Karriere Auf ins Ausland

Immer mehr Deutsche kehren "Good Old Germany" den Rücken. Die modernen Jobnomaden zieht es vor allem ins europäische Ausland. Doch auf dem Weg liegt auch so manches Schlagloch. Nicht nur Bewerbungen werden anders geschrieben als im Heimatland.

Barcelona/Berlin - Susanne Haas ist Gastarbeiterin. Seit einem Jahr lebt und arbeitet die 26-jährige Sekretärin in Barcelona. Tagsüber erledigt sie die Korrespondenz einer kleinen Firma, die unter anderem Handel mit Deutschland treibt. Zusätzlich bedient sie an drei Abenden in der Woche in einem Restaurant. "Das Leben ist hier kaum billiger als zu Hause, und die Löhne sind eher niedriger", sagt sie. "Da muss man sich manchmal ganz schön lang machen. Aber die Stadt ist das alles wert."

Nichts wie weg aus "Good Old Germany". Das denkt sich so mancher Stellensuchende heutzutage. Dabei ist die Motivation mitunter sehr unterschiedlich. Manche wollen dem schlechten Wetter entfliehen und sich endlich im Land ihrer Träume niederlassen. Andere wünschen sich neue Erfahrungen und bereichern ihren Lebenslauf mit Auslandserfahrungen. Doch immer mehr Deutsche suchen jenseits der Grenzen, was sie zu Hause nicht finden: einen angemessenen Arbeitsplatz.

Die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit hat darauf bereits reagiert - mit der Einrichtung von insgesamt 15 Europa-Service-Centern. Dort können sich Jobsuchende über die europäischen Arbeitsmärkte informieren.

Möglichkeiten gibt es genug: So werden "in den Niederlanden, in Belgien, Norwegen, der Schweiz und Österreich zurzeit Handwerker in Bauberufen gesucht", sagt Sabine Seidler von der ZAV. In Schweden und in Großbritannien besteht Bedarf an Medizinern. Schon heute fliegen deutsche Ärzte für Wochenendschichten auf die Insel und verdienen dort oft mehr als in ihrem Erstjob, dem sie unter der Woche in Deutschland nachgehen. Im Sommer ist in den Urlaubsländern wie Spanien oder Griechenland die Nachfrage nach Animateuren oder Reiseleitern groß. "Abgesehen von solchen Trends sind aber in den jeweiligen Ländern auch andere Jobs zu haben", sagt Sabine Seidler.

Grundsätzlich dürfen Deutsche in den 15 alten Mitgliedsländern der Europäischen Union arbeiten, ohne dafür eine Erlaubnis beantragen zu müssen. In den neuen Mitgliedsländern gelten Übergangsregeln. Unbürokratisch ist der Umzug allerdings nicht. Es gilt, Sozialversicherungen umzumelden und die ungeschriebenen Gesetze des Arbeitsmarkts zu verstehen. "Beispielsweise werden Bewerbungen in vielen Ländern anders geschrieben und gehandhabt als in Deutschland", sagt Sabine Seidler. Die Informationen der ZAV können dabei helfen.

Auch private Arbeitsvermittler helfen

Stellen lassen sich oft gleich über die Agentur für Arbeit finden, wo viele offene Jobs aus dem Ausland gemeldet sind. Die Berater der Arbeitsagentur wissen auch, wo so genannte Jobbörsen stattfinden. Hier können Interessierte direkt Kontakt mit europäischen Firmen knüpfen, die Bedarf an neuen Arbeitskräften haben. Oft lohnt es sich, schon mit einer Bewerbungsmappe zu erscheinen.

Auch private Arbeitsvermittler ebnen den Weg nach Europa. Die Agentur Careermoves Ireland beispielsweise vermittelt deutsche Bewerber auf die grüne Insel. "Wir haben vor allem Jobs in Kundenservice, Vertrieb, Technischer Unterstützung und Buchhaltung zu besetzen", sagt Lynda O'Riordan von Careermoves Ireland mit Sitz in Berlin. Gesucht werden Bewerber mit technischen Fähigkeiten, einer anerkannten deutschen Ausbildung und mindestens ein bis zwei Jahren Berufserfahrung. Zwar haben die deutschen Arbeitnehmer oft auch mit deutschen Gesprächspartnern zu tun. "Trotzdem sind gute Englischkenntnisse unverzichtbar", sagt O'Riordan.

In den vergangenen Jahren hat sie einen Wandel in der Motivation ihrer Bewerber beobachten können: "Früher ging es oft darum, ein Jahr lang Auslandserfahrungen zu sammeln. Heute planen viele Arbeitssuchende angesichts der schlechten Wirtschaftslage viel langfristiger." Und in Irland, so Linda O'Riordon, werden sie oft mit offenen Armen empfangen: "Deutsche werden hier geschätzt. Sie gelten als ehrlich, selbstständig, organisiert und fleißig."

Dass auf dem Weg nach Europa auch so manches Schlagloch liegt, kann Susanne Haas bestätigen: Zunächst musste sie ihr lückenhaftes Spanisch aufpolieren, nur um dann auch noch Katalanisch zu lernen. "Barcelona ist zweisprachig", erzählt sie. "Mit Spanisch kommt man zurecht. Doch sobald es informell wird, geht es nicht mehr ohne Katalanisch."

Auch die Atmosphäre am Arbeitsplatz sei anders als zu Hause. So sei es in Spanien weniger üblich, offene Kritik an Kollegen oder an Vorgesetzten zu üben. "Das gilt hier als unhöflich", sagt Susanne Haas. "Man will niemanden bezichtigen, einen Fehler gemacht zu haben." So etwas müsse man erst einmal herausfinden - und verinnerlichen: "Manchmal muss ich mir immer noch auf die Lippe beißen."

Von Sascha Borrée, dpa