Mittwoch, 20. November 2019

Management Von Shakespeare lernen

Amerikanische Führungskräfte büffeln nach der Shakespeare-Methode. Diese propagiert Kenneth L. Adelman, ein Ex-Berater von Ronald Reagan. Mit Rollenspielen aus "Julius Cäsar" und "Henry V" macht der Politstratege Manager und Offiziere für Konflikte fit.

Hamburg - Brutus ist bei amerikanischen Spitzenmilitärs nicht sonderlich beliebt. Wenn es nach L. General William R. Looney III geht, sollte man ihm gleich jedes Ehrgefühl absprechen. "Er war ein Verräter. Und er beging einen kaltblütigen Mord", zitiert die "New York Times" den hoch dekorierten Offizier.

Politiker mit gespaltener Zunge: Charlton Heston als Marc Anton in "Julius Caesar"
Dass Brutus das Wohl der Republik im Sinn hatte, müsse ihm zwar angerechnet werden. Aber Cäsar sei nun mal sein Vorgesetzter gewesen. "Gemäß unseres Ethos müssen wir die Befehlskette einhalten", so Looney pflichtbewusst.

Loyalität und Revolte, Gemeinsinn und persönliche Überzeugung: Am Kaiser-Killer, wie er in William Shakespeares Stück "Julius Cäsar" in Erscheinung tritt, lassen sich grundlegende Konflikte politischen Handelns ablesen. Deshalb studieren seit rund zwei Jahren ranghohe Offiziere und Funktionäre der amerikanischen Luftwaffe den berühmten Theaterautor - inklusive Textarbeit und Rollenstudium.

Initiiert haben die literarische Mobilmachung Kenneth L. Adelman und seine Frau Carol, beide Veteranen der Reagan-Administration. Adelman war in den achtziger Jahren Reagans Chefberater für Rüstungskontrolle und verfügt über beste Kontakte zu Wirtschaft, Militär und Politikern.

Fit für die politische Bühne

Diese Drähte hat er in ein florierendes Management-Trainingsunternehmen umgemünzt, das seit 1995 Führungskräfte unterrichtet. Zwischen 30 und 40 Seminare geben die Adelmans inzwischen pro Jahr; zu ihren Kunden zählen Konzerne ebenso wie Regierungsbehörden.

Auch wenn bei Shakespeare politische Intrigen und Machtkämpfe fest zum Repertoire gehören - die Militärs fanden die Idee des Literaturtrainings erst einmal bedenklich. Die meisten der Seminarteilnehmer kennen den englischen Renaissance-Dichter allenthalben aus dem Highschool-Unterricht.

Doch Adelman hat die Top-Soldaten überzeugt: Zum Preis von 18.000 Dollar pro Seminar (Unternehmen zahlen 24.000 Dollar) analysieren sie ausgesuchte Dramen, sehen Filme wie Joseph L. Mankiewiczs "Julius Caesar" mit John Gielgud als Imperator und Charlton Heston als Marc Anton und treten schon mal in historischer Tracht zum Kursus an.

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