Montag, 6. April 2020

Karriere "Ratschläge sind oft Schläge"

Wenn ein Kollege einen "guten Rat" gibt, muss der Empfänger diesen nicht automatisch als angenehm empfinden. Häufig nerven auch gut gemeinte Tipps. Arbeitspsychologen wissen, wie man sich in diesen misslichen Lagen verhält.

Berlin - Ob im Büro oder zu Hause: Ungebetene Ratschläge sorgen schnell für Missstimmung. Nicht umsonst sagt der Volksmund "Ratschläge sind auch Schläge". Meist gut gemeint, verursachen sie beim Empfänger oft Magengrummeln, und nur zähneknirschend bedankt er sich beim Spender für den "tollen Tipp".

 Wer anderen einen Rat gibt löst damit nicht immer unbedingt Freude aus
mm.de
Wer anderen einen Rat gibt löst damit nicht immer unbedingt Freude aus
Das Problem mit Ratschlägen ist, dass sie manchmal einen weiteren Hintergrund haben. "Oft steckt in einem Ratschlag ein Vorwurf oder eine Verhaltenskritik", weiß Gerd Reimann, Psychologe aus Potsdam. "Das kann vom Ratgeber beabsichtigt sein, muss es aber nicht."

Ratschläge werden vor allem als unangenehm empfunden, wenn sie dem Empfänger einen Mangel unterstellen. Dieser Effekt verstärke sich, wenn der Ratschlag ungebeten kommt. Ebenfalls negativ registriert würden Tipps, die dem Empfänger Angst machen oder ihn unter Druck setzen, sagt der Experte.

"Statt einfach Ratschläge zu verteilen, ist es besser, durch offene Fragen herauszufinden, wie der andere eine Situation beurteilt", rät der Diplompsychologe. Erzählt dieser dann tatsächlich von Problemen, könne man gegebenenfalls an einzelnen Punkten nachhaken oder einen Rat anbieten.

"Ungebetene Ratschläge kann man abwehren, indem man dem klugen Spender den Ball zurückspielt", so Reimann. Denkbar wäre zum Beispiel die Gegenfrage "Glaubst Du nicht, dass ich darüber noch nicht nachgedacht habe?" Oder man bedankt sich für den Rat und lobt den Ratgeber - fügt dann aber hinzu, dass man daran auch schon gedacht habe. Mit dieser Deeskalationstechnik bremst man ihn, ohne ihn vor den Kopf zu stoßen.

Besonders in Beziehungen kann eine echte Krise entstehen, wenn einer der Partner immer wieder Ratschläge gibt. Franz Thurmaier, Leiter des Instituts für Forschung und Ausbildung in Kommunikationstherapie e.V., berichtet, dass sich "mit der Zeit die Rollen einschleifen, ohne dass es dem Paar bewusst wird". Doch irgendwann wird es zu viel, und während der aktive Partner sich ausgenutzt fühlt, kommt sich der passive schwach vor.

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