Artur Fischer Deutschlands Daniel Düsentrieb

Den Plaste-Baukasten Fischertechnik kennt fast jedes Kind. Im gleichen sehnsuchtsvollen Grau begegnet dem Erwachsenen der Fischer-Dübel, dieses unerlässliche Accessoire für Heimwerker. Was kaum jemand weiß: Der Gründer der Dübel-Dynastie ist erfolgreicher Erfinder und hält 6000 Patente. Silvester wird Artur Fischer 85 Jahre alt.

Waldachtal-Tumlingen - Den Fischertechnik-Baukasten kennt fast jedes Kind, den grauen Dübel jeder Heimwerker. Doch das sind nur die bekanntesten Erfindungen von Artur Fischer.

Mehr als 1000 Patente hat der Begründer der schwäbischen Dübel-Dynastie in Deutschland, weltweit sind es knapp 6000 gewerblich verwertbare Schutzrechte. Aus einer kleinen Werkstatt im Schwarzwaldort Waldachtal-Tumlingen (Kreis Freudenstadt) schuf er in den Nachkriegsjahren ein Unternehmen mit Weltruhm. Am 31. Dezember wird der Erfinder und erfolgreiche Unternehmer 85 - und die Ideen gehen ihm nicht aus.

So hat er in diesem Jahr (2004) wieder einmal ein neues Dübelpatent erfunden und eine Farbpalette zur Herstellung eines Reliefbildes. Fischer ist Deutschlands unbestrittener "Patentekönig" - doch das Wort hört der geniale Tüftler gar nicht gern; dass er mit der Zahl seiner Patente gleich hinter Thomas Edison (1847-1931) rangiert, schon. Dabei hebt er selbstbewusst den Unterschied hervor: "Das, was ich gemacht habe, ist das Produkt eines Einzerlerfinders."

Kurzsichtige Kreissparkasse

Den Grundstein für sein Firmen-Imperium legte der gelernte Schlosser 1948 in einer ehemaligen Turnhalle mit der Erfindung eines Fotoblitzes mit Synchronauslösung. Nicht einmal mit 1000 Mark wollte die Kreissparkasse dem damals 29-Jährigen unter die Arme greifen - so unsicher erschien sein Geschäft. Agfa sprang in die Bresche und unterstützte den Jungunternehmer.

1958 erfand Artur Fischer den grauen "Fischerdübel S" aus Nylon.

Er schuf damit die Grundlage für die Unternehmensgruppe Fischer, die heute in 19 Ländern 3300 Mitarbeiter zählt und einen konsolidierten Umsatz von rund 400 Millionen Euro hat.

Mit den Gewinnen erfüllte sich Fischer einen Traum und kreierte 1964 den Konstruktionsbaukasten Fischertechnik. Das Prinzip begeistert noch heute die Kids - mit so gar nicht schwäbisch klingenden Titeln wie "Mobile Robots" oder "Power Tractors".

"Man muss die Dinge anfassen"

Neben Dübeln aller Art und dem bekannten Spielzeug produziert die Gruppe auch Autozubehör - vom Cupholder über den Schirmhalter bis hin zur CD-Box.

Seit 1980 wird das Familienunternehmen von Klaus Fischer, dem Sohn des Seniors, geführt. Gänzlich aus dem Unternehmen zurückgezogen hat sich der ehemalige Chef mit dem Generationswechsel aber noch lange nicht. Vor wenigen Jahren hat er die Firma TiP für sein gleichnamiges neues Spielzeug gegründet. Kleine Rollen aus Kartoffelstärke können dabei zu waghalsigen Konstruktionen zusammengesetzt werden.

"Man muss den Kopf haben und den Willen, muss einer Sache treu sein und sie verfolgen", lautet sein Erfolgsgeheimnis. Und trotz kleiner Rückschläge wurde er so über die Jahre immer kreativer. Was ihm abends im Bett oder morgens unter der Dusche einfällt, probiert er meist selbst erst aus: "Man muss die Dinge anfassen."

Und wie bleibt ein so umtriebiger Mensch fit? "Jeden Morgen ausgiebig Frühsport treiben", lautet sein Rezept. Natürlich auch am Geburtstag, den er im Kreis der Familie mit seiner Frau, den Kindern und Enkeln feiern will.

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