgeschäfts erlebt haben?

Dommermuth: Nein, das ist eher eine Typfrage. Ich stehe morgens nicht mit der Überschrift auf, "Ich will heute viel Geld verdienen". Wenn jemand gute Arbeit macht, kommt das Geld von allein. Und genau das will ich hier auch leisten. Ich will schlicht meinen Teil dazu beitragen, dass das Projekt gelingt. Wenn das alle Beteiligten so machen, dann wird sich der sportliche Erfolg von selbst einstellen. Wenn das nicht passiert, ist es auch nicht so schlimm - also bin ich entspannt.

Der Kleine unter Big Playern

Der Kleine unter Big Playern

mm.de: Im America's Cup werden die anderen Teams von Big Playern wie SAP, Oracle, T-Systems oder auch BMW gesponsert. Schreckt das nicht ab?

Dommermuth: Ach, die kochen doch alle nur mit Wasser. Richtig ist, dass sie als Wirtschaftsgrößen derzeit ein ganz anderes Standing als United Internet haben. Wir müssen als Unternehmen täglich unsere geringere Kapitalstärke durch Schnelligkeit und Flexibiliät kompensieren. Genauso ist es nun auch bei unserem Segelteam. Wir müssen ein gutes Team bilden, das sein Ziel klar vor Augen hat. Geld allein ist für Erfolg nicht verantwortlich.

mm.de: In der Segelszene gibt es viele exzentrische Gestalten wie Oracle-Chef Larry Ellison. Wie passen Sie in diese illustre Gesellschaft?

Dommermuth: Die Rolle des Exentrikers werde ich jedenfalls nicht spielen. Ich bin im Tagesgeschäft verwurzelt beim Unternehmen und kann mich mit Spleens und Befindlichkeiten gar nicht auseinander setzen. Dafür fehlt mir die Zeit. Ich lenke das operative Geschäft von United Internet ja nicht aus einem fernen Olymp heraus, sondern bin jede Minute operativ tätig. Das gibt einem eine gewisse Bodenständigkeit und hält von jeder Form des Abhebens ab.

mm.de: Wollen Sie selber auf dem Regatta-Boot mitfahren?

Dommermuth: Nein, ich beschränke mich auf die Zuschauerrolle.

mm.de: Wo segeln Sie am liebsten?

Dommermuth: Mein Schiff liegt an der Südküste Frankreichs, aber ich segle sehr gern im gesamten Mittelmeer. Im Herbst in der Türkei und Kroatien, im Winter in der Karibik.

mm.de: Als Mitglied einer Segelgemeinschaft?

Dommermuth: Nein, ich kenne keine anderen deutschen Segler persönlich, ich mache das mehr für mich.

mm.de: Unabhängigkeit als hohes Gut?

Dommermuth: Ich muss im Tagesgeschäft mit reichlich Druck umgehen - das fordert. Das Segeln ist ein Stück Freiheit, die ich mir verdient habe. Freiheit ist tatsächlich ein hohes Gut, insofern haben Sie mit ihrer Frage Recht. Schließlich bin ich jetzt in meinen besten Jahren, und das wird nicht immer so bleiben. Deswegen wollte ich es auch noch einmal wissen und habe das America's-Cup-Team unterstützt. Das ist noch einmal eine schöne Chance, etwas zu bewegen.