Mittwoch, 19. Februar 2020

Smalltalk Schweigen ist Silber, Plaudern ist Gold

Es hätte die Chance des Lebens sein können: Der Chef kommt in den Fahrstuhl, lächelt gut gelaunt und fragt nach Ihren Wünschen. Sie laufen rot an, stehen da wie das Karnickel vor der Schlange und kriegen kein Wort heraus - der Rest ist Schweigen. Wer die Kunst des Redens nicht beherrscht, kommt im Berufsleben nicht weit.

München/Berlin - Es klingt nach keiner großen Sache, doch auch Smalltalk will gelernt sein. Wer die Kunst beherrscht, auch mit Unbekannten mühelos ins Gespräch zu kommen, hat durchaus Vorteile.

 Noch ein Softskill: Sich zwanglos unterhalten zu können, gilt als soziale Kompetenz
Noch ein Softskill: Sich zwanglos unterhalten zu können, gilt als soziale Kompetenz
Gerade im Berufsleben können solche beiläufigen Gespräche Türen öffnen. Sich zwanglos unterhalten zu können, gilt als soziale Kompetenz. Die fünf Minuten Geplauder über das Wetter, den Stau auf der Autobahn oder das Schicksal von Hannover 96 sind oft die Grundlage für dann folgende ausgiebige Gespräche.

"Smalltalk hat leider ein Negativimage", sagt Susanne Seitz, Diplom-Psychologin in Stuttgart. Die Unterhaltung nebenbei sei aber die ideale Aufwärmphase für einen intensiveren Dialog: "Smalltalk heißt, auf sich aufmerksam und einen möglichst guten ersten Eindruck zu machen", sagt die Psychologin. "Es ist aber auch gegenseitiges Abklopfen. Man guckt, wie ist mein Gegenüber gestrickt, wie tickt der?" Dabei gehe es nicht zuletzt darum, Gemeinsamkeiten mit dem Gesprächspartner zu finden.

Fisch, bist du stumm?

Auch im Berufsleben ist Smalltalk wichtig: "Wer ihn beherrscht, wirkt sympathischer auf Kollegen und Vorgesetzte", sagt Seitz. Unbeholfenheit in dieser Hinsicht kommt nicht gut an: "Wer dem Chef im Aufzug begegnet, sollte deshalb nicht stumm in Angststarre verfallen, sondern versuchen, ins Gespräch zu kommen", empfiehlt der Psychologe und Smalltalk-Experte Stephan Lermer aus München.

"Beim Smalltalk geht es darum, eine Vertrauensbasis herzustellen - vor allem, wenn man sich noch nicht kennt", erläutert Frank Naumann, Kommunikationspsychologe aus Berlin. Gerade das Intro eines Gesprächs birgt aber Tücken: "Bei Partys ist das meistens ganz einfach", sagt Naumann. "Man begrüßt die übrigen Gäste, stellt sich vor und schließt dann eine Eingangsfrage an." Eher ungeschickt sind solche, die sich schon mit "Ja" oder "Nein" erschöpfend beantworten lassen. "Offene Fragen, die den anderen auffordern, von sich zu erzählen, sind viel besser."

Auch für die Themen gibt es Regeln: "Gleich über andere herzuziehen, ist ein Tabu", sagt Lermer. "Das ist schlechter Stil, der selten gut ankommt." Generell seien für Smalltalk positive Themen zu empfehlen - und möglichst solche, bei denen die Meinungen nicht extrem auseinandergehen können. "Krankheiten sind ganz schlecht." Niemand werde gerne mit solchen Themen behelligt - die oft eher betretenes Schweigen auslösen als angeregte Diskussionen.

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