Dienstag, 25. Juni 2019

Geheimbünde in Cambridge Das illustre Dutzend

2. Teil: Wer ist der fünfte Mann der "Cambridge 5"?

Wer ist der fünfte Mann der "Cambridge 5"?

Im November 1979 trat Premierministerin Margaret Thatcher vor das House of Commons, um den Abgeordneten einen der größten Spionageskandale in der Geschichte Großbritanniens darzulegen: Anthony Blunt, ehemaliger Fellow vom Trinity College, hatte gestanden, über Jahre hinweg als Agent des KGB für die Sowjetunion spioniert und weitere Agenten rekrutiert zu haben.

 Die Bibliothek von King's College: Sie beherbergt den Nachlass von Sir Isaac Newton, gesammelt von dem Apostel-Mitglied John M. Keynes
Benedikt Mandl
Die Bibliothek von King's College: Sie beherbergt den Nachlass von Sir Isaac Newton, gesammelt von dem Apostel-Mitglied John M. Keynes
Und Anthony Blunt war nicht nur Fellow von Trinity, sondern auch ein Apostel.

Stück für Stück wurde das Ausmaß des Skandals bekannt: Ein Ring von fünf Agenten mit Zugang zu höchsten Regierungskreisen, bald die "Cambridge 5" genannt, war schon seit dem Zweiten Weltkrieg für den KGB aktiv gewesen. Vier Mitglieder wurden enttarnt, ein fünftes blieb verborgen. Bis heute hört man in Cambridge Gerüchte über die Identität des "Fifth Man". Mit der Spionageaffäre wurden auch die akademischen Geheimgesellschaften über Nacht bekannt und berüchtigt.

 Wale: Bei den Treffen der Apostel werden Sardinen auf Toast gegessen. Skelette von echten Walen findet man hingegen im Zoologischen Museum. Dieses und alle weiteren Bilder: Benedikt Mandl, Cambridge  Hochburg heimlichtuerischer Männerbünde: St. John's College, zusammen mit King's und Trinity  Große Köpfe: Die Apostel wurden gegründet, um die zwölf begabtesten Studenten von Cambridge zu vernetzen
 College der Mächtigen und Reichen: Trinity wurde damit zum idealen Nährboden für die Apostel  Spuren im Schnee: Die meisten Studenten in Cambridge wissen nichts von der Existenz der Geheimgesellschaft  Eine der größten Bibliotheken der Welt: Die Universitätsbibliothek von Cambridge gilt als Sinnbild freimaurerischer Symmetrieregeln

Galerie 1
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Dabei gibt es Geheimgesellschaften an elitären Hochschulen schon seit dem 19. Jahrhundet. Das protestantische England war Freimaurern traditionell freundlich gesonnen. Geheimlogen, philosophische Gesellschaften und Debattierzirkel fanden in den klösterlich organisierten College-Gemeinschaften von Cambridge begeisterte Aufnahme.

Absolventen der Universität wie John Harvard trugen die akademischen Traditionen Großbritanniens in die USA; dort finden sich an den Eliteuniversitäten der "Ivy League" Gruppen, die den Apostles ähneln: "Skulls and Bones" in Yale, der sowohl George W. Bush als auch John Kerry als Studenten anghörten, der "Porcellian Club" in Harvard, "Sphinx Head" in Cornell oder die "Owl Society" an der Universität von Pennsylvania.

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