Dirk Roßmann Hart, aber herzlich

Neben dem geizigen Anton Schlecker und dem schöngeistigen Götz Werner macht ein dritter Drogeriemarktmogul zunehmend von sich reden: Dirk Roßmann. Unterstützt durch die Finanzkraft eines chinesischen Konzerns, jagt der Hannoveraner den Erzrivalen Umsatzanteile ab.
Von Martin Scheele

Hannover - Er mag das Provokante, er stichelt gerne öffentlich, zu viel Harmonie scheint ihm abzugehen. Dirk Roßmann, Gründer der gleichnamigen - allerdings mit "ss" geschriebenen - Drogeriekette, pflegt mit markigen Sprüchen sein Image als Enfant terrible der Branche - und grenzt sich dadurch deutlich von den Konkurrenten, dem geizigen und öffentlichkeitsscheuen Anton Schlecker und dem Schöngeist Götz Werner ab.

Als wenn es noch eines Beweises für diese These bedurft hätte, bezeichnete der 59-jährige Hannoveraner in der "Berliner Morgenpost" DM und nicht etwa den Marktführer Schlecker als den härtesten Konkurrenten. Die Öffentlichkeit sollte dies als schallende Ohrfeige für Anton Schlecker verstanden wissen. Dabei beließ es Roßmann nicht: "Weil die (Schlecker) tendenziell höhere Preise nehmen als Rossmann und DM", lautete seine Antwort, für die er keinen Beleg anführte.

Diese aggressive Wortwahl traut man dem Mann mit dem vertrauenswürdigen Erscheinungsbild eigentlich gar nicht zu. Die vielen Lachfalten in seinem Gesicht, die Glatze auf seinem Haupt und das Legere in seiner Kleiderwahl - Krawatte ist verpönt - geben ihm zwar etwas Dynamisches, aber eben nicht Angriffslustiges.

Wer den Fehler jedoch macht, die Tatkraft des Mannes zu unterschätzen, ist schon im Nachteil. Roßmann startete 1972 nach einer Drogistenlehre im elterlichen Betrieb einen "Markt für Drogeriewaren". Zehn Jahre später gehörten ihm schon mehr als 100 Märkte. Heute sind es 1100 Verkaufsstellen in Deutschland und Osteuropa, die für einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro sorgen. 13.000 Mitarbeiter stehen auf Roßmanns Gehaltszettel. Nun plant der Mann seinen nächsten Coup: die Nummer zwei der Branche, DM, zu überrunden.

Im Gegensatz zu seinen Erzrivalen Schlecker und DM ist vor allem eines bei Rossmann augenfällig: Der Mann hat sich Unterstützung geholt und sich mit einem Weltkonzern verbündet. Schon in den 80er Jahren verkaufte der Selfmademan 40 Prozent an seinem Unternehmen an die Hannover Finanz, die versilberte die Anteile weiter an die holländische Drogeriegruppe Kruidvat, die mittlerweile vom Hongkonger Mischkonzern Hutchison Whampoa  geschluckt wurde.

Roßmann, der sich gegenüber manager-magazin.de nicht äußern wollte, hat allerdings nicht vor, die Mehrheit an seinem aufgebauten Reich abzugeben. Eine Option zum Erwerb weiterer Anteile habe Hutchison nicht. Kategorisch dementierte Roßmann auch, dass Hutchison irgendwelchen Einfluss auf sein Geschäft nimmt - wiederholt hingegen gebetsmühlenartig die Vorteile der Partnerschaft. Zusammen kann die Handelsmacht bessere Einkaufspreise von den Lieferanten fordern, das Gesamtumsatzvolumen beläuft sich auf sechs Milliarden Euro. Roßmann ließ sich in diesem Zusammenhang mit der deftigen Wortwahl zitieren: "Die (Hutchison) vergewaltigen mich mit ihrem Geld und wollen, dass ich noch aggressiver bin". Der Mann arbeitet unermüdlich an seinem Image.

