Samstag, 21. September 2019

Günther Fielmann Brillen, Bullen und Boliden

3. Teil: Ungelöstes Nachfolgeproblem

Das Ende des Wachstums in Deutschland ist allerdings abzusehen. Das Unternehmen spricht, davon, dass der heutige Marktanteil von 52 Prozent noch auf 60 Prozent gesteigert werden kann. Gut 80 Fielmann-Filialen könnten in Deutschland noch entstehen. Weitsichtig lässt der Norddeutsche aber "permanent Expansionsmöglichkeiten im Ausland prüfen", wie es aus dem Unternehmen heißt. Das Geld ist dafür vorhanden. Der Cashflow ist hoch, die Eigenkapitalquote liegt über 50 Prozent. Bankverbindlichkeiten sind dem properen Unternehmen ein Fremdwort. Doch Familienunternehmer Fielmann ist äußerst vorsichtig. Wiederholt betont er im Führungskreis, kein Geld verbrennen zu wollen. Bei der Expansion "soll es richtig krachen".

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

Wer sind die Unternehmer im Lande? Wie haben sie ihre Firmen zum Erfolg geführt? Unter dem Titel "Deutschland, deine Unternehmer" stellt manager-magazin.de die Gestalter unserer Wirtschaft vor. Alle bereits erschienenen Porträts
Eine schmachvolle Niederlage hat Fielmann im vergangenen Jahr einstecken müssen: Der italienische Konkurrent Luxottica hat mit dem Aufkauf mehrerer Optikketten Fielmann vom ersten Rang in Europa verdrängt. Ärgerlich auch, dass die Personalfluktuation - rund 70 Prozent der Angestellten sind junge Frauen - unverändert hoch ist. Und auch die ungeliebte Gewerkschaft Verdi bleibt bei ihrer Linie und fordert für sämtliche Fielmann-Beschäftigte Bezahlung nach Tarifvertrag. Fielmann, Ferrari-Fahrer und Antiquitätensammler, kontert: "Wir bezahlen doch schon über Tarif." Das Problem: Die Tarifgehälter sind nicht gerade üppig, das Anfangsgehalt eines Angestellten mit Gesellenprüfung liegt im ersten Lehrjahr bei 1465 Euro.

Und dann harrt das ungelöste Nachfolgeproblem einer Lösung. Fielmanns größter Wunsch ist, dass sein Sohn die Geschicke einmal fortführt, dafür nimmt der Vater ihn schon zu Hauptversammlungen mit. Doch der Junge ist gerade mal 15 Jahre jung. Fielmann kommt wohl nicht umhin, einige Jahre das Tagesgeschäft an einen externen Manager abzugeben. Müsste er zu diesem Zeitpunkt handeln, die Wahl fiel, nach Ansicht von Unternehmenskennern, auf Günter Schmid. Schmid ist einer seiner engsten Vertrauten, leitet die wichtige Brillenfabrik Rathenow.

Verjüngung des Vorstands ist geglückt

"Du bist mein liebster Sparringspartner", beschied Fielmann ihm in einer Mischung aus Anerkennung und Angriffslust einmal. Anerkennung, weil Schmids Leistung als hervorragend beschrieben wird. Angriffslust, weil Fielmann eigentlich keinen zweiten König neben sich duldet. Nur weil Schmid als genialer Stratege gilt, kann er es sich erlauben, Fielmann zeitweise zu widersprechen. Andere Vorstände lässt Fielmann seine napoleonhafte Art spüren. "In den Sitzungen werden gern mal Haltungsnoten verteilt", heißt es.

Als Erfolg kann Fielmann die erfolgte Verjüngung des Vorstands verbuchen. Intimus Hans-Joachim Oltersdorf, der ihn seit 23 Jahren treu folgt und auch Fielmanns private Investments betreut, scheidet im Juli dieses Jahres aus Altersgründen aus. Derzeit arbeitet Oltersdorf seinen Nachfolger im Finanzressort, Georg Alexander Zeiss, ein. Neben Zeiss rückten auch Jens M. Abend (Controlling/IT/Expansion) sowie Emmanuel Siregar (Personal) 2004 in den Vorstand ein. Dafür verließ ohne weiteren Aufhebens Jan-Christoph Maiwaldt die Führung. Maiwaldt, heute Finanzvorstand der krisengeschüttelten KarstadtQuelle Börsen-Chart zeigen, wird bei Fielmann glückloses Handeln nachgesagt.

Doch ob Abend, Siregar, Zeiss oder Schmid: Am liebsten wäre Fielmann, dass sein Sohn ihm nachfolgt. Der muss sich auf einen kritischen und wachsamen Kontrolleur einstellen. Vielleicht erzählt ihm jemand die Anekdote vom Gut Schierensee, einem der Fielmann'schen Höfe, wo die Natur noch gehätschelt wird. Dort hatte sich Fielmann einmal bei einem Hofmitarbeiter erkundigt, ob das Ramelsloher Huhn, eine seltene Art, schon Küken ausgebrütet habe. "Ja" antwortet der Angestellte, um eilfertig hinzuzufügen: "Ich habe das Küken sicherheitshalber, zu mir mit nach Hause genommen". Sicher ist sicher.

Deutschland, deine Unternehmer: Alle Porträts

Seite 3 von 3

© manager magazin 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung