Dienstag, 18. Juni 2019

Karriere Graue Mäuse und Aufschneider

Im scharfen Wettbewerb um freie Stellen in der deutschen Wirtschaft ist ein perfekter Auftritt im Bewerbungsgespräch unabdingbar. Doch viele Kandidaten beherzigen nicht einmal die einfachsten Regeln.

Berlin - Ein schicker Anzug reicht längst nicht mehr aus, um im Vorstellungsgespräch zu überzeugen. Anders als früher sollten Bewerber heute beim ersten persönlichen Kontakt deutlich offensiver auftreten.

Eine Generalprobe gibt es nicht: Im Bewerbungsgespräch ist perfektes Auftreten gefragt
"Die Bewerber müssen selbst Einstellungsargumente liefern", sagt Christian Püttjer, Autor zahlreicher Bücher zu diesem Thema. Der Bewerber muss mit sachlichen Argumenten überzeugen, dass er der Richtige für die Stelle ist. Dabei gilt es, die richtige Abstufung zwischen grauer Maus und Aufschneider zu treffen. Doch das gelingt den wenigsten.

"Von Unternehmen wird häufig beklagt, dass Bewerber sich nicht so präsentierten, dass man ihnen den Job auch zutraut", berichtet Püttjer, der selbst lange im Personalwesen arbeitete. Man erwarte heute von einem Bewerber, dass er schon ein bisschen "wie ein Macher" auftrete. Dazu seien viele zu schüchtern, weshalb es ihnen nicht gelinge, ein klares Profil rüberzubringen. Weitere Hauptursachen, die ein Vorstellungsgespräch scheitern lassen, sind Fehler in der Körpersprache oder eine mangelhafte Vorbereitung.

Trainieren, trainieren und trainieren

Viele Fragen im Vorstellungsgespräch sind immer gleich. Daher sollte man sich bereits vorher die Antworten gedanklich zurecht legen. Püttjer empfiehlt, sich Antworten auf typische Fragen, wie nach persönlichen Stärken und Schwächen, nach beruflichen Erfolgen und Misserfolgen vorher aufzuschreiben. Der Bewerber sollte sich bereits im Vorfeld genau überlegen, was ihn für die ausgeschriebene Stelle qualifiziert und was für Tätigkeiten er in der Vergangenheit gemacht hat. "Heute darf man nicht mehr in Floskeln reden oder sich hinter Berufsbezeichnungen verstecken", sagt Püttjer.

Schicksal graue Maus: Unauffällige Bewerber haben bei Personalchefs keine Chance
Die Bedeutung der Köpersprache wird oft unterschätzt. "Da geht ganz viel schief", berichtet der Experte. Fast alle Personalreferenten seien darin im Gegensatz zum Bewerber geschult. "Wer behauptet, offen zu sein, und dabei die Arme verschränkt, dem glaubt man nicht", sagt Püttjer. Zudem sollten Bewerber unbewusste Stress- oder Verlegenheitsgesten wie etwa das Kratzen am Ohr oder Kopf unterlassen. Grundsätzlich sollte die Köpersprache das Gesagte unterstützen, empfiehlt der Experte.

Auch wenn jeder wissen sollte, dass die Mickey-Mouse-Krawatte nicht ins Vorstellungsgespräch gehört, werden hier noch immer viele Fehler gemacht. Viele meinen, die tägliche Arbeitskleidung sei auch hier ausreichend. "Das ist falsch und wird vor allem von Ausbildungsplatzbewerbern missachtet", sagt Püttjer. Grundsätzlich sei seriöse Kleidung gefordert. Es müsse zwar nicht immer der Business-Anzug mit Krawatte sein, allerdings sei der selten falsch. "Lieber etwas besser angezogen als underdressed!" betont er. Gemieden werden sollten allerdings grelle Farben und alles, was ablenkt. "Ein rotes Jacket kann einen schon um den Job bringen", sagt Püttjer.

Ralf Beunink, DDP

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