Wie sich die Drogisten ins Gehege kommen

Umsatz soll in fünf Jahren auf drei Milliarden steigen

Die Folgen dieser Partnerschaft bekamen erst kürzlich mittelständische Lieferanten zu spüren, als ihnen unangenehme Post ins Haus flatterte. 50 von ihnen durften sich nach einem Bericht der "Lebensmittel-Zeitung" per Auktion um eine Listung bis ins Jahr 2006 hinein bewerben. Ziel von Rossmann/Hutchison: Die Zahl der Lieferanten soll europaweit von derzeit 2400 um 20 Prozent reduziert werden.

Die Partnerschaft mit Hutchison hat den Umsatz befeuert. Roßmann betont allerdings häufig, dass sein Unternehmen auch organisch wächst. Tatsächlich sind die Umsatzsprünge aber auf Zukäufe zurückzuführen. 2002 kaufte er 90 Idea-Märkte, im Herbst 2003 folgten 70 KD-Filialen vom Lebensmittelriesen Tengelmann. Bis 2006 sollen weitere 320 KD-Geschäfte einverleibt werden. Die Option wird gezogen, bestätigte der Unternehmenschef erst vor wenigen Wochen. Binnen fünf Jahren, so sagt Roßmann voraus, werde der Umsatz damit auf drei Milliarden Euro steigen.

Mit den Zukäufen kommt Rossmann seinen Konkurrenten zunehmend ins Gehege. Bis vor einigen Jahren galt in der Drogeriebranche das ungeschriebene Gesetz: Jeder Marktteilnehmer - außer Schlecker - respektiert den Machtbereich des anderen. Friedlich lebten die Imperien im Nord-Süd-Gefälle: Rossmann traditionell stark in Niedersachsen, DM in Süddeutschland. Nun verschwimmen die Grenzen der sich mittlerweile als national verstehenden Anbieter. Rossmann schreitet in den Süden vor und nimmt den Wettbewerb mit DM auf, DM nimmt seinerseits den Raum Hannover ins Visier.

Ähnlich wie DM hat Rossmann nicht den Fehler gemacht, unkontrolliert zu expandieren - wie Schlecker, der zu kleine und unrentable Filialen in jedes Kuhdorf gesetzt hatte. Somit muss nicht Rossmann, sondern Schlecker heute Läden schließen. Rossmanns durchschnittliche Verkaufsfläche ist mit 400 Quadratmeter weit größer als die eines Anton Schleckers. Wenn es nach Whampoa-Statthalter Jürgen Schreiber geht, soll diese Zahl in den nächsten Jahren noch nach oben geschraubt werden. Schreiber sagte kürzlich: "Wir arbeiten an Konzepten von sehr großen Märkten." Die Rede ist von 1500 Quadratmetern und mehr. Ein Gebilde, das dann eher Kaufhauscharakter hat als Drogerie. Schon heute führt das Unternehmen bis zu 17.000 Artikel in seinem Sortiment.

Betriebsratschefin ist voll des Lobs

"Roßmann hat eine Gründung nicht verhindert"

Anders als Schlecker hat Rossmann auch nicht den Fehler gemacht, auf Kosten seiner Angestellten zu wachsen. Von Drangsalierungen der Mitarbeiter weiß der zuständige Gewerkschaftsvertreter nichts zu berichten. Vielleicht gibt es auch deshalb erst seit zweieinhalb Jahren einen Gesamtbetriebsrat. "Der Anspruch der Kollegen war nicht da", argumentiert die Betriebsratsvorsitzende Cornelia Benhenni gegenüber manager-magazin.de. "Roßmann hat eine Gründung nicht verhindert", lässt sie aber keinen Zweifel an Widerständen in der Geschäftsführung aufkommen. Die Mitarbeitervertreterin spart hingegen nicht mit Lob für Roßmann. "Wenn der seine Märkte besucht, packt der noch selber mit an, spricht die Mitarbeiter bei Fehlern freundlich an."

An zwei prominenten Stellen seines Unternehmens lässt Dirk Roßmann aber wieder seine provokante Ader aufblitzen. Im "O" von Rossmanns Firmennamen springt ein Zentaur herum, ein Fabelwesen aus der griechischen Mythologie mit dem Oberkörper eines Mannes und dem Unterkörper eines Pferdes. Die Zentauren galten gemeinhin als unbeherrschtes Volk, stehen symbolhaft für Barbarei und Zorn. Die Mitarbeiterzeitschrift heißt ebenfalls "Zentaur".

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