Flowtex-Affäre "Big Manni" erpresst und verurteilt

Ein Ex-Mitarbeiter des Flowtex-Konzerns versuchte aus dem betrügerischen Handeln seiner Chefs Profit zu schlagen - und erpresste sie. Ein Amtsgericht verurteilte den Mann nun zu einer Geldstrafe. Doch die ausgehandelte Abfindung nach dem Erpressungsversuch übersteigt die Geldstrafe um ein Vielfaches.

Karlsruhe - Das Amtsgericht Karlsruhe hat einen ehemaligen Flowtex-Mitarbeiter wegen versuchter Erpressung zu 12.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Der 47-Jährige hatte von den ehemaligen Chefs des Ettlinger Betrugsunternehmens vier Millionen Mark (2,05 Millionen Euro) gefordert. Andernfalls würde er ihre Luftgeschäfte auffliegen lassen, hatte er gedroht. Einen entsprechenden Bericht der "Badischen Neuesten Nachrichten" bestätigte der Richter Thomas Müller am Mittwoch.

Die Ex-Flowtex-Chefs Manfred Schmider und Klaus Kleiser, die in dem Prozess als Zeugen auftraten, hatten sich mit dem Mitarbeiter auf eine Abfindung von 700.000 Mark geeinigt. Darüber hinaus erhielt er gut dotierte Beraterverträge. Der Angeklagte bestritt vor Gericht den Erpressungsvorwurf und verlangte einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine zweijährige Bewährungsstrafe.

"Ein direkte Kausalität zwischen der Drohung und der Abfindung und den Beraterverträgen haben wir nicht feststellen können", sagte Müller. Denn Schmider und Kleiser seien zunächst nicht auf den Erpressungsversuch vom September 1996 eingegangen und hätten den leitenden Angestellten acht Monate lang weiterarbeiten lassen bis zur Auflösung des Arbeitsvertrags im Mai 1997. Daher sei der 47-Jährige am Dienstagabend nur wegen versuchter Erpressung verurteilt worden. Unklar sei auch geblieben, ob der Mann tatsächlich genug gewusst habe, um das Flowtex-Betrugssystem auffliegen zu lassen.

Schmider und Kleiser waren 2001 wegen Betrugs zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Ihre Leasing-Luftgeschäfte mit nicht vorhandenen Bohrsystemen hatten einen strafrechtlichen Schaden von 2,3 Milliarden Euro angerichtet.

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