Gründer-Kolumne Die Helden junger Unternehmer

Mit Hilfe von Business Angels hat sich schon so manches Start-up am Markt etabliert. Die "alten Hasen" helfen aber nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern weil sie sich ein lukratives Geschäft erhoffen. Welches Unternehmen Unterstützung erhält, wird deshalb genauestens geprüft.

Junge Unternehmen mit einer innovativen Geschäftsidee stehen in der Regel vor dem Problem, dass ihnen am Anfang die notwendigen finanziellen Mittel zur Umsetzung ihres Konzeptes fehlen.

Um die Basis für die Gründung, ein schnelles Wachstum und die erfolgreiche Weiterentwicklung des Unternehmens zu legen, müssen externe Investoren gefunden werden, die Risikokapital zur Verfügung stellen. Business Angels übernehmen diese Aufgabe gerade am Anfang der Unternehmensentwicklung.

Die Renditeunsicherheit des eingesetzten Kapitals muss jedoch als außerordentlich hoch eingeschätzt werden, da zum Investitionszeitpunkt in der Regel noch keine Gewinne und - wenn überhaupt - auch nur geringe Cashflows erwirtschaftet werden.

Diese Umstände sind nicht zuletzt dafür verantwortlich, dass eine hohe Unsicherheit über die weitere Entwicklung die Regel ist, und ein Engagement bei einem jungen Unternehmen grundsätzlich sehr risikoreich ist.

Aus diesem Zusammenhang heraus sollte die folgende Frage geklärt werden: Mit welchen Strategien begegnen Business Angels diesen Risiken? Um diese Frage zu beantworten, wurden aktive Business Angels in Deutschland und der Schweiz zu diesem Thema befragt.

Die Ergebnisse wurden in einer aktuellen Studie des Lehrstuhls für Electronic Business der Universität Kiel in Zusammenarbeit mit dem Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND) festgehalten. Insgesamt konnten 116 verwertbare Antworten von Business Angels gesammelt werden.

Strategien der Business Angels

Strategien der Business Angels

Das Risikomanagement für Business Angels ist geprägt durch zwei Aspekte: Unsicherheiten erkennen und diese durch geeignete Strategien reduzieren. Anhand der Studie konnten hier die wichtigsten Reduktionsstrategien für Business Angels identifiziert werden. Dabei standen die folgenden Möglichkeiten im Mittelpunkt, die natürlich keine 100-prozentige Überschneidungsfreiheit darstellen:

  • Evaluationsstrategie: Hier steht der Versuch einer Überprüfung von Bewertungskriterien im Mittelpunkt. Diese Überprüfung kann sich beispielsweise auf Gespräche mit dem Management oder mit Branchenkennern beziehen. Auch eine Befragung potenzieller Kunden gehört dazu.


  • Informationsstrategie: Nach dieser Strategie versucht der Business Angel, den eigenen Wissensstand zu den Bewertungskriterien zu erhöhen. Im Mittelpunkt steht der Know-how-Erwerb zum Umfeld der vorgestellten Unternehmensidee. Dies kann über Gespräche mit anderen Business Angels, Venture-Capital-Gebern oder durch die Lektüre einschlägiger Fachzeitschriften passieren.


  • Vertragsstrategie: Hier wird versucht, über verschiedene Vereinbarungen im Beteiligungsvertrag möglichen Risiken zu begegnen. Entsprechende Klauseln könnten beispielsweise das finanzielle Co-Investment des Gründers einfordern. Aber auch Vesting-Regeln und Liquidationspräferenzen zählen zu diesem Bereich.


  • Kooperationsstrategie: Im Mittelpunkt steht der Versuch, mögliche Risiken durch eine Syndizierung, das heißt einem gleichzeitigen Co-Investment mit anderen Geldgebern, zu begegnen. Andere Geldgeber können dabei weitere Business Angels, Venture-Capital-Unternehmen aber auch öffentliche Förderinstitutionen sein.


  • Ergebnisstrategie: Bei dieser Vorgehensweise wird das Engagement mit bestimmten so genannten Milestones verbunden, die bestimmte signifikante Entwicklungsschritte im Unternehmen kennzeichnen. Damit erfolgt ein Staging des Investments und ein Split hinsichtlich des persönlichen Einsatzes in Abhängigkeit der Erreichung bestimmter Ziele (zum Beispiel Umsatz oder Produktversionen).


  • Managementstrategie: Hier wird insbesondere durch den persönlichen Einsatz des Business Angels im operativen Geschäft versucht, möglichen Fehlentwicklungen vorzubeugen. Dabei steht die Beratung und das Coaching ebenso im Mittelpunkt wie die Übernahme von Unternehmensfunktionen (Co-Geschäftsführung, Beirat, Aufsichtsrat).


