Samstag, 20. April 2019

Familie Eisert Stets unter Strom, nie im Strom

Der Mittelständler Phoenix Contact ist Weltmeister im Fach Bescheidenheit, und vielleicht sind die Ostwestfalen auch Weltmeister im Verkaufen elektrischer Verbindungselemente. Um nicht vom Thron gestoßen zu werden, müssen die Ingenieure aber weiter vor Innovation sprühen und listige Patentdiebe auf Abstand halten.

Hamburg - Bräuchten die Wahlkämpfer in Nordrhein-Westfalen noch einen Vorzeigebetrieb des florierenden deutschen Mittelstands, sie sollten sich vertrauensvoll in das Provinznest Blomberg begeben.

Chef im Ring bei Phoenix Contact: Klaus Eisert
Dann müssten sie aus der Landeshauptstadt Düsseldorf kommend Richtung Nordosten, gen Niedersachsen, fahren. Sie würden Weltkonzerne wie Bertelsmann und Dr. Oetker links liegen lassen und den Landstrich Lippe erreichen. Dort im Quarree zwischen Bielefeld, Paderborn, Bad Pyrmont und Höxter liegt das 18.000-Einwohner-Städtchen Blomberg. Und dort residiert ein unscheinbares Unternehmen, das Phoenix Contact heißt und zur Gilde der deutschen "Hidden Champions" zählt.

Phoenix Contact? Nie gehört! Wie auch - dieser stille Star, einer der Weltmarktführer bei industrieller elektrischer und elektronischer Verbindungstechnik, macht um seine Erfolgsgeschichte wenig Aufhebens. Die derzeit zehn Gesellschafter der drei Familienstämme sind unsichtbar wie elektrischer Strom; nicht mal Betriebsangehörige bekommen sie zu Gesicht. Eine Ausnahme freilich bildet die Speerspitze der dritten Generation, der Chef im Ring. Gestatten: Klaus Eisert, Jahrgang 1934 und jeden Tag im Büro.

 Drähte-Verbinder: Reihenklemmen von Phoenix Contact  Anwendungsbeispiel I: Enercon bestückt die Steuerungs-Platinen für ihre Windenergieanlagen mit Steckverbindern von Phoenix Contact  Anwendungsbeispiel II: BMW setzt in den Karosseriebau-Anlagen im amerikanischen Spartanburg das Interbus-Roboter-Konzept ein - Phoenix Contact liefert hierfür Automatisierungskomponenten

Hier klemmt nichts:
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Gewiss, die Auskunftsfreude des einzigen geschäftsführenden Gesellschafters findet ihre Grenzen, touchiert man zum Beispiel das sensible Thema der Erträge. "Gewinne macht man, aber man redet nicht darüber", sagt Eisert im Gespräch gegenüber manager-magazin.de. Nur so viel: In der 82 Jahre alten Unternehmensgeschichte sind nie Verluste angefallen, die Umsatzrendite bewegt sich heute im höheren einstelligen Bereich, lässt er sich entlocken.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Als Kennziffer für den Aufstieg Phoenix Contacts zitiert Eisert den Umsatz. 7000 Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Jahr 720 Millionen Euro, stolze 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Kurve des Umsatzes verläuft seit Jahrzehnten steil nach oben.

Ein Ende des Höhenrausches scheint nicht absehbar. "2005 wollen wir ähnlich stark wachsen", kündigt Eisert an. Die Marke von 800 Millionen Euro bezeichnet er dabei als Traumziffer. Damit der Traum in Erfüllung geht, muss die Nachfrage aus dem Ausland, insbesondere Asien und Nordamerika, anhalten. Denn der bundesdeutsche Markt liegt danieder, Hier zu Lande herrscht eher Kater- statt Partystimmung. Warum ist Phoenix Contact so verrückt, zu 85 Prozent in Deutschland zu produzieren - angesichts hoher Arbeitslöhne?

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