Karriere Wie das Kaninchen vor der Schlange

In Anbetracht von fünf Millionen Arbeitslosen legen viele Arbeitnehmer Planspiele für den Traumjob ad acta. Dabei lässt sich mit Geduld und Planung häufig einiges erreichen. Neben Mut zur Veränderung ist allerdings das Wissen über die eigenen Stärken und Schwächen unerlässlich.

München - Traumjob ist ein großes Wort. Es klingt nach unerfüllbaren Wunschvorstellungen. Angesichts der hohen Arbeislosenzahlen hoffen viele Arbeitnehmer schlicht, ihre Stelle zu behalten.

Für Träume ist da kein Platz. Und eine Portion Realismus ist auch nicht schlecht, wenn es um die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz geht. "Schließlich kann man sich durch einen Wechsel auch verschlechtern", sagt die Karriereberaterin Madeleine Leitner aus München. Das heißt allerdings nicht, dass das Projekt Traumjob sofort beerdigt werden sollte: Mit Geduld und etwas Planung lässt sich häufig einiges erreichen.

Ein Traumjob muss eben nicht Hollywoodstar, Börsenmillionär oder Topmodel bedeuten: "Model ist auch nicht automatisch ein toller Beruf", sagt Christine Öttl, Coaching-Expertin aus München. "Es gibt Models, die finden ihre Arbeit total ätzend." Entscheidend sei, dass ein Beruf tatsächlich den eigenen Wünschen und Fähigkeiten soweit wie möglich entgegenkommt. "Das kann natürlich Model sein", sagt Öttl, "aber auch Bäcker oder Postbote."

Der inneren Stimme folgen

Prinzipiell sei in dieser Hinsicht kein Beruf schlechter oder besser, betont die Diplom-Psychologin und Karriereberaterin Angelika Gulder. Manche Berufe hätten zwar einen höheren Status als andere. Das Ziel sollte aber gerade nicht sein, einen "guten Beruf" abzubekommen, sondern einen, der der eigenen Berufung entspricht.

Herauszufinden, wozu der Einzelne berufen ist, ist nach Gulders Überzeugung nicht schwierig: Wer sich nicht sicher ist, sollte seiner inneren Stimme folgen, den roten Faden im bisherigen Leben suchen oder es gegebenenfalls nach dem Prinzip "Versuch und Irrtum" probieren. "Es gibt mehr Menschen, die ihren Traumjob gefunden haben, als man denkt", sagt Diplom-Psychologin Madeleine Leitner. "Ich kenne eine frühere Personalberaterin, die macht jetzt bei einem Unternehmen in Berlin das Marketing für die Weltmeisterschaft 2006 und hat damit ihren Traumjob bekommen."

Mut zur Veränderung gehört in jedem Fall dazu. "Etliche Arbeitnehmer sind einfach verängstigt wegen der vielen Negativmeldungen. Und wer Angst hat, klammert sich an den Job, den er hat. Natürlich gibt es auch keine Garantie auf den Traumjob." Voraussetzung, ihn zu finden, sei allerdings, nicht wie das Kaninchen vor der Schlange einfach abzuwarten.

Traumjob finden - Arbeitgeber wechseln?

Was sind meine Stärken und Schwächen?

Wichtigste Voraussetzung für die Suche nach einem neuen Job ist nach Empfehlung der Karriereberaterin zu klären, wo die eigenen Stärken liegen: "Bevor ich mich verändere, sollte ich wissen, was ich brauche, um gut, aber auch um zufrieden im Job zu sein." Je klarer das Bild, umso einfacher seien die Schritte in diese Richtung. "Wahllos an dem festzuhalten, was man gerade hat, ist die schlechteste Alternative."

Am besten beginnt die Suche nach dem Job, der den eigenen Wünschen und Vorstellungen entspricht, nicht erst mit der Midlife-Crisis: "Im Gegenteil", sagt Madeleine Leitner, "man sollte schon am Anfang des Berufslebens eine Vorstellung über die eigenen Fähigkeiten entwickeln." Die Jobs, die vermeintlich die Zukunft versprechen, seien dabei nicht immer die erste Wahl.

Hilfreich sei für eine solche "Selbstreflexion", sich hinzusetzen und zu überlegen, was man besonders gut kann und besonders gerne macht, rät Christine Öttl. "Am besten schreibt man das auf und benutzt dabei Verben, also zum Beispiel "erklären", "organisieren", "verkaufen". Dabei sollte nicht nur an den Beruf gedacht werden, sondern etwa auch an Hobbys. Plan B sollte dabei immer in der Tasche sein: "Es gibt einfach Wege, die bleiben einem verschlossen", sagt Öttl. "Wer zum Beispiel Flugbegleiter werden will, braucht eine bestimmte Körpergröße."

Realismus und Flexibilität sind deshalb wichtig: "Wenn Plan A nicht funktioniert, darf man nicht gleich alles hinwerfen." Oft gibt es durchaus Alternativen: "Wer nicht Sportlehrer werden kann, kann auch als Sporttrainer arbeiten." Den Traumjob zu finden, muss auch nicht zwangsläufig heißen, den Arbeitgeber zu wechseln. "Oft ist es schon hilfreich, einfach Aufgaben dazu zu übernehmen, die das abrunden, was man bisher schon gemacht hat", sagt Leitner.

Ein häufiger Fehler ist es nach Angelika Gulders Erfahrung, die Arbeit getrennt von den anderen Bereichen des Lebens betrachten zu wollen. "Entscheidend ist: Alles muss zusammen passen. Der tollste Job nützt nichts, wenn man 16 Stunden am Tag arbeitet und nichts mehr von seiner Familie oder seiner Freizeit hat."

Von Andreas Heimann, dpa

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