Dienstag, 25. Juni 2019

Günther Fielmann Brillen, Bullen und Boliden

2. Teil: Kein Faible für Gewerkschaften

Um das weitere Wachstum zu finanzieren - einige Konkurrenten wurden aufgekauft, ins europäische Ausland wurde expandiert - entschied sich Fielmann 1994 zum Gang an die Börse. 71 Prozent der Anteile des im Mdax gelisteten Unternehmens gehören ihm, fast alle seiner knapp 10.000 Angestellten halten Mitarbeiteraktien. Mittlerweile wird ein Umsatz von einer Milliarde Euro erwirtschaftet und ein Gewinn von 112 Millionen Euro.

Naturfreunde unter sich:
Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust (l.) und Fielmann pflanzen am Hamburger Jungfernstieg eine Silberlinde.
Was nur wenige wissen: Fielmann erspähte neben dem lukrativen Brillengeschäft noch weitere profitable Investments. Zum richtigen Zeitpunkt setzt er auf das Geschäft mit reimportierten Arzneimitteln (MPA Pharma GmbH), investiert in Ladenzeilen und in die Vermietung von Bühnentechnik (Procon Multimedia AG). Nicht immer hielt dabei seine Glückssträhne: Im Falle von MPA Pharma musste wegen der Gesundheitsreform die Mitarbeiterzahl stark reduziert und ein Standort geschlossen werden.

Seine gemeinnützige Ader, also sich um Mutter Natur zu kümmern, steht im deutlichen Gegensatz zu seinem zeitweise barschen Gebaren. Mit Stühlen soll er schon geworfen haben, cholerisch sich über Mitarbeiter aufgeregt haben. Wie auch anderen Familienunternehmern fällt es ihm zudem nicht leicht, Verantwortung abzugeben. Das Faible, die Belegschaft mit seiner euphorischen Art mitzureißen und für neue Ideen zu begeistern, steht wenig im harmonischem Einklang, ein überdeutliches Maß an Misstrauen an den Tag zu legen.

Gesundheitsreform knabbert an Umsätzen

So sagte er einmal ganz freimütig: "Der Fielmann-Filialleiter ist ein Mensch wie jeder andere auch, kaum dreh' ich mich um, erhöht der die Preise." Und ihn treibt die Sorge um, dass bei "den vielen Mitarbeitern was versandet". Besonders argwöhnisch betrachtet der Brillenkönig das Treiben des Betriebsrates. Immerhin, das anfängliche Un-Verhältnis zu Gewerkschaftern und Betriebsräten soll sich in ein nüchternes Arbeitsverhältnis gewandelt haben.

Um der Gewerkschaft nicht allzu viel Einfluss zu geben, hat Fielmann frühzeitig und trickreich vorgesorgt: Jede der 521 Filialen ist rechtlich selbstständig und so dem Einflussbereich des Betriebsrates der Hauptverwaltung entzogen. Die Filialen führt Fielmann mittels eines Handbuches an der kurzen Leine. In diesem Handbuch wird detailliert beschrieben, wie das Procedere im Umgang mit den Kunden auszusehen hat. Zum Beispiel sollten Kunden nach dem Kauf zur Tür begleitet werden. Filialen, die im innerbetrieblichen Vergleich schlecht abschneiden, bekommen "Unterstützung" von der Hauptverwaltung, wie es höflich umschrieben heißt.

Trotz seiner akribischen Arbeit muss Fielmann erkennen, dass auch für ihn nicht die Bäume in den Himmel wachsen. Die aktuell verfügbaren Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Gesundheitsreform sorgte dafür, dass Umsatz und Gewinn im dritten Quartal deutlich zurückgingen. Trotz dieser Zwischenergebnisse hält die Führung an ihrer Prognose, einen Vorsteuergewinn von 70 Millionen Euro in 2004 zu erwirtschaften, fest. Die Börsianer vertrauen ihm: Gegenüber dem Jahresanfang ist der Kurs der Fielmann-Aktie um fast 40 Prozent gestiegen.

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