Walter Bau Ignaz Walter beugt sich dem Druck

Der Gründer des angeschlagenen Konzerns Walter Bau beugt sich dem Druck von Gläubigerbanken und gibt den Aufsichtsratsvorsitz vorzeitig ab. Für Walter soll der frühere Chef der Dresdner Bank, Bernd Fahrholz, an die Spitze des Kontrollgremiums rücken.

München/Augsburg - In der vergangenen Woche habe er die Deutsche Bank  als Poolführerin des Banken-Konsortiums um Walter Bau über diese Entscheidung informiert, teilte Ignaz Walter am Sonntag in Augsburg mit.

"Diesen Schritt hatte ich ursprünglich für die diesjährige Hauptversammlung geplant. Er erfolgt jedoch nunmehr vorzeitig, weil ich einer Neuorientierung des Unternehmens alle Möglichkeiten eröffnen möchte." Unternehmenskreise bestätigten unterdessen, dass der frühere Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz Walter an der Spitze des Kontrollgremiums nachfolgen soll.

Walter kommt mit dem Schritt auch Forderungen von Mitgliedern des Bankenkonsortiums nach, die seinen Rücktritt dem Vernehmen nach zur Bedingung für eine Zustimmung für das Sanierungskonzept gemacht hatten. Unternehmenskreisen zufolge wird sein Rückzug mit der Billigung des kompletten Sanierungskonzeptes durch das Bankenkonsortium wirksam. Auf die darin vorgesehene Verlängerung von Bürgschaften mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Euro hatten sich die 27 Institute nach wochenlangem Ringen bereits in der vergangenen Woche verständigt.

Nun steht noch die Einigung auf eine Zwischenfinanzierung aus, über die Walter Bau eine Liquiditätsspritze in Höhe von 150 Millionen Euro erhalten soll. Die Gespräche darüber dauerten am Wochenende an, mit einer Entscheidung wurde nicht vor Wochenbeginn gerechnet.

Familie will ihre Anteile als Sicherheit einbringen

Nach Angaben des Firmengründers will die Familie Walter ihre Anteile an dem Konzern zusätzlich als Sicherheit in das Finanzierungskonzept einbringen, um es so tragfähiger zu machen und Arbeitsplätze erhalten zu können.

"Obwohl ich mich seit meinem Ausscheiden aus dem Vorstand 1996 ausschließlich auf die gemäß Gesetz für einen Aufsichtsratsvorsitzenden vorgeschriebenen Aufgaben beschränkt habe, fällt mir dieser Schritt unheimlich schwer", erklärte Walter. "Mein ganzes Handeln galt immer dem Wohl des Unternehmens und seinen Mitarbeitern, welche mit mir teilweise mehr als 25 Jahre durch 'Dick und Dünn' gegangen sind."

Das Unternehmen sei bis zum Jahr 2000 "kerngesund" gewesen. "Hausgemachte Fehler, ein ruinöser Baumarkt und eine katastrophale Zahlungsmoral zählen zu den Hauptursachen für den Absturz der Liquidität", teilte der Unternehmensgründer weiter mit. Dennoch sei die Firma auch heute nicht überschuldet, erklärte Walter. "Das vorhandene Vermögen ist weit höher als die Verbindlichkeiten."

Bernd Fahrholz soll den Aufsichtsrat führen

Für Walters Nachfolge an der Spitze des Kontrollgremiums ist der frühere Dresdner-Chef Fahrholz vorgesehen. Er fungiert bereits als Vermittler zwischen Walter Bau und den Geldgebern. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" gilt Fahrholz allerdings nicht bei allen beteiligten Banken als ideale Besetzung. Neben ihm sei auch noch ein ehemaliger Vorstandschef eines deutschen Industriekonzerns für den Aufsichtsratsvorsitz im Gespräch.

Am Freitag war bekannt geworden, dass zur Rettung des in eine Existenzkrise geratenen Konzerns mit rund 10.000 Beschäftigten auch eine Fusion mit dem Konkurrenten Strabag  erwogen wird. Zunächst müsse aber abgewartet werden, bis die Zwischenfinanzierung stehe, alles andere sei derzeit Spekulation, verlautete aus Unternehmens- und Bankenkreisen.