Karriere Minenfeld Büroalltag

In der Gemengelage von Führungsaufgaben und Organisation vernachlässigen Manager häufig den alltäglichsten Schauplatz der Teamarbeit: das Miteinander im Büro steht dem Überlebenskampf im Dschungelcamp oft in nichts nach. Ob Mobbing oder Intrigen - wer kein vorschnelles Karriereende erleben will, muss vorbeugen.

Bonn/Hildesheim - Im Berufsleben gibt es kaum noch Einzelkämpfer. Gefragt ist heute der flexible Teamplayer.

Doch der tägliche Umgang mit den Kollegen ist nicht immer leicht. Denn in jeder Bürogemeinschaft gibt es eine Unzahl von geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen. Reichlich Gelegenheit also, in diverse Fettnäpfchen zu treten.

Das klingt harmlos, ist es aber nicht. Denn die Fehltritte - im einzelnen meist kleine Patzer - summieren sich, bis sie irgendwann für schlechte Stimmung im Büro sorgen - und für die wird dann ein Schuldiger gesucht, weiß Stephan Teuber vom Bundesverband der Deutschen Unternehmensberater (BDU). "Spätestens in diesem Moment leiden die Menschen und die Arbeitsergebnisse", warnt der stellvertretende Vorsitzender des BDU-Fachverbandes Personalmanagement.

Keine Grenzüberschreitungen, bitte

Eine typische Fehlerquelle ist der Umgang mit Tabu-Themen. Das sei angesichts der Ereignisse in Südasien sehr aktuell, sagt Teuber. Sind etwa Kollegen betroffen, wäre es falsch, das Thema zu ignorieren oder sich darüber lustig zu machen. "Vielmehr sollte man solche Themen sachlich ansprechen und den Mitarbeiter fragen, wie es ihm geht." Anhand der Reaktion kann dann beurteilt werden, ob dieser weiter darüber sprechen will, oder nicht.

"Im Büroalltag Themen zu tabuisieren, ist immer ein Fehler", betont Teuber. Egal ob es nur der Fleck auf der Krawatte ist oder ein größeres Problem. "Schließlich sind schwierige Themen, einmal angesprochen, nur noch halb so gravierend".

Auch beim Schreiben von E-Mails ist die Gefahr von Peinlichkeiten groß: Falsche oder flapsige Anreden, nur in Stichworten geschriebene Texte oder viele Rechtschreibfehler - wer solche E-Mails verschickt, manövriert sich schnell ins Abseits, warnt Teuber. Denn so mancher Empfänger fühlt sich von diesen Nachlässigkeiten auf den Schlips getreten und nicht ausreichend gewürdigt.

Wie man sich eine blutige Nase holt

Wie man sich eine blutige Nase holt

Brandgefährlich sind außerdem Tratschereien via E-Mail. Schnell ist die elektronische Post aus Versehen an einen falschen Empfänger verschickt.

Auch bei der Kleidung kann man viel verkehrt machen. Ideal ist es, den goldenen Mitelweg zu finden - also sich weder zu nachlässig, noch zu schick zu kleiden. Denn die Kollegen sollten einen nicht über die Kleidung definieren, sondern anhand der Arbeit. Jede Woche im neuen Designer-Anzug aufzutreten weckt nur Neider. Frauen sollten nicht zu leger angezogen sein. Sonst laufen sie Gefahr, dass die Beurteilung ihrer Arbeit in Mitleidenschaft gezogen wird.

Unklug ist es auch, seine Beziehungen überschätzen. Wer glaubt, keine ordentliche Arbeit mehr leisten zu müssen, nur weil er mit dem Chef einen guten Draht hat, ist auf dem Holzweg. Schließlich muss sich auch dieser für die geleistete Arbeit in seiner Abteilung rechtfertigen.

Zuviel Privates schadet nur

Vorsichtig sollte man auch damit sein, seine private Seiten zu offenbaren. Zwar sollte man sich menschlich zeigen und ein wenig Privates erzählen, doch dabei ist Maßhalten wichtig. Das gilt auch für private Telefongespräche. Wer öffentlich religiöse, politische oder sexistische Witze reißt, manövriert sich zielstrebig ins Aus.

Auch das kollegiale "Du" sollte man ein dosieren. Wer dem Chef oder älteren Kollegen das "Du" anbietet, wird irritiertes Stirnrunzeln verursachen. Genauso falsch ist es, der jungen Praktikantin gleich das "Du" aufzudrängen, wenn das nicht unter allen Kollegen allgemein üblich ist.

Besonders vorsichtig muss jeder sein, der einen neuen Arbeitsplatz antritt. Die ersten 100 Tage sind eine kritische Phase, in der man sich gegenüber dem Chef und den Kollegen positioniert. Probleme werden von allen anderen besonders deutlich wahrgenommen.

Achtung, Intrigen

Schlangengrube Großraumbüro

"Wer im neuen Job nach dem Motto 'Hoppla, hier komm ich' auftritt, macht einen großen Fehler", weiß die Personaltrainerin der Unternehmensberatung "Die Trainer", Catrin Lenfers. Gerade in der Anfangsphase sollte man nicht besserwisserisch auftreten oder sofort große Veränderungen einleiten wollen.

Vielmehr ist erst einmal genaues Zuhören, Nachfragen und Beobachten angesagt. "Denn die offiziellen Informationen, die man am Anfang bekommt, stellen nur die Spitze des Eisberges dar." Erst später werden die Hintergründe klar. Fakten darüber, wie Informationsnetzwerk gestrickt sind und wer mit wem befreundet ist. Wer sich hier zu früh mit Kritik hervortut - egal ob an Personen oder an betrieblichen Abläufen - kann gehörig auf die Nase fallen, warnt Lenfers.

"Diese Zurückhaltung hat aber nichts mit Schüchternheit zu tun", betont die Personaltrainerin. Auch das wäre ein Fehler. Schließlich erfolgte die Einstellung wegen der vorhandenen Fähigkeiten und der Persönlichkeit. Deshalb sollte man auch keine Rolle spielen, sondern authentisch sein.

Achtung, Intrigen

Auf dünnem Eis befindet sich, wer in bürointerne Intrigen und Lästereien gezogen wird. "Gerade als Neuer sollte man sich darauf nicht einlassen", rät Lenfers.

Wollen einen Kollegen in solche Gespräche verwickeln, ist Zurückhaltung angebracht: Besser nur zuhören oder Fragen stellen. Sehr gefährlich wäre es dagegen, die Kollegen zu bestätigen oder gar eigene Urteile auszusprechen. "Schließlich weiß man noch gar nicht, wer tatsächlich mit wem befreundet ist."

"Letztendlich sind Fehler in den ersten 100 Tagen fast unvermeidlich", räumt Lenfers ein. "Entscheidend sei, wie man damit umgeht. Auf keinen Fall darf man sie vertuschen, sondern offen damit umgehen." Die Expertin fügt hinzu: "Und danach sollte man diesen Fehler auch tatsächlich nicht noch einmal machen."

Christoph D. Frieß