Früher Chefwechsel Wiegard kündigt als Wirtschaftsweiser

Der Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsweisen tritt nicht für eine zweite Amtszeit an und verletzt damit die bisherigen Gepflogenheiten. Dabei hat offenbar die Stimmung im Gremium eine Rolle gespielt.

Bonn - Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage, Wolfgang Wiegard, verlässt die "Fünf Weisen". "Ich werde schon im Februar nicht mehr für den Vorsitz kandidieren und 2006 dann wahrscheinlich aus dem Sachverständigenrat ausscheiden", sagte Wiegard dem "Rheinischen Merkur". Damit verzichtet der Regensburger Finanzwissenschaftler auf die bis dato übliche Verlängerung des Ratsvorsitzes um weitere fünf Jahre. Als Begründung führte der oberste Ökonom der Nation die enorme zeitliche Belastung an.

Auch das zuletzt schlechte Diskussionsklima unter den "Fünf Weisen" habe seinen Entschluss beeinflusst. "Die Zusammenarbeit im Rat ist schwieriger geworden", sagte der 58-Jährige. Dort stießen neuerdings Denkmodelle aufeinander, die in fast allen Bereichen völlig unvereinbar seien. Für die Zeit danach habe Wiegard auch schon Pläne. "Ich möchte eine ganze Reihe Bücher schreiben", sagte er.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung - dessen Mitglieder als die fünf Wirtschafsweisen bekannt sind - beurteilt seit 1963 die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Das Gremium wurde vor 40 Jahren mit dem Auftrag gegründet, die Politik wissenschaftlich zu beraten. Die jährlichen Gutachten sollen zur Urteilsbildung bei den wirtschaftspolitisch verantwortlichen Instanzen und in der Öffentlichkeit beitragen. Die Mitglieder werden auf Vorschlag der Bundesregierung vom Bundespräsidenten für einen Zeitraum von jeweils fünf Jahre berufen.

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