Toll Collect Der Vollstrecker

Am 1. Januar wird - so jedenfalls prophezeien es die Beteiligten - das satellitengesteuerte Maut-System seine Arbeit aufnehmen. Der Erfolg ist vor allem einem Mann geschuldet: Christoph Bellmer. Er übernahm das angeschlagenen Kosortium im März von seinem glücklosen Vorgänger Hans-Burghardt Ziermann.

Berlin - Mit der pannenreichen Vorgeschichte der Lkw-Maut hat der heutige Toll-Collect-Geschäftsführer Christoph M. (für Martin) Bellmer nur wenig zu tun. Der 41-Jährige steht erst seit März an der Spitze des Maut-Konsortiums. Dort löste er Amtsinhaber Hans-Burghardt Ziermann ab.

Als das satellitengestützte Maut-System monatelang Negativ-Schlagzeilen machte, saß Bellmer noch im Vorstand der Telekom-Tochter T-Systems. Trotz des schlechten Rufs von Toll Collect fiel dem Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik und Datenverarbeitung der Wechsel nach Berlin nicht schwer. "Ich habe keine Sekunde gezögert", erzählt Bellmer.

Seither hat sich in der Toll-Collect-Zentrale am Potsdamer Platz einiges geändert. Der neue Chef hat einen anderen Ton ins Unternehmen gebracht. Wo früher die Probleme gerne bis zum letzten Moment geleugnet wurden, bemüht man sich jetzt um einen offeneren Umgang.

Geprägt von Jost Stollmann

Dem Chef ist heute noch anzumerken, dass er seine ersten Berufsjahre bei Compunet im Umfeld des kommunikativen Computer-Unternehmers Jost Stollmann verbracht hat, den Kanzler Gerhard Schröder (SPD) fast zu seinem ersten Wirtschaftsminister gemacht hätte.

Privat ist von dem gebürtigen Hannoveraner nur wenig bekannt: Bellmer ist verheiratet, hat zwei Kinder und verfügt über einen Pilotenschein. Zu sehen ist, dass der Mann Wert auf die Länge seiner Haare (millimeterkurz) und die Auswahl seiner Krawatten (vorzugsweise pink-metallic) legt.

Und er setzt auf Teamarbeit: Als Toll Collect am 15. Dezember die Betriebserlaubnis bekam, ließ er eine Anzeige mit den Namen aller 720 Mitarbeiter veröffentlichen. Der Name Bellmer stand an alphabetischer Stelle und war genauso groß wie alle anderen.

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