Mittwoch, 23. Oktober 2019

Management Die da im Funkloch

"Hast du schon gehört...?" - "Nein, erzähl doch mal". Viele wichtige Neuigkeiten erfahren Angestellte nicht auf dem offiziellen Weg, sondern durch Hörensagen. Doch die Kommunikation via Flurfunk kann sich fatal auf den Gesamterfolg auswirken.

Frankfurt/Main - Wer in deutschen Unternehmen arbeitet und wichtige Neuigkeiten über seine Firma wissen will, sollte an den Flurfunk angeschlossen sein.

 Nachrichtenbörse im Unternehmen: Alles wichtige Neue konzentriert im intimen Zweiergespräch
Nachrichtenbörse im Unternehmen: Alles wichtige Neue konzentriert im intimen Zweiergespräch
Wie die Personalberatung ISR auf der Grundlage einer europaweiten Studie berichtete, erfahren 61 Prozent der Mitarbeiter in einem deutschen Betrieb "von wichtigen Veränderungen in der Regel durch Hörensagen" und nicht vom Chef. Auf den Kommunikationsweg am Vorgesetzten vorbei sind Beschäftigte in den Niederlanden (62 Prozent), Frankreich und Großbritannien (je 67 Prozent) noch stärker angewiesen.

Anders sieht es dagegen in skandinavischen Ländern aus. Dort gaben laut ISR nur 41 Prozent der Befragten an, dass ihre Informationen über die Entwicklungen im Unternehmen in erster Linie aus der betriebsinternen Gerüchteküche stammen. Die anderen fühlen sich rechtzeitig und gut unterrichtet.

Die Kommunikation via Flurfunk hat nach Ansicht der ISR-Leiterin in Deutschland, Michaela Dabringhausen, allerdings Folgen: "Die wenigsten Führungskräfte machen sich klar, was sie durch ihr Schweigen anrichten." Mitarbeiter, die sich nicht hinreichend informiert fühlten, verlören das Vertrauen - und damit die Motivation. Diese sei aber entscheidend für die Produktivität.

ISR befragt seit mehr als 30 Jahren Mitarbeiter aus internationalen Unternehmen zu Themen wie Engagement und Zufriedenheit im Unternehmen. Dabei stellte das Personalforschungs- und Beratungsunternehmen auch fest, dass interne Kommunikation offensichtlich Übungssache ist: "Unternehmen, die bereits Erfahrung mit Veränderungen wie Fusionen oder Personalabbau haben, schneiden durchweg besser ab als solche, die zum ersten Mal vor einer derartigen Situation stehen", berichtete Dabringhausen.

Eine Informationskultur dürfe nicht erst dann eingeführt werden, wenn Veränderungen anstünden oder eine Krise das Unternehmen treffe. Stattdessen sollten regelmäßige Meetings, Mitarbeiterzeitschriften, interne Informationsdienste und die aktive Nutzung des Intranet zum Standard gehören. "Viele Führungskräfte glauben, dass sie Entscheidungen erst dann kommunizieren dürfen, wenn auch der letzte Aspekt in trockenen Tüchern ist", berichtete Dabringhausen weiter. Doch: Bis dahin sei der Flurfunk oft schneller.

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