Sonntag, 16. Juni 2019

Uni-Vermögen Harvards Goldjunge sagt goodbye

Geist und Mammon vertragen sich nicht. Harvard-Fondsmanager Jack Meyer mehrte nicht nur das Vermögen der Elite-Uni überaus erfolgreich, auch seine eigenen Taschen füllten sich dabei prächtig. Querelen um seine üppigen Bezüge haben ihn zum Abschied bewogen. Jetzt sucht die Denkerschmiede einen Top-Nachfolger zum Schnäppchenpreis.

Boston/Hamburg - Amerikas Vorzeige-Universität steckt in einem Luxus-Dilemma: Auf der einen Seite ist das Harvard-Fondsvermögen auf über 22 Milliarden Euro gewachsen, auf der anderen Seite können dem verantwortlichen Managementteam nicht die in diesen Regionen marktüblichen Gehälter gezahlt werden, ohne den Zorn der Studenten und wichtigen Stifter zu erregen.

Reichste Uni der Welt: Campus der Harvard Universität in Cambridge
Fondsmanager Jack Meyer hat nun die Konsequenzen gezogen und verlässt die Universität. Mit ihm werden noch mindestens vier weitere Topmanager aus dem Investmentteam ihren Hut nehmen: David Mittelman, Maurice Samuels, Edward DeNoble und Michael Pradko. Der Abgang ist für Harvard nur schwer zu verschmerzen. Meyer und seine Mannen gelten in der Investmentszene als überaus gewiefte Strategen. Mit einer breiten Risikostreuung in Rohstoffen, Anleihen und Aktien haben sie weit überdurchschnittliche Renditen eingefahren.

Seit 1990, als Meyer den Chefsessel im Harvard-Investmentteam übernahm, ist das Fondsvermögen von 4,7 auf 22,6 Milliarden Dollar angewachsen. Nur zweimal haben die Fondsmanager ein Jahr mit einer negativen Wertentwicklung abgeschlossen: 2001 verlor der Fonds 2,7 Prozent, ein Jahr später ging es noch einmal um 0,5 Prozent bergab. Durchschnittlich konnten die Anlageexperten das Universitätsvermögen jährlich um knapp 15 Prozent steigern. Heute gilt Harvard als reichste Universität der Welt, die Rivalen Princeton oder Yale sind weit abgeschlagen.

Wahrheit statt Gewinnmaximierung

Hohe Fondsvermögen und überdurchschnittliche Steigerungsraten ziehen aber auch hohe Gehälter mit sich, zumindest in der Bankenbranche. In einer Denkerschmiede, die laut Wappen der "Wahrheit" verpflichtet ist und nicht der Gewinnmaximierung, gelten aber andere Regeln - zumindest nach Ansicht prominenter Harvard-Absolventen. Während Meyer von "marktgerechten, erfolgsabhängigen Gehältern" sprach und seinen sechs Topmanagern im Jahr 2003 107,5 Millionen Dollar und ein Jahr später 78,4 Millionen Dollar zahlte, liefen die Kritiker Sturm.

In mehreren Protestbriefen an Universitätspräsident und Ex-US-Finanzminister Larry Summers wurden "exzessive" Einkommen der Fondsmanager angeprangert, auf dem Campus selbst beanstandeten Studenten "unmoralische" Investitionen. Angeblich sei das Harvard-Geld auch angelegt in Unternehmen mit dubiosen oder ausbeuterischen Geschäftspraktiken.

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