Privatbrauerei Stauder "Kleine Persönlichkeit"

Alles ist im Fluss auf dem deutschen Biermarkt. Inländische wie ausländische Giganten spülen sich reihenweise Wettbewerber hinunter. Wie trotz man als kleine Privatbrauerei dem Trend? Mit personeller Kontinuität, meint die kleinste nationale Marke Stauder.

Essen - Die Übernahmewelle auf dem deutschen Biermarkt rollt weiter. Nachdem die Konzerne Brau und Brunnen sowie Holsten im vergangenen Jahr den Eigentümer wechselten, stehen jetzt wieder die Privatbrauereien im Blickpunkt der Aufkäufer. Ein Bieterrennen läuft derzeit für den Düsseldorfer Altbierspezialist Frankenheim zwischen mehreren Brauereien.

Selbst der Branchenführer Dr. Oetker schließt weitere Zukäufe in diesem Jahr nicht aus, obwohl er die Übernahme von Brau und Brunnen mit Umstrukturierungen erst einmal verdauen muss. So mancher Traditionsbetrieb, wie die Privatbrauerei Stauder in Essen, will aber trotz verlockender Übernahmeangebote eigenständig bleiben.

Verkäufe von Familienbetrieben haben den zersplitteten deutschen Biermarkt in den vergangenen vier Jahren kräftig durchgeschüttelt. Mit 1300 Brauereien und 5000 Marken ist die Biervielfalt so groß wie sonst nirgends in der Bierwelt. Oben in der Absatzstatistik stehen mit Dr. Oetker (Radeberger, Jever), dem belgischen Weltmarktführer InBev (Becks, Hasseröder, Diebels) und dem Niederländer Heinecken inzwischen gleich drei große Konzerne. Die Familienunternehmen, die sich selbst stolz Privatbrauer nennen, stellen hingegen nach wie vor die stärksten Biermarken hier zu Lande her: Am häufigsten wurden in Deutschland 2004 Oettinger, Krombacher und Bitburger getrunken.

Die 1867 gegründete Privatbrauerei Jacob Stauder spielt mit dem geschätzten Jahresausstoß von 230.000 Hektolitern mengenmäßig zwar nicht in der ersten Liga. Sie sieht aber ihr Pils, das den Beinamen "Kleine Persönlichkeit" trägt, immerhin als kleinste nationale Marke. "Das war ein verdammt schwerer Weg", beschreibt Claus Stauder (66) die Entwicklung des Betriebes. Um im harten Wettbewerb zu überleben, habe die Brauerei ihr Pils bereits vor Jahrzehnten aus der Ecke des Konsumbieres herausgeholt und bei den Premiummarken ganz oben positioniert. "Wenn wir mit den gleichen Waffen gekämpft hätten wie die Großen, gäbe es uns nicht mehr." Auf Preiskämpfe lasse sich Stauder nicht ein. Statt mit viel Geld im Fernsehen zu werben, setzt die Privatbrauerei auf Gemeinschaftsanzeigen mit Hotels und Restaurants.

Zum Erfolgsrezept der Essener Privatbrauerei gehört Kontinuität. Während sich bei anderen großen Bierherstellern ein Personalkarussell dreht, liegt die Geschäftsführung bei Stauders auf Jahrzehnte in den selben Händen. Seit dem Jahresbeginn 2005 führen nun Thomas und Axel Stauder das Unternehmen. Die 37-jährigen Cousins repräsentieren die sechste Managergeneration im Familienbetrieb. "Auf Rückenwind durch den Biermarkt brauchen wir nicht zu hoffen", sagt Thomas Stauder. Als erste große Aufgabe steht die Einführung eines neuen Bierkastens an, die möglichst noch im Frühjahr erfolgen soll und 700.000 Euro kosten werde. Damit wolle man das Hauptprodukt noch besser in Szene setzen.

Die Veränderungen auf dem Biermarkt gehen aber nicht spurlos an Stauder vorbei. Vor drei Jahrzehnten vereinbarten die Essener mit der damaligen Privatbrauerei Diebels in Issum eine Vertriebskooperation. Diebels gehört inzwischen zum Weltmarktführer InBev und mischt ab Mitte Februar nach langer Abstinenz selbst wieder im Pilsmarkt mit. Die Stauders wollen genau beobachten, ob sich das negativ auf die eigenen Absätze auswirkt. Die Frage der Vertriebskooperationen in der Gastronomie werde möglicherweise eine der wichtigen Weichenstellungen der nächsten 1 bis 2 Jahre, meint der Seniorchef Claus Stauder. Denn die Hälfte des Bierausstoßes der Brauerei fließt in das Gastgewerbe, darunter zahlreiche gute Häuser im In- und Ausland.

Volker Danisch, dpa

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