Dienstag, 21. Mai 2019

Dirk Roßmann Hart, aber herzlich

Neben dem geizigen Anton Schlecker und dem schöngeistigen Götz Werner macht ein dritter Drogeriemarktmogul zunehmend von sich reden: Dirk Roßmann. Unterstützt durch die Finanzkraft eines chinesischen Konzerns, jagt der Hannoveraner den Erzrivalen Umsatzanteile ab.

Hannover - Er mag das Provokante, er stichelt gerne öffentlich, zu viel Harmonie scheint ihm abzugehen. Dirk Roßmann, Gründer der gleichnamigen - allerdings mit "ss" geschriebenen - Drogeriekette, pflegt mit markigen Sprüchen sein Image als Enfant terrible der Branche - und grenzt sich dadurch deutlich von den Konkurrenten, dem geizigen und öffentlichkeitsscheuen Anton Schlecker und dem Schöngeist Götz Werner ab.

Mit Mischkonzern Hutchison verbündet:
Dirk Roßmann
Als wenn es noch eines Beweises für diese These bedurft hätte, bezeichnete der 59-jährige Hannoveraner in der "Berliner Morgenpost" DM und nicht etwa den Marktführer Schlecker als den härtesten Konkurrenten. Die Öffentlichkeit sollte dies als schallende Ohrfeige für Anton Schlecker verstanden wissen. Dabei beließ es Roßmann nicht: "Weil die (Schlecker) tendenziell höhere Preise nehmen als Rossmann und DM", lautete seine Antwort, für die er keinen Beleg anführte.

Diese aggressive Wortwahl traut man dem Mann mit dem vertrauenswürdigen Erscheinungsbild eigentlich gar nicht zu. Die vielen Lachfalten in seinem Gesicht, die Glatze auf seinem Haupt und das Legere in seiner Kleiderwahl - Krawatte ist verpönt - geben ihm zwar etwas Dynamisches, aber eben nicht Angriffslustiges.

Wer den Fehler jedoch macht, die Tatkraft des Mannes zu unterschätzen, ist schon im Nachteil. Roßmann startete 1972 nach einer Drogistenlehre im elterlichen Betrieb einen "Markt für Drogeriewaren". Zehn Jahre später gehörten ihm schon mehr als 100 Märkte. Heute sind es 1100 Verkaufsstellen in Deutschland und Osteuropa, die für einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro sorgen. 13.000 Mitarbeiter stehen auf Roßmanns Gehaltszettel. Nun plant der Mann seinen nächsten Coup: die Nummer zwei der Branche, DM, zu überrunden.

[M] DDP; DPA; mm.de
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Im Gegensatz zu seinen Erzrivalen Schlecker und DM ist vor allem eines bei Rossmann augenfällig: Der Mann hat sich Unterstützung geholt und sich mit einem Weltkonzern verbündet. Schon in den 80er Jahren verkaufte der Selfmademan 40 Prozent an seinem Unternehmen an die Hannover Finanz, die versilberte die Anteile weiter an die holländische Drogeriegruppe Kruidvat, die mittlerweile vom Hongkonger Mischkonzern Hutchison Whampoa Börsen-Chart zeigen geschluckt wurde.

Roßmann, der sich gegenüber manager-magazin.de nicht äußern wollte, hat allerdings nicht vor, die Mehrheit an seinem aufgebauten Reich abzugeben. Eine Option zum Erwerb weiterer Anteile habe Hutchison nicht. Kategorisch dementierte Roßmann auch, dass Hutchison irgendwelchen Einfluss auf sein Geschäft nimmt - wiederholt hingegen gebetsmühlenartig die Vorteile der Partnerschaft. Zusammen kann die Handelsmacht bessere Einkaufspreise von den Lieferanten fordern, das Gesamtumsatzvolumen beläuft sich auf sechs Milliarden Euro. Roßmann ließ sich in diesem Zusammenhang mit der deftigen Wortwahl zitieren: "Die (Hutchison) vergewaltigen mich mit ihrem Geld und wollen, dass ich noch aggressiver bin". Der Mann arbeitet unermüdlich an seinem Image.

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