EZB-Direktorium Bofinger gilt als Favorit

Der Würzburger Ökonom Peter Bofinger könnte einem Zeitungsbericht zufolge ins Direktorium der Europäischen Zentralbank aufrücken. Er gelte als Favorit der Bundesregierung für die Nachfolge von Otmar Issing, der im kommenden Frühjahr aus dem Gremium ausscheidet.

Berlin - Die "Financial Times Deutschland" berichtet, der Wirtschaftsprofessor Peter Bofinger gelte als Favorit der Bundesregierung für die Nachfolge von Otmar Issing als Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank EZB. Unter Berufung auf Regierungs- und Notenbankkreise schreibt das Blatt, der 50-jährige Bofinger, der Mitglied im so genannten "Rat der Wirtschaftsweisen" ist, stehe derzeit im Zentrum aller Überlegungen.

Als weiterer Kandidat sei Bundesbankpräsident Axel Weber im Gespräch. Finanz-Staatssekretär Caio Koch-Weser habe dagegen nur Außenseiterchancen. Bundeskanzler Gerhard Schröder sähe es der Zeitung zufolge allerdings am liebsten, wenn der als regierungskritisch geltende Weber ins Direktorium der EZB wechseln und Bofinger dann Bundesbankchef würde. Die Variante gelte jedoch als unwahrscheinlich, weil Weber nicht wechseln wolle. Daher sei es realistischer, Bofinger direkt in der EZB unterzubringen.

Issing, derzeit noch EZB-Chefvolkswirt, geht im Frühjahr 2006 in den Ruhestand. Nach einem ungeschriebenen Gesetz ist Deutschland als größtes Land der Eurozone stets im sechsköpfigen Direktorium vertreten und darf somit einen Nachfolger nominieren.

Bundesfinanzminister Hans Eichel hat sich allerdings noch nicht auf einen Kandidaten festgelegt. Eichels Haus betonte, es dauere noch fast ein Jahr, bis Issing ausscheide.