  • Netzwerkstrategie: Bei dieser Strategie soll das bestehende Kontaktnetzwerk genutzt werden, um den Eintritt von Risiken unwahrscheinlicher werden zu lassen. Dabei helfen Kontakte aus anderen Investments ebenso wie die Erfahrung aus dem vorangegangenen oder immer noch primären Berufsleben. Gerade die Vermittlung von Kontakten soll das junge Unternehmen beim Aufbau der Geschäftstätigkeit stabilisieren.

"Newcomer" und "Old Rabbits"

"Newcomer" und "Old Rabbits"

Zunächst wurden die Business Angels im Hinblick auf die individuelle Investmenterfahrung (Anzahl der Erstinvestments) und dem bisherigen Erfolg hinsichtlich dieser Investments (Anzahl der erfolgreichen Investments) klassifiziert. Dabei ergaben sich folgende Kerngruppen:

  • Newcomer haben noch wenig Erfahrung (nicht mehr als fünf Beteiligungen) und auch noch wenige erfolgreiche Investments (der Anteil der erfolgreichen Investments ist nicht größer als 50 Prozent).


  • Old Rabbits haben relativ viel Erfahrung (mehr als fünf Beteiligungen) und einen relativ hohen Erfolg (der Anteil der erfolgreichen Investments ist größer als 50 Prozent).
Hinsichtlich der Resultate kann man feststellen, dass es zu Unterschieden zwischen den Gruppen "Newcomern" und "Old Rabbits" kommt. Es zeigt sich, dass bei den "Old Rabbits" die Evaluationsstrategie, die Kooperationsstrategie und insbesondere die Netzwerkstrategie im Vordergrund stehen. Das heißt, erfahrene und erfolgreiche Business Angels überprüfen sehr intensiv das Anwendungsfeld der Unternehmensidee.

Old Rabbits handeln intuitiver

Dabei stehen Gespräche mit potenziellen Kunden und Branchenkennern im Mittelpunkt. Aber auch das Vertrauen in das eigene Bauchgefühl kommt nicht zu kurz. Sie gehen ein Risiko fast nie alleine ein, sondern nutzen die Syndizierungsmöglichkeiten mit anderen Business Angels und öffentlichen Förderinstitutionen.

Auf der anderen Seite steht die Ergebnisstrategie, die Managementstrategie und die Netzwerkstrategie bei den "Newcomern" hoch im Kurs. Das heißt, relativ unerfahrene Business Angels orientieren sich sehr stark an den konkreten Zwischenständen im Entwicklungsprozess und fordern verstärkt konkrete Ergebnisse ein. Insbesondere das Erreichen bestimmter Produktentwicklungsstände erreichte vor diesem Hintergrund den höchsten Wert.

Newcomer vertrauen auf Fakten

Newcomer vertrauen auf Fakten

Entsprechend wird das Investment mit zugehörigen Milestones verknüpft. Daneben wird die Informationsstrategie als wesentlich bedeutender angesehen als dies bei den "Old Rabbits" der Fall ist. Auf die allgemeine Wissensbasis (Markttrends, -perspektiven, -nachrichten) wird hier scheinbar etwas mehr Wert gelegt.

Eine Erklärung kann darin liegen, dass "Newcomer" eher in Branchen investieren, die durch eine besonders hohe Dynamik geprägt sind (Internet/E-Business, Life Science, Biotechnologie).

Business Angels helfen mit den drei K's

Business Angels bieten Know-how, Kontakte und Kapital (drei K's) für junge Unternehmen und helfen damit, dass diese sich entwickeln können. Der Business Angel an sich ist dabei nichts "Neues" und er kam nicht etwa erst mit dem Internethype vom Himmel geflogen.

Es handelt sich vielmehr um ein Wesen, welches schon immer in Form einer vermögenden Privatperson eigenes Kapital in junge Unternehmer investierte. Dieser Geldtransfer war und ist natürlich nicht als eine engelhafte Schenkung anzusehen.

Vielmehr ist hiermit das irdische Ziel verbunden, eine Beteiligung an der Unternehmung zu erhalten, die sich später Gewinn bringend verkaufen lässt. Entsprechend werden Risiken bewertet und Reduktionsstrategien aufgebaut, die von den jungen Unternehmen als Kapitalnachfrager zu beachten sind.

Die hier vorgestellten Strategien zur Reduktion von Unsicherheiten und zum Aufbau eines Risikomanagements für Business Angels sollen dabei helfen.